Nach einem entspannten Morgen, stand für uns Nachmittags Sightseeing-Programm an. Wie so oft wollten wir dieses mit einer Free Walking Tour beginnen. Lima ist die einzige Hauptstadt Südamerikas, welche direkt am Wasser liegt und eine Küste hat. Unser Stadtteil Miraflores liegt zwar direkt am Pazifik, allerdings nicht im Stadtzentrum. Glücklicherweise hatten wir eine Tour gefunden, die in Miraflores beginnt und gemeinsam in das Stadtzentrum fährt.

Innenstadt von Lima

Unseren Guide Luis haben wir am Kennedy Park in Miraflores getroffen. Zunächst haben wir erstmal die Metropolitano genutzt. Dies ist ein Bus-Schnellverkehrssystem, welches eigene Fahrspuren hat und somit die Stadt zeitnah miteinander verbindet.

Angekommen in Lima Downton bemerkten wir als erstes die große Anzahl an Polizisten. Ebenso fiel uns auf, dass auf dem Paseo vor dem Justizpalast die ganzen Statuen eingehüllt waren. Luis erklärte, dass dies wegen den Demonstrationen sei, momentan aber alles sicher ist. Der Paseo wirkte ziemlich ausgestorben. Man merkte schnell, dass in Lima keine normalen Zeiten herrschen.

Viele Polizisten und verpackte Statuen, Lima im Ausnahmezustand.

Weiter ging die Tour zum Plaza San Martin. Vom Platz selber konnten wir leider nicht viel sehen, denn dieser war gefüllt von Demonstranten. Zu unserer Zeit war zwar viel Los, aber alles friedlich. Zwei Tage später haben wir den Platz bei der Tagesschau wieder erkannt. Eines der anliegenden Gebäude stand in Flammen.

Die Straßen voller Demonstranten.

Auch für das Fernsehen von Interesse.

Zurück zu unserer Tour. Luis führte uns immer weiter durch die Innenstadt. Ab und zu hat er auch mal was erzählt, aber hauptsächlich schmeißte er mit Jahreszahlen um sich. Unsere Fragen hat er größtenteils nicht verstanden, aber dennoch eine Antwort gegeben. All zu viel haben wir demnach leider nicht mitgenommen.

Der Weg führte uns weiter zum Plaza Mayor, dem Hauptplatz. Dieser war vollständig abgesperrt, ein Betreten somit nicht möglich. Den bekannten Lima-Schriftzug konnten wir also nur aus der Ferne betrachten. Immerhin durften wir aber mal für ein Foto hinter die Absperrung.

Der Hauptplatz war für Demonstranten gesperrt und daher menschenleer…

… abgesehen von zwei einsamen Deutschen.

Generell waren kaum Touristen unterwegs. Die Demonstranten haben sich auf wenige Orte in der Innenstadt konzentriert. Diese Orte waren aber voll mit tausenden, wenn nicht sogar zehntausende von Menschen. Die Innenstadt war jedoch zum größten Teil gesperrt. In die gesperrten Bereiche durften wir wahrscheinlich nur mal rein, da wir Ausländer waren und Luis ein zertifizierter Guide ist. Hier wirkte alles sehr sauber und aufgeräumt. Die Stadt besitzt viele hübsche Gebäude aus der Kolonialzeit, die als Unesco-Weltkulturerbe geschützt sind. Wir haben mit Sicherheit kein normales Lima erlebt.

Die koloniale Pracht im Ausnahmezustand.

Zum Ende der Tour organisierte Luis uns noch ein Taxi für die Rückfahrt nach Miraflores. Da wir von unserem Tourguide nicht sehr überzeugt waren, suchten wir uns für den nächsten Tag einen anderen Anbieter.

Die Touristeninfo am Kennedy Park bot ebenfalls Free Walking Tours an. Für den nächsten Morgen wurde eine Foodie-Tour angeboten, das klang ganz nach uns.

Markthalle in Surquillo

Die Foodie-Tour sollte ursprünglich durch die Markthalle in der Innenstadt gehen. Der Plan wurde allerdings kurzfristig, aus Sicherheitsgründen, geändert. Somit sind wir in die Markthalle in Surquillo gelaufen. Dies ist ein benachbarter Stadtteil von Miraflores und war innerhalb von 10 Minuten erreicht.

Die Markthalle in Surquillo.

Zu Beginn der Tour stand eine Obst-Verkostung von regionalen Früchten an. Von Lucuma oder auch Guanabana hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Umso schöner, dass wir diese betrachten und dann verkosten durften. Es gab auch noch eine pinke Kaktusfeige, Physalis und Mango zu probieren. Insbesondere die Mango war so süß und lecker, wie man sie von daheim nicht kennt.

Unser Guide zeigte uns eine Lucuma.

Martina wird kein Lucuma-Fan, oder doch?

Nach den Kostproben sind wir weiter durch die Markthalle geschlendert. Teilweise hingen aufgeschnittene, aber noch nicht ausgenommene Hühnchen an den Ständen. Da konnte man sich das ganze Innenleben mal genauer anschauen.

Hier wird noch das ganze Tier verwendet.

Zum Abschluss hielten wir noch an einem Saft-Stand. Hier wurden frische Säfte ganz nach unserem Geschmack gemacht, mit Wasser oder Milch, gesüßt oder ungesüßt. Dem Ratschlag von unserem Guide, einen Lucuma-Shake mit Milch zu probieren, sind wir mal gefolgt, schließlich muss man ab und an ja auch mal was Neues probieren. Der Geschmack war anders als die Frucht alleine, ungewöhnlich, doch auch irgendwie gut.

Als Shake war die Lucuma schon sehr lecker.

Die Tour war wirklich schön und hat uns Spaß gemacht. Essen mögen wir eben.

Miraflores

Für den folgenden Tag hatten wir uns mal wieder eine Free Walking Tour rausgesucht. Diesmal ging es durch „unserem“ Stadtteil Miraflores. Die Tour begann wieder am Kennedy Platz. In diesem gibt es übrigens eine Büste vom Namensgeber, doch der ehemalige Präsident selber war niemals in Lima gewesen. Der Park selbst ist sehr ordentlich, sauber und wird von vielen Katzen bewohnt, weshalb er manchmal auch der Katzen Park genannt wird.

Im Park gibt es einige Stände, die verschiedenste Süßspeisen anbieten, u.a. auch Picarones. Der Stand Picarones Mary ist einigen evtl. aus Netflix bekannt. Denn bei der Folge zu Lima von Street Food Latin America spielt dieser Stand eine wichtige Rolle. Natürlich waren wir hier bereits am ersten Tag und was soll ich sagen, wir waren öfters dort.

Bekannt aus Netflix.

Picarones sind wie kleine frittierte Donuts, deren Hauptzutaten Kürbis und Süßkartoffeln sind. Serviert werden sie mit einer Honig-Sauce.

Streetfood: Gut und Günstig.

Die Tour führte uns weiter durch den großen Stadtteil. Wir besuchten den Indian Market, welcher eine Vielzahl an Souvenirs anbietet und gingen durch das Schoko-Museum. An der Küste sind wir dann noch durch den Parque del Amor, den Liebes-Park geschlendert. Dieser erinnerte an den Park Güell in Barcelona, da auch hier ganz viel mit Mosaiken gearbeitet wurde. Unsere Guides erzählten auch, dass es hier einen Wettbewerb für den längsten Kuss gab. Dieser lag angeblich bei über 33 Stunden?! Seit Corona findet der Wettbewerb allerdings nicht mehr statt.

Während unserer Führung zog es sich immer weiter zu. Es wurde so nebelig, dass man nicht weiter als eine Häuserreihe schauen konnte.

Die Stadt versinkt im Nebel.

Auch diese Tour war mal wieder schön und informativ. Obwohl wir einige Ecken vorher bereits alleine entdeckt hatten, ist es auch immer wieder schön mit anderen Reisenden in Kontakt zu kommen. In diesem Fall haben wir ein nettes Ehepaar aus Kanada kennengelernt und hatten gemeinsam viel Spaß.

Zum Abschluss haben wir dann endlich mal einen Pisco Sour probiert. Hmm, was war das lecker. Warum uns hier allerdings eine Catedrale in Rechnung gestellt wurde, hat sich uns erst später erschlossen. So wird nämlich ein doppelter Pisco genannt.

Pisco Sour.

Beim Genuss der Catedrale und nach den Erfahrungen der letzten Tage, mussten wir unsere weiteren Reisepläne überdenken. Die Situation im Land ist sehr angespannt, vor allem im Süden. Dies kollidiert mit unserer geplanten Reiseroute. Ein Weiterreisen im Land ist daher fast unmöglich. Auch das Auswärtige Amt rät derzeit dringend von Reisen in den Süden des Landes ab. Feststeht, dass wir eine neue Route brauchen, aber welche?!

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