In Chuchini gibt es viel zu erleben, das wollten wir in den nächsten Tagen am eigenen Leib spüren. Am Anfang gab uns Efrem eine kurze Tour über das Gelände, bei dem wir die anderen Bewohner kennenlernten.

Das ist Chuchini

Das Gelände ist ziemlich groß und direkt von der Natur umgeben. So ist es nicht verwunderlich, dass es auch weitere tierische Bewohner gibt. Ein kleines Äffchen ist uns über den Weg gelaufen. Später haben wir erfahren, dass es kein Haustier ist, sondern nach vollständiger Genesung wieder in die freie Natur entlassen werden soll.

Leben in der Natur.

Ein weitere Bewohner hat uns begeistert, ein Gelbbrustara. Dieser ist allerdings verletzt, sein linker Flügel ist mehrfach gebrochen. Dadurch kann und wird er vermutlich nicht mehr fliegen können. Die Bewohner von Chuchini kümmern sich aber sehr liebevoll um ihn. Er hat die Frucht der Kakaopflanze zu essen bekommen und wurde bei Regen auch immer ins Trockene geholt.

Der Pflegefall.

In den toten Bäumen haben weitere Gelbbrustaras gelebt. Dort haben sie sogar genistet und stets lautstark auf sich aufmerksam gemacht. Es war beeindruckend zu sehen, wie sie von dort abgeflogen sind.

Unsere lautstarken Nachbarn.

Nach der kurzen Führung übers Gelände stand eine Wanderung durch den Dschungel an. Hierfür mussten wir uns erstmal umziehen.

Wanderung durch den Dschungel

Die Kleidung sollte generell locker und eher luftig sitzen, da so die Wahrscheinlichkeit von Mücken gestochen zu werden, sinkt. Außerdem sind helle Farben zu bevorzugen, da dunkle Farben die Mücken anziehen. Von meinem Oberteil war Efrem allerdings nicht sehr begeistert und so gab er mir noch ein Hemd von sich zum rüberziehen. Dann gingen wir los, in Wanderschuhen und gebadet in Mückenspray.

Der Wald grenzte direkt an das Grundstück der Lodge und war wirklich dschungelig. So hatte ich mir das vorgestellt. An einem interessanten Baum haben wir kurz gehalten. Dieser Baum war eine Kletterpflanze, welche sich um den ursprünglichen Baum, eine Palme, gewickelt hatte. Das heißt, die Palme wurde durch die Kletterpflanze, eine Liliane, „erdrosselt“. Dadurch ist die Palme abgestorben. Bei diesem Exemplar konnte man sehr gut erkennen, wo der Stamm der Palme war. Die Höhle dient nun Fledermäusen als Zufluchtsort. In Mexiko hatten wir schonmal sowas ähnliches gesehen. Der damalige Guide El Gato Gordo sagte, die Liliane sei wie eine Ehe, sie tötet langsam. Das war Michi sehr in Erinnerung geblieben.

Die Palme ist abgestorben, die Liliane bleibt.

Und weiter ging es. Die Luft war warm und drückend, aber zum Glück waren wir nicht direkt der Sonne ausgesetzt. Die Bäume schützen uns gut. Es war schon beeindruckend wie Efrem den Weg immer mal etwas freikämpfen musste. Hier gehen eben nicht täglich zig tausend Touristen durch, ganz im Gegenteil.

Etwas später sahen wir dann etwas sehr merkwürdiges. Auf einem ehemaligen Termitennest lagen ganz viele schwarz-weiße Stacheln. Diese gehörten scheinbar einem Stachelschwein. Was war hier nur passiert?

Ganz viele Stacheln.

Wenige Schritte später sahen wir die Lösung und haben den „Rest“ vom Stachelschwein gefunden. Dies ist einem Jaguar oder einem Puma zum Opfer gefallen. Wahrscheinlich wurde das Stachelschwein beim Termitenfressen selbst zur Beute.

Und da ist der letzte Rest vom Stachelschwein.

Das war spektakulär, aber auch beängstigend. Könnten der Jaguar oder der Puma auch uns erwischen? Oder könnten Sie in die nahegelegene Lodge kommen? Efrem beruhigte uns dann aber schnell. Es gibt auf dem Gelände nur noch sehr wenige Pumas und Jaguars. Ein wenig später sahen wir noch, wie ein Baum von einem dieser beiden Tiere markiert wurde.

Wieder Spuren von Jaguar oder Puma.

Zum Abschluss der Wanderung hielten wir an einer Lagune. Hier hatte Efrem etwas besonderes mit uns vor.

Jagd auf Piranhas

Wir wollten Piranhas angelnd. Schnell hatte er seine Angelschnur ausgepackt und präparierte den Köder. Leicht angebratenes Fleisch gab es für die kleinen Fresser. Na dann wollen wir doch mal schauen, wie schnell so ein Piranha geangelt ist.

Gleich geht es los. Noch Schnell Fleisch am Haken befestigen.

Nach drei Versuchen hatte Efrem bereits einen Piranha geangelt. Und was war das ein hübsches Exemplar. In der Sonne hat dieser total geglitzert und er war größer als ich gedacht hätte.

Durchaus ein hübscher Fisch…

…aber mit gefährlichen Beißerchen.

Anfangs war ich von der Idee Piranhas zu angeln ehrlich gesagt nicht sehr begeistert. Tiere nur zum Spaß angeln? Aber so war es nicht. Efrem ist, wie wir später erst erfahren haben, gelernter Tierarzt. Er erklärte uns alles rund um den Fisch und zeigte uns die Zähnchen. Die sind ganz schön scharf! Und dann fragte Efrem, ob wir bzw. Michi den Piranha essen möchte. Das lies er sich natürlich nicht entgehen. Also hat Efrem den Fisch eingepackt.

Anschließend war ich an der Reihe mit Angeln. In der Lagune gab es viele hungrige Piranhas, denen ich ein Festmahl präsentiert habe. Natürlich war ich viel zu langsam, um einen zu angeln. Aber dann hatte ich Glück. Einer hatte angebissen und ich hab ihn schnell rausziehen können. Da für Michis Essen ja schon gesorgt war, haben wir ihn schnell wieder zurück ins Wasser geworfen.

Martina versucht ihr Glück.

Danach war Michi an der Reihe mit Angeln. Aufgrund meiner unzähligen, erfolglosen Versuche, hatten wir nicht mehr viele Köder übrig. Und so haben wir keinen Piranha mehr gesehen.

Als wir von dem Ausflug zurück kamen, war es erstmal Zeit fürs Mittagessen. Es gab ein traditionelles Pique Macho. Dies besteht aus einer Portion Pommes, über welche eine Sauce aus Rindfleisch, rote Zwiebeln, grüne Paprika und Tomaten kommt. Dekoriert wird es mit Mayo. Für mich gab es eine fleischlose Variante. Mein Geschmack war es nicht so, Michi erinnerte es an einen Dönerteller.

„Dönerteller“ Amazonas Style.

Und auch den Piranha sahen wir wieder.

Wiedersehen an der Tafel, die Zähne haben ihm aber nichts genutzt.

Und gerade als es Essen gab, fing es an zu regnen bzw. zu schütten. Da machte der Regenwald seinem Namen alle Ehre. 

Eine kleine Bootstour

Für den Nachmittag war eine kleine Bootsrundfahrt angesagt. Der Regen hatte sich zum Glück nach zwei Stunden wieder gelegt und so konnten wir starten. Auch hier waren wieder langärmelige Klamotten angesagt und natürlich viel Mückenspray. Und so ging es in einem kleinen Boot los. Wir fuhren die Lagune entlang und sahen dabei viele Vögel aus der Nähe. Insbesondere ein Vogel bleibt uns hierbei in Erinnerung, der Hoatzin. Diesem Vogel kann keine Verwandtschaft zu einer anderen, heute noch lebende Vogelart zugeordnet werden und stellt somit eine eigene Art dar. Laut Efrem gab es diese Vogelart bereits zu Zeiten der Dinosaurier, sozusagen ein lebendes Fossil.

Hoatzin – wie aus längst vergangenen Zeiten.

Auch viele andere Vögel haben wir gesehen, aber keines hatte Lust auf ein Foto. Einige waren sehr schreckhaft und sind direkt weggeflogen, als wir langsam angefahren kamen. Andere sind erst in dem Moment weggeflogen, als wir zur Kamera gegriffen haben.

Mit dem kleinen Boot das Wasser rund um Chuchini erkunden.

Auf der Fahrt haben wir keine anderen Boote gesehen. Die Lagune ist wirklich sehr ruhig und somit ideal für Tiere.

Chuchini vom Wasser aus.

Vom Wasser aus konnten wir unsere Unterkunft auch nochmal aus einem anderen Winkel betrachten. Diese ist mittig in der Lagune gelegen.

Michi im kleinen Boot.

Bei der Fahrt hieß es auch manchmal Kopf einziehen oder zur Seite ducken. Aber so konnten wir an ganz verwachsene Stellen fahren. Das Boot hatte zum Glück auch einen Rückwärtsgang.

Mit den kleinen Boot konnte man auch zwischen die Bäume fahren.

Und Dank des Fernglases von Efrem konnten wir einige Tiere trotz größerer Entfernung sehen.

Auf Erkundungstour.

Die Bootstour war wirklich schön und hat uns bereits einen Vorgeschmack auf den nächsten Tag gegeben. Zum Abendessen gab es eine vegetarische Gemüsesuppe. Dazu wurden Bananenchips als Topping gereicht. Das war genau unser Geschmack. Danach sind wir ziemlich ermattet ins Bett gefallen. Der erste Tag war wirklich vollgepackt mit Aktivitäten und Eindrücken. Was wohl der zweite Tag bieten sollte?

Die große Bootsfahrt

Da es in der Nacht geschüttet und gewittert hatte, gingen wir eigentlich davon aus, dass unsere geplante große Bootstour ausfallen würde. Dem war aber nicht so. Der Regen war morgens zum Glück nur noch sehr leicht und das größere Boot hatte ein Dach. Für uns beide wurden sogar extra noch zwei Stühle auf das Boot gestellt, damit wir es bequemer hatten. Mit Badekleidung im Gepäck ging es los. Wir fuhren die Lagune hinauf bis zum Fluss Ibaré. Diesen befuhren wir dann bis zur Einmündung in den Fluss Mamoré. Dieser ist einer der größten Flüsse Boliviens und erstreckt sich von der bolivianischen Stadt Cochabamba bis nach Brasilien. 

Martina bereit zum „Boarding“.

Ein kleiner Nebenfluss führt zum größeren Fluss Ibaré.

Auf dem Weg gab es natürlich wieder eine Menge zu sehen. Affen, ein Faultier und viele Vögel. Von den ganzen Tiernamen konnten wir uns leider fast nichts merken. Ab und zu sind sogar ein paar Gelbbrustaras umher geflogen. Die Farbenpracht ist echt phänomenal.

An den Ufern ist immer wieder die Natur zu bewundern.

Eine ganz scheue Schildkröte haben wir auch gesehen. Diese hat die aufgelockerte Wolkendecke zum Sonnen genutzt. Kurze Zeit später ist sie aber auch schon wieder ins Wasser eingetaucht.

Viele Flussbewohner waren sehr scheu.

An der Einmündung zum Fluss Mamoré stand dann das Highlight der Tour an. Hier können rosane Delphine beobachtet werden. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass es überhaupt rosane Delphine gibt. Efrem erklärte uns, dass sie sogar ihre Farbe ändern können. Jungtiere sind grau und ältere Exemplare werden rosa. Entfernt sind sie mit den bekannten Meeresdelfinen verwandt, aber eher wie Cousins meinte er.

Rosa Delphine waren schwer zu beobachten und auch zu fotografieren.

Es hat einige Zeit gedauert, bis wir beide überhaupt was erkannt haben, aber dann haben wir gleich ganz viel gesehen. Leider waren die Delfine so schnell, dass ein Foto kaum möglich war. In der Hoffnung, dass die Delfine später mehr Lust haben zu spielen und zu springen, haben wir erstmal eine Stop für unser Mittagessen eingelegt. Hierfür haben wir uns an einem abgestorbenem Baum festgebunden.

Unser Ankerplatz.

Zum Mittagessen hatte Efrem groß aufgetischt. Es gab Kartoffeln, Hähnchen und ganz viel Gemüse und frische Avocado. Herrlich und schön leicht. Eine Getränkeauswahl hatte er auch dabei. Zunächst entschieden wir uns für eine Cola. Da war Efrem leicht enttäuscht, da er für die Deutschen extra Bier eingepackt hatte. Nach dem Essen haben wir das Klischee dann aber noch erfüllt. Gesättigt und angeheitert war dann Siesta-Zeit. Für uns beiden wurden extra Hängematten aufgehängt und dann haben wir alle ein bisschen gedöst.

Trotz Regen gute Laune.

Während unserer Siesta hat sich das Wetter wieder etwas verschlechtert. Der Nieselregen hatte zugenommen und kam nun von allen Seiten. Kalt war es aber nicht. Wir begonnen nun langsam mit der Rückfahrt. Zunächst haben wir nochmal nach Delphinen Ausschau gehalten. Ein paar haben wir sogar gesehen. Und dann meinte Efrem, dass wir jetzt schwimmen gehen. Ich hab nur gelacht, da ich nicht dachte, er würde dies ernst meinen. Doch er fing an eine Art Leiter an der Außenseite vom Boot festzumachen. Also doch wirklich schwimmen?! Na gut. Alleine wäre ich nie auf die Idee gekommen in diese braune Brühe zu springen. Doch es war herrlich. Das Wasser war richtig angenehm warm. Und damit wir von einer möglichen starken Strömung nicht so weit vom Boot wegkommen, gab es für jeden einen Schwimmring, der mit einem Seil am Boot befestigt war. Und während wir so im Wasser planschten konnten wir weiter die rosanen Delfine beobachten.

Michi genießt das Bad.

Anschließend ging es aber wirklich zurück zur Lodge. Während wir gefahren sind, wurden uns weitere Snacks angeboten und auch weitere Getränke. Es war herrlich. Nach über 7 Stunden auf dem Boot waren wir wieder zurück und es gab kurze Zeit später Abendessen. Die letzten zwei Tage waren sehr intensiven und so hatten wir uns schon aufs Bett gefreut, aber einen Programmpunkt hatte Efrem noch in Petto…

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