Nach einem kleinen Frühstück in unserer Unterkunft in La Paz war es an der Zeit, die Stadt zu erkunden. Und wie sollte es hier anders beginnen, als mit einer Walking-Tour.

Walking-Tour durch La Paz

Um 10 Uhr war Treffpunkt der Tour am Sucre Platz, der von den Einheimischen allerdings San Pedro Platz genannt wird. Der Weg dorthin war schon etwas beschwerlich, aber wir hatten genug Zeit eingeplant. Unser Guide Denise erklärte uns dann auch, dass dieser Platz mit Absicht als Startpunkt ausgewählt wurde, denn die Tour würde nun hauptsächlich bergab gehen. Was ein Glück!

An unserem Startpunkt erzählte Denise uns auch noch einiges über das San Pedro Gefängnis, welches an den Platz grenzt. Dieses stellt eine Stadt für sich selbst dar. Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel, die die Stadt für das Gefängnis bereitstellt, gibt es lediglich am Eingang Polizisten. Im Inneren herrsche keine polizeiliche Kontrolle. Ebenso müssten die Gefangenen selber für ihre Kleidung, ihr Essen und sogar für ihre Zellenkosten aufkommen. Da es sich einige Insassen nicht leisten können zusätzlich die Wohnungskosten der Familie außerhalb des Gefängnisses bezahlen zu können, lebt die gesamte Familie eben im Gefängnis. Die Frauen und Kinder können dieses allerdings regelmäßig verlassen. Und da die Insassen ja keinen Job außerhalb der Gefängnismauern wahrnehmen können, tun sie dies eben im Gefängnis. So gibt es dort unter anderem Friseure und Mechaniker. Einige bestreiten ihren Lebensunterhalt aus dem Gefängnis heraus mit illegalen Aktivitäten und zwar durch Herstellung von Kokain. Die benötigten Coca-Blätter sind in Bolivien völlig legal zu erhalten. Die benötigten Chemikalien kommen aus den Werkstätten innerhalb des Gefängnis. Früher gab es sogar noch eine weitere Verdienstmöglichkeit für die Gefangenen. Denn es wurden Führungen in das Innere des Gefängnis angeboten. Eine Zeit lang war die Gefängnistour sogar eine Topempfehlung des Lonely Planets. Mittlerweile ist dies aber nicht mehr legal möglich. Die illegale Variante ist aber nicht zu empfehlen. Die Besucher wurden teilweise erst wieder rausgelassen, nachdem diese sehr viel Geld gezahlt hatten. Daher begnügten wie uns mit dem Blick von Außen und den Geschichten von Denise.

Für uns ging die Tour dann weiter über einen wuseligen Markt. Hier gab es vor allem frisches Gemüse zu kaufen. Es fiel auf, dass viele benachbarte Stände, dieselben Waren anboten. Denise erklärte uns, dass die Bolivianer aber regelhaft zum selben Stand gehen würde, wenn sie mit den Produkten zufrieden seien. Hierdurch entwickelt sich teilweise eine Art freundschaftliche Beziehung zur Verkäufern. Die Bolivianer nennen ihre Stammverkäuferin dann auch Casera.

Wuseliger Markt von La Paz.

Weiter ging es zu einer Straße mit Handwerkswaren. Hier wurden ebenfalls viele Souvenirs angeboten. Die Straße wirkte durch ihre farbenfrohe Aufmachung sehr einladend. Leider hatten zu unserer Tour viele Läden geschlossen.

Farbenfrohe Marktstraße.

Anschließend ging es zum bekannten Hexenmarkt. Die Bolivianer sind sehr abergläubisch, und so opfern sie ihrer Göttin Pachamama – Mutter der Erde – regelmäßig verschiedenste Dinge. In Bolivien sind Lamas heilige Tiere. Deshalb werden die Lamaföten und Lamababys Pachamama geopfert, wenn ein Haus gebaut werden soll. Hierdurch erbeten sich die Bolivianer das Einverständnis von Mutter Erde auf ihren Land zu bauen. Die Tiere müssen jedoch alle eines natürlichen Todes gestorben sein. Dies symbolisiert das Pachamama das Tier auserwählt hat. Je größer das Haus, desto größer muss auch das Lamababy sein. Früher wurden auch Menschen geopfert, diese Tradition ist aber inzwischen offiziell verboten. Es gibt aber ab und an Berichte von Obdachlosen, welche behaupten dass diese in einer Baugrube aufwachten.

Laden auf den Hexenmarkt.

Die Tour führte weiter zur San Francisco Kirche. Diese ist so besonders, da diese mit christlichen, aber auch indigenen Symbolen dekoriert wurde. So sieht man zum einen in der Mitte den Kirchenpatron Franz von Assisi, aber rechts und links neben ihm sieht man eine Abbildung der Pachamama.

Fassade der Kirche zeigt christliche und indigene Symbolik.

Geendet hat die Tour anschließend am Murillo Platz. Hier wurde uns noch etwas über die Geschichte des Landes sowie die aktuelle politische Lage erzählt.

Da unsere Wohnung unweit dieses Platzes lag, kehrten wir anschließend zurück. Nachmittags sind wir noch etwas durch die Straßen geschlendert und haben uns einen Überblick über das System der Teleférico verschafft.

Valle de la Luna

Am nächsten Morgen, hatten wir uns für einen Programmpunkt etwas außerhalb der Stadt entschieden. Wir wollten das Valle de la Luna besuchen.

Eingang zu Valle de la Luna.

Das Valle de la Luna – das Mondtal – besteht aus tausenden Felsen, Felsspalten und kraterähnlichen Formationen. Es wurde im Laufe von Millionen Jahren durch Erosion und Klimagegensätze gebildet.

Wir entschieden uns für den längeren der beiden Rundwege. 40 Minuten sollte doch zu machen sein.

Die Landschaft wirkte ganz unwirklich, aber auch sehr beeindruckend.

Unwirkliche Landschaft vor den Toren La Paz.

Mittlerweile ist die Gegend um das Valle auch besiedelt. Die Anwohner können sich jeden Tag am Anblick des Mondtals erfreuen.

Martina blickt in die Ferne.

Der Weg war nicht so ohne. Es ging hoch und runter und natürlich wieder Treppen hoch. Allerdings war der Ausblick wirklich beeindruckend. So etwas hatten wir zuvor noch nicht gesehen.

Michi war auch da.

Gut, dass wir sehr zeitig ins Valle de la Luna gefahren waren. Es war ein Samstag und es kamen immer mehr Einheimische. Dadurch wurde es ziemlich wuselig. Zuvor hatten wir die Landschaft fast für uns alleine. Mit einem Uber ging es dann wieder zurück in die Stadt, da wir uns für den Nachmittag bereits einen weiteren Programmpunkt zurechtgelegt hatten. Hierzu mehr im nächsten Beitrag.

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