Unseren Nachmittags-Aktivität bestand darin, den lokalen ÖPNV auszuprobieren.
Seilbahn-Rundfahrt
Wir wollten eine Seilbahn-Rundfahrt machen. Das Netz von Mi Teleférico ist derzeit das weltweit größte städtische Seilbahnnetz. Gebaut wurden die Seilbahnen von der österreichischen Firma Doppelmayr. In der ersten Bauphase in 2012 wurden drei Linien errichtet. Diese hatten die Farben der Bolivianischen Flagge, also rot, gelb und grün.
In der zweiten Bauphase ab 2017 wurden weitere 7 Bahnen eröffnet. Und derzeit ist eine weitere Linie in Planung.

Eine Seilbahn-Fahrt kostet 3 Bolivianos, das sind etwa 40 Cent. Ein Rundfahrt-Ticket oder auch ein Tages-Ticket gibt es nicht. Für jede Linie muss ein neues Ticket gelöst werden.
Wir hatten uns eine eigene Route zurechtgelegt, bei der wir möglichst viel sehen würden. Und so starteten wir mit der türkisenen Linien, da diese bei uns in der Nähe eine Station hat.

Uns viel auf, dass die ganzen Stationen und Gondeln sehr sauber waren. Es gab keine Graffitis, es lag kein Müll herum. Alles war in einem sehr gepflegten Zustand. So würde man sich auch den ÖPNV in Frankfurt wünschen.

Ebenfalls fiel uns auf, dass es ein gutes Farb-Leit-System gab. Die Häuser der Stationen und die Gondeln hatten jeweils die Farbe ihrer Linie. So ist es auch Leuten, die nicht Lesen und Schreiben können, gut möglich mit dem Seilbahn-Netz zurechtzukommen.

Die Silberne Linie war die wohl beeindruckendste. Diese fährt auf dem Bergkamm entlang und bietet so einen spektakulären Blick auf die Stadt.

Die Linien haben teilweise einen großen Höhenunterschied von bis zu 600 m gehabt.

Generell gab es nicht viele Stationen an denen die Seilbahnen „gehalten“ haben. So ist es durchaus möglich, dass man 5 Minuten fährt, bis überhaupt eine Station kommt.

Die weiße Linie war etwas anders, wie die bisherigen Linien. Sie führte genau über einer Straße entlang. Hier konnte man definitiv den Vorteil der Seilbahn im Vergleich zum Auto sehen, denn wir konnten nicht im Stau oder an der Ampel stecken bleiben.

Alle die dachten, Deutschland sei das letzte Land mit Maskenpflicht im ÖPNV, haben sich getäuscht. In den Seilbahnen und den Stationen mussten wir Masken tragen. Hieran hat sich auch wirklich jeder gehalten.

Unsere Seilbahn-Rundfahrt hat insgesamt ca. 2,5 Stunden gedauert. Man erhält hierdurch auch nochmal einen ganz anderen Blick auf die Stadt. Es war wirklich beeindruckend.
Für den nächsten Tag hatten wir uns wieder eine Walking-Tour ausgesucht, die uns u.a. nach El Alto führen sollte.
Walking Tour von La Paz nach El Alto
Der erste Stop der Tour war allerdings der Friedhof in La Paz.
Der Friedhof von La Paz
Dieser ist riesengroß. Anders als man es bei uns gewohnt ist, werden die Särge in eine Art Wand eingelassen. Das „Fenster“ kann von den Familien selber gestaltet werden. Es wird viel mit Farben gearbeitet, aber auch den Lieblingsgegenständen der Verstorbenen. Sollte jemand gerne Cola oder Bier getrunken haben, stehen eben diese Getränke teilweise in den Fenstern.
Der Guide unserer heutigen Tour, Daniel, erklärte uns auch, dass viele Gräber nach 5 Jahren nicht weiter geführt werden. Generell muss eine jährliche Gebühr für das Grab gezahlt werden. Die Aymaras, die größte indigene Bevölkerung in Bolivien (ca. 30-40%), glaubt, dass nach 5 Jahren die Seele eines Verstorbenen an einem besseren Ort weiterlebt. Deshalb wird versucht, nicht weiter an dieser Person „festzuhalten“, in Form eines Grabes oder in Form von Trauer.

Weiter erzählte uns Daniel, dass es seit einigen Jahren ein Kunst-Fest auf dem Friedhof gibt. Bei der Ñatinta werden jährlich aussagekräftige Wandbilder ausgewählt und anschließend auf dem Friedhof verewigt. Alle Bilder haben einen Bezug zum Tod bzw. zu den Bräuchen und Gedanken der Aimaras.

Die Farbe Gelb soll den Verstorbenen den Weg zurück zu ihren Familien zeigen. Einmal jährlich gibt es die Fiesta de Los Muertos in Bolivien. Hierbei wird den Verstorbenen gedacht, da deren Seelen an diesem Tag ihre Familien besuchen kommen. Deshalb wird für sie ein kleiner Altar in der Wohnung mit ganz viel Essen aufgebaut. Es wird ihnen sogar eine kleine Leiter aus Brot an den Altar gestellt, damit sie leichter „hinabsteigen“ können. Durch viele gelbe Blumen sollen sie den Weg zu ihren Familien leichter finden.

Die großen Wandbilder waren teilweise sehr bunt und einige hatten viele Motive mit Bezug zu Aimara-Symbolen versteckt.

Es war ungewohnt, einen Friedhof so bunt zu sehen. Es war ebenso interessant zu erfahren, wie andere Kulturen mit dem Thema Tod umgehen. Das ist so ganz anders wie man es von zu Hause gewohnt ist.
Nach der ganzen Farbenpracht auf dem Friedhof, führte unsere Tour weiter nach El Alto. Bis 1985 war El Alto ein Teil der Stadt La Paz. Mittlerweile ist sie aber eine eigenständige Stadt und sogar die zweitgrößte des Landes, nach Santa Cruz und vor La Paz.
Der Weg nach El Alto
Da El Alto auf ca. 4.100 m über dem Meeresspiegel liegt, nahmen wir den Teleférico nach oben. Hierbei konnten wir den Friedhof nochmal von oben betrachten und haben seine Ausmaße erkennen können.

Oben angekommen war der Ausblick schon sptakulär.

In El Alto wollten wir gemeinsam den größten Flohmarkt Südamerikas besuchen. Daniel gab uns hierzu den Hinweis, alle Wertsachen zu verstauen, da es sehr voll und sehr wuselig sein würde. Ebenso seien die Bewohner von El Alto um einiges ärmer, als die in La Paz. Also haben wir unsere Wertsachen und auch die Kamera gut eingepackt.
Der Markt war riesig und es gab gefühlt alles zu kaufen. Wir haben nur einen kleinen Ausschnitt des Marktes gesehen, aber lt. Daniel sei dieser über 400 Blöcke groß. Wer sich auf dem Markt etwas auskennt, kann sogar echt Schnäppchen ergattern. Es gibt verschiedene Bereiche z.B. für Schuhe, Hosen oder auch Essen. Leider hatte es während unseres Besuchs geschüttet. Die meisten Stände hatten ein kleines Vordach vor ihrem Stand, sodass man größtenteils fast trocken über den Markt gehen konnte. Allerdings war die Höhe dieser Vordächer etwas kritisch, da die meisten Besucher doch etwas kleiner sind.
Weiter führte uns der Weg anschließend zum Hexenmarkt. Bereits in La Paz hatten wir ja einen gesehen, welcher allerdings sehr sehr klein war. Der Hexenmakrt in El Alto war um einiges größer. Hier gab es wieder Lamababys oder -föten, viele Kräuter und andere Geschenke für Pachamama zu kaufen.

Trotz Regen ging es immer weiter für uns. Schließlich hatten wir noch einen weiteren Programmpunkt auf der Tagesordnung. Wir wollten zu einem Cholita-Wrestling.
Kampf der Cholitas
Bereits in Mexiko hatten wir uns einen Lucha Libre angeschaut, welches meiner Ansicht nach das Gegenstück hierzu war. In einer kleinen Arena sollte der Kampf bzw. die Kämpfe stattfinden. Schnell fiel uns auf, dass die Besucher hauptsächlich Touristen waren.

Die Stimmung war dennoch ziemlich gut. In der Halle war es aber leider eisig kalt. Zum Glück waren wir dick eingepackt. Die Cholitas in ihren tollen und bunten Outfits zu sehen, war wirklich schön. Insbesondere als sie sich dem Publikum vorstellten und eine Runde um den Ring getanzt sind.

Star des Cholita-Wrestling war Maria. Das halbe Publikum schien sie bereits zu kennen und feuerte sie ganz fleißig an. Es wurde wirklich mit allen Mitteln gekämpft, so erhielt sie von einem Zuschauer dessen Cola, damit sie sich daran stärken konnte. Andere Zuschauer sind als Schiedsrichter in den Ring gesprungen und haben ihre Gegnerin angezählt. Alles hat dazu geführt, dass sie glücklicherweise den Kampf auch gewonnen hat.

Zum Ende zeigten sich nochmal alle Cholitas gemeinsam im Ring zur Verabschiedung.

Nach dem Wrestling ging es für uns wieder heim. Der ganze Tag draußen im Regen und die kalte Arena hatten uns wirklich geschlaucht. Da half dann nur noch eine heiße Dusche und ab ins Bett, denn eine Heizung hatte unsere Unterkunft nicht.
An unserem letzten vollen Tag in La Paz sind wir nochmal eine Runde Seilbahn gefahren. Man könnte täglich fahren und würde immer wieder Neues sehen. Anschließend hieß es für uns aber wieder Rucksack packen, denn am Folgetag würden wir weiterreisen.
Um das Erlebte zu verarbeiten und einzuordnen wird nach euren Rückkehr Wochen und Monaten dauern. Man kann lange von zerren und das ganze im Geiste wie Film ablaufen lassen. Was sin wir Menschen doch wunderbare Geschöpfe. 🥰