Uns hat Potosí nicht angesprochen. Wir haben uns dort einfach nicht wohlgefühlt. Ob es am Wetter, an der Höhe oder doch etwa an der etwas dusteren Vergangenheit lang, kann ich nicht genau sagen. Eins war sicher, unser Bauchgefühl sagte nein. Deshalb beschlossen wir, unsere Zeit in Potosí zu verkürzen, was zum Glück möglich war. Dies allerdings nicht, ohne eine der Hauptattraktionen vor Ort mitzunehmen.

Wie bereits erwähnt, ist Potosí mal eine der reichsten Städte der Welt gewesen, aufgrund des Zink- und Silbervorkommens. Im Berg Cerro Rico wird weiterhin gearbeitet, auch wenn die besten Zeiten bereits vorbei sind. Als Tourist kann man hier auch mal tiefer eintauchen, wovon euch Michi nun berichten wird.

Cerro Rico – Bergbau in Bolivien

Zum ersten mal seit dem Start unseren Sabbaticals haben Martina und ich den Vormittag getrennt voneinander verbracht. Ich wollte mir unbedingt die Hauptattraktion von Potosí anschauen – die Minen. Martina hat dies aber für sich, nach Betrachtung einiger YouTube Videos, ausgeschlossen. Denn ein Besuch der Minen ist nicht ohne. In unserem Reiseführer gab es auf der entsprechenden Seite eine Warnbox und auch in der Agentur musste ich bei der Buchung einen Haftungsausschluss unterschreiben.

Die Tour startete im Zentrum von Potosí. Bevor es aber richtig los ging, waren wir erstmal auf dem Markt für die Minenarbeiter einkaufen. David, unser Guide, erklärte uns, dass an diesem Ort alles zu bekommen ist, was die Arbeiter für ihre Tätigkeit benötigen. Natürlich kann dort auch Dynamit erworben werden. David hatte hat selbst Bergmann gearbeitet und kennt sich daher bestens aus. Unsere Gruppe, bestehend aus einem Schweizer und drei Deutschen (inklusive mir), hat aber ausschließlich nicht explosive Geschenke für die Mineros gekauft. Die Arbeiter durften sich auf Limonade und Kokablätter freuen. Nach dem Markt ging es weiter in ein Lagerhaus. Dort wurden wir mit Arbeitskleidung versorgt.

Unser Guide David zeigt uns Dynamit.

Nun passend gekleidet ging es zu den Berg Cerro Rico. David zeigte uns noch das Objekt der Begierde, ein kleiner Brocken welcher Silber enthält. Neben Silber sind in der Mine jedoch auch Blei, Kupfer, Zinn und Zink zu finden.

Stein mit Silbereinschlüssen.

Nun wurde es Zeit die Mine zu betreten. Nach ein paar Meter mussten wir aber schon wieder umkehren da wir Gegenverkehr hatten.

Der Eingang zur Mine.

Uns kamen zwei Bergarbeiter mit einer Lore voller Schutt entgegen. David überreichte den beiden Bergarbeiter ein Geschenk von uns und wir konnten nun endlich die Mine betreten. Die Gänge sind sehr schmal und niedrig. In der Regel konnte ich nicht aufrecht gehen. Stark gebeugt gingen wir immer tiefer in die Mine. Ab uns zu fingen die Gleise an zu vibrieren, dann gab uns David zu verstehen, dass wir uns an die Stollenwand drücken sollen. Es passierte wieder eine Lore.

Zuerst lassen wir die Mineros passieren.

Die Gleise waren teilweise abschüssig, dann konnten sich die Arbeiter ein paar Meter mit der Lore rollen lassen. Bei anderen Bereiche war das Gegenteil der Fall. Dann zog der eine Minero die Lore und der andere musste schieben.

Enge Wege sind zu bezwingen.

Die Arbeit unter Tage ist unglaublich anstrengend. Ich war nach einem zweistündigen „Spaziergang“ fertig, die Mineros Arbeiten dort 12 Stunden am Tag.

Immer wieder kamen uns Bergleute entgegen. Einer hatte sogar Equipment aus Deutschland dabei. Die bequemste Variante um Löcher für die Dynamitstangen in den Felsen zu bohren ist elektrisch. Jedoch können sich viele den Bosch-Bohrhammer nicht leisten. Eine günstigere Möglichkeit ist mit Druckluftbohrern zu arbeiten, jedoch ist das elektrische Bohren leichter.

Ein Stück Deutschland in der Mine.

Nun sind wir an Tio vorbeigekommen, die Gottheit der Bergleute. Diese beschenken Tio mit Zigaretten, Bier und auch Kokablättern.

Tio – Der Gott der Bergmänner.

Für uns ging es immer tiefer in den Berg. Das besondere an unserer Tour war, dass wir zwei Stollen besichtigen. Der Übergang zu dem anderen Stollen hatte es aber in sich. Die Verbindung bestand nur aus einem kleinen Kriechtunnel. Ich packte meine Kamera in meinem kleinem Rucksack und kroch in den kleinen Tunnel. Das Ende war nicht in Sicht. Ich passte gerade so hindurch. Die Luft in Potosí ist schon dünn, doch nun kam noch Staub hinzu. Die Maske war nur ein dürftiger Schutz, die Lunge brannte. Nach etwa 8 m war es geschafft. Ich bin im zweiten Stollen unserer Tour angekommen.

Selfie mit staubiger Maske.

Im zweiten Stollen hat David dann noch mehr Geschenke von uns an die Bergleute verteilt. Es viel immer wieder auf, dass die Abstützungen gebrochen waren. Von den Bergleuten scheint es keinen zu irritieren.

Die Abstützungen machten keinen soliden Eindruck.

Unser weiterer Weg führte uns direkt an einer Silberader vorbei. Das Gestein mit dem höchsten Silberanteil hat eine schwarze Färbung. Die gelb-braune Bereiche enthalten Kupfer. Die Silberader befindet sich jedoch in einem Hauptstollen und darf daher nicht abgebaut werden. Ein entfernen würde sich negativ auf die Stabilität des Stollens auswirken.

Silberader im Hauptstollen.

Langsam merkte man, dass die Luft besser wurde. Wir näherten uns den Ausgang. Draußen hatte David noch mehr Erzählungen für uns, diesmal standen die Themen Krankheit, Unfälle und Tod auf der Agenda.

Minero ist kein Job in den man alt wird. Der Staub hat fatale Folgen für die Gesundheit. Viele Bergleute leiden unter Lungenkrankheiten. Es passieren auch viele Unfälle. David zeigte uns seine Hand, diese hat eine dicke Narbe. Er ist mit seiner Hand zwischen zwei Loren gekommen. Und zum Schluss noch der erschreckendste Bericht. Er erzählte uns wie bei einem Grubenunglück drei seiner Freunde umgekommen sind. David hatte noch eine erschreckende Zahl für uns zum Schluss. Es wird geschätzt das seit der Ankunft der Spanier 8 Millionen Menschen im Cerro Rico ihren Tod gefunden haben.

Ausgang – Es ist geschafft.

Ich bin froh nicht mehr in der Mine zu sein. Diese lässt einen mit einem betrückenden Gefühl zurück. Die Bergleute haben einen unfassbar gefährlichen und anstrengenden Beruf. Von Arbeitsschutzgesetzen hat hier noch keiner was gehört. Da ist das Leben in Deutschland schon ein Privileg.

Blick auf Potosí.

David hat uns noch erzählt, dass er in Deutschland im Fernsehen zu sehen war und tatsächlich sendete er uns einen entsprechenden Beweis. Er war nämlich mit seiner Familie bei einem Galileo-Beitrag. Das Video ist sehr zu empfehlen. Es macht einem sehr nachdenklich wie viel Aufwand für 200g Kupfer betrieben wird. Für alle Elektriker da draußen, das sind etwa 5m 3×1,5qmm.

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