Geführte Tour über die Insel
Ein Großteil der Insel ist Nationalpark und diesen kann man nur gemeinsam mit einem Guide besuchen. Deshalb holte uns pünktlich um 9 Uhr morgens unser Guide Iti ab. Iti war einen Kopf kleiner als wir und etwa Mitte 20. Ihr Vater ist Tiroler. Da sie auch eine Zeit in Tirol gelebt hat, spricht sie Deutsch.
Iti kam nicht alleine, sondern brachte unseren fahrbaren Untersatz für die folgenden Tage mit. Wir hatten uns erstmals für einen Leihwagen entschieden, da dies die Erkundung der Insel um einiges erleichtert. Öffentliche Busse oder Taxen gibt es kaum. Unser Suzuki Gran Vitara erfüllte seine Aufgabe vollständig, auch wenn er sonst einige Macken hatte: das Radio, die Klimaanlage und ein Fensterheber gingen nicht. Und auch das Getriebe war nicht mehr das Neueste. Jedoch war der Buchungsprozess einmalig einfach, denn eine WhatsApp-Nachricht genügte. Solche Dinge wie Mietvertrag, Führerschein oder gar eine Versicherung haben keine Rolle gespielt.

Und so starteten wir gemeinsam mit Iti, um die Insel zu erkunden. Beim ersten Stop trafen wir gleich auch den ersten Moai, welcher am Boden lag. Bis heute geben die Moais noch viele Rätsel auf, die ungelöst sind. Iti erklärte uns, dass die Moais im Grunde Grabstätten waren. Für angesehene Verstorbene eines Stammes wurde ein Moai errichtet, dies dauerte etwa 2 Jahre. Deshalb sehen alle Moais auch unterschiedlich aus. Teilweise wurden die Gebeine der Verstorbenen beim Aufstellen an der Unterseite des Moais verwahrt. Generell sind die Moais auf einer Plattform aufgestellt worden mit Blick über ihren Stamm. Dem Meer haben sie den Rücken zugewandt. Es wird davon ausgegangen, dass dies symbolisiert, dass der Moai bzw. der Verstorbene über sein Volk wacht und sie ebenso beschützt.
Es war gut erkenntlich, dass die Steine der Moais eine gelbliche Färbung haben. Die umherliegenden roten Steine wurden für die Haare genutzt. Damals hatten auch die Männer lange Haare, welche sie in einem Dutt auf dem Kopf trugen. Demnach ist der rote Stein auf dem Kopf kein Hut, sondern symbolisiert den Haarknoten.

Als Nächstes besuchten wir den Steinbruch. Dies ist der einzige Ort auf der Insel mit dem gelblichen Stein. Dementsprechend stammen alle Moais von hier. Bereits auf dem Weg konnten wir einige Moais aus der Entfernung ausmachen.

Zunächst zeigte Iti uns allerdings noch einige Werkzeuge, mit denen die Moais aus Stein geschnitten wurden. Wirklich beeindruckend und unvorstellbar was das an Arbeit war. Im Steinbruch selber haben wir viele unfertige Moais entdeckt. Diese waren besonders gut an der markanten Nase zu erkennen.

Einige Moais waren etwas unterhalb des Steinbruchs gelegen und sahen ziemlich vollständig aus. Hierbei muss man sich allerdings vorstellen, dass die fertigen Moais vom Steinbruch aus an ihren Aufstellungsort gebracht werden mussten. Bis heute ist nicht geklärt, wie die Menschen dies damals bewerkstelligt haben. Beispielsweise könnten die Moais auf Holzstämmen gerollt worden sein, aber dies ist nur eine von mehreren Theorien.

Sofern ein Moai während des Transport oder beim Aufstellen auseinander brach, war dieser nicht mehr zu gebrauchen. Es musste ein neuer Moai gefertigt werden, denn man glaubte, dass ein gebrochene Moai den Stamm nicht beschützen konnte. Es gab eine regelrechte Straße vom Steinbruch in Richtung Meer, welche mit gebrochenen Moais gepflastert war.

Während einer großen Krise habe die Menschen der Osterinsel den Glauben an die Moais verloren. Sie stießen alle Moais von ihren Plattformen. Das heißt, alle heute stehende Moais wurden erst in den letzten Jahrzehnten wieder aufgerichtet. Teilweise auch mit Hilfe von Stahlstreben und Beton.
Für uns ging es weiter zu der größten wiederhergestellten Plattform der Insel mit 15 Moais. Bereits aus der Entfernung konnten wir unser Ziel erkennen.

An dieser Plattform konnte man deutlich erkennen, dass alle Moais unterschiedlich sind. Da die Plattform nicht vollständig gefüllt ist, haben wir uns dort noch eingereiht.
Schwer zu erkennen ist, dass die Moais ihre Hände auf ihre Bäuche gelegt hatten. Auf den ersten Blick sahen die Finger alle lang und dünn aus. Iti erklärte uns dann aber, dass dies gar nicht die Finger, sondern die Fingernägel seien. Es war damals üblich die Fingernägel nicht zu schneiden. Dies war allerdings nur den einflussreichen Leuten möglich.

Iti erklärte uns auch noch, dass man an den Augen erkennen könne, ob der Moai mal aufgestellt war oder nicht. Die Augen wurden im Steinbruch nämlich nur angedeutet. Richtig ausgehölt wurden diese erst, als der Moai aufgestellt war. Es wurde dann noch eine Koralle in die Höhle gelegt. Somit sind die Augen das letzte, was am Moai fertiggestellt wurde.
Auch von hinten lässt sich deutlich erkennen, dass jeder Moai anders ist.

Nach dieser beeindruckenden Plattform ging es weiter zu unserem vorletzten Stop. Ziel war der Strand Anakena, an welchem es auch eine Plattform gibt. Es wird davon ausgegangen, dass dies die Stelle ist, an der der einstige König damals als erstes die Insel betreten hat.
Der Strand war wirklich traumhaft schön mit weißem Sand und ziemlich türkisfarbenem Wasser. Und während man im Wasser geplanscht hat, konnte man die Moais aus der Entfernung betrachten. Natürlich sind wir auch mal ins Wasser gesprungen. Es war einmalig!

Bei unserem letzten Stop haben wir wieder Moais gesehen. Bei diesen liegt die Besonderheit allerdings darin, dass sie aufs Meer schauen und somit keinem Dorf zugewandt sind. Sie sollen die 7 Missionare darstellen, die die Insel einst entdeckt haben.

Und so endete unser Ausflug mit Iti. Der Tag war recht lang, doch auch sehr kurzweilig. Zum Ende gab sie uns noch eine kleine Stadtführung und zeigte uns den größten Supermarkt und die einzige Tankstelle der Insel. Wir waren sehr glücklich Iti gefunden zu haben.
Die folgenden Tage wollten wir die Insel auf eigene Faust erkunden.