Ovahe Strand

Wir wollten nach der Tour mit Iti etwas wandern gehen. Die rausgesuchte Tour begann am anderen Ende der Insel, aber durch unseren Leihwagen waren wir ja gut ausgestattet. Leider mussten wir bald feststellen, dass wir die Wanderung nicht wie geplant durchführen können. Gleich zu Beginn gab es eine Farm mit einem langen Zaun. Laut Plan müssten wir einmal quer über das abgesperrte Gelände laufen. Da wir den Besitzer nicht fanden, entschieden wir und dazu, die Wanderung ausfallen zu lassen.

Da wir schon in der Nähe waren, fuhren wir also weiter zum Strand. Dieses Mal besuchten wir allerdings einen kleineren Strand, welchen Iti uns am Vortag empfohlen hatte. Der Ovahe-Strand war über einen kleinen Trampelpfad zu erreichen. Und dann waren wir ganz alleine am Strand. Dies mag an der frühen Uhrzeit gelegen haben oder auch daran, dass die meisten direkt zum Anakena-Strand weiterfahren.

Ganz alleine am Strand.

Wir hatten uns im Schatten niedergelassen, doch als dieser weg war, sind wir wieder aufgebrochen. Für einen ganzen Tag am Strand sind wir doch zu blass. Und da wir kurz zuvor bereits einmal zu lange in der Sonne waren, wollten wir hier nichts weiter riskieren.

Ovahe – einer der wenigen Sandstrände auf der Insel.

Nach unserer kleinen Inselrundfahrt sind wir dann erstmal einkaufen gefahren. Mit Auto lassen sich 10l Wasser viel leichter transportieren. Ebenso konnten wir mit unserem Vermieter Benjamin etwas quatschen. Ihm erzählten wir auch von unserer missglückten Wanderung und er sagte sofort, dass der Beginn wo anders sei. Auf einer Karte zeigte er uns dann den genauen Weg. Da merkten wir schnell, dass er gefühlt jeden Stein der Insel kennt.

Wanderung zum Poike-Vulkan

Neuer Tag – neues Glück. Und so starteten wir erneut zur Wanderung zum Poike-Vulkan. Nun wussten wir ja wo es lang geht. Unser Auto hatten wir mitten im Nirgendwo abgestellt.

Das Auto zurück gelassen.

Benjamins Erklärung zufolge mussten wir tatsächlich über den Weidezaun, den wir bald sahen. Anfangs fühlte es sich noch ein bisschen verboten an, doch das verflog ganz schnell.

Hinterm Weidezaun geht es weiter.

Weit und breit waren kein Haus oder andere Menschen zu sehen. Nur wir und ein paar Pferde waren unterwegs. Hier konnte man auch schön sehen, wie grün die ganze Insel ist.

Blick auf das Meer.

Kurz vor der Spitze des Vulkans gab es noch Überreste eines Moais. Dieser war allerdings sehr verwittert und ohne Abgrenzung hätten wir diesen wohl übersehen. Hier kann man auch erahnen, dass der genutzte gelbe Stein ein eher weicher Stein ist.

Am Rande des Vulkans die Überreste eines Moais.

Und dann waren wir endlich am Ziel: der Krater vom Poike-Vulkan. Dieser ist mittlerweile komplett trocken und ein kleiner Wald hat sich im Krater gebildet. Aus sicherer Entfernung haben wir uns dies angeschaut. Der Krater wirkte unheimlich. Beim Umherwandern habe ich wohl einen Vogel gestört. Dieser hat mit großen Radau sein Nest verlassen. Was haben wir uns erschrocken!

Der Vulkankrater.

Oben auf dem Krater wurde es immer windiger und auch dunkler. Es war Zeit für den Abstieg. Das Wetter hatte es nicht gut mit uns gemeint, denn auf einmal fing es an zu regnen, ja sogar zu hageln. Man hatte wirklich das Gefühl das der Moai mit unseren Besuch nicht einverstanden war. Unsere dünnen Regenjacken waren für den starken Regen nicht ausgelegt. Unser Auto kam zwar immer näher, aber dennoch waren wir komplett durchnässt. Da die Wolkendecke allerdings schnell wieder aufklarte, machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Anakena-Strand. Dort war dann wieder schönstes Badewetter angesagt und wir konnten uns wieder aufwärmen.

Der „kleine“ Vulkankrater

Und abends war es schon wieder Zeit von unserem Leihwagen Abschied zu nehmen. Wir hatten ihn doch etwas ins Herz geschlossen, denn das Fahren auf der Insel hat einfach Spaß gemacht. Es gab kaum Verkehr und die größten Hindernisse stellten die freilaufenden Pferde und Kühe dar. Diese ließen sich allerdings auch von uns nicht stören.

Das Abgeben des Leihwagens war genauso umkompliziert, wie das mieten. Wir stellten das Auto an der Straße ab, gingen zur Vermieterin, gaben ihr den Schlüssel und bezahlten. Ob das Auto vollgetankt war oder weitere Macken hatte, hinterfragte sie nicht.

Inselmuseum

Für den Folgetag hatten wir uns eine Wanderung in unserer Nähe rausgesucht. Allerdings ist diese aufgrund des schlechten Wetters im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Bereits in der Nacht hatte es angefangen zu regnen und hielt den ganzen Morgen an. Und auch wenn der Regen bald aufhören würde, wäre der ganze Boden durchnäßt. Unser Alternativprogramm bestand deshalb im Besuch des Inselmuseums. Auf dem Weg dorthin wurden wir auch nicht vom Regen verschont.

Alternative bei schlechten Wetter gesucht.

Ein Großteil der Strecke konnten wir an der Küste laufen. Es erklärte sich uns dann auch, warum die Insel so saftig grün ist. Während unseres Aufenthaltes hat es jeden Tag mindestens einmal geregnet. Auf dem Weg sahen wir auch noch ein paar weitere Moais.

Am Weg trafen wir wieder auf Moais.

Das antropologische Museum war ziemlich gut aufbereitet, alle Texte gab es auf Spanisch und Englisch zu lesen. Und so konnten wir einiges von dem, was uns Iti erzählt hatte, wiederfinden. Highlight des Museums waren die Überreste von einem Moai-Auge. Dies ist das einzig bekannte Auge und erst nach dessen Entdeckung wurde bekannt, dass die Moais überhaupt Augen hatten.

Das einzige Auge eines Moais.

Weiter ging das Museum auch kulturelle Aspekte ein und zeigte traditionelle Trachten der Insulaner. Von diesen sollten wir am Abend noch mehr sehen.

Traditionelle Tracht der Insulaner.

Kari-Kari

Über unseren Vermieter Benjamin hatten wir Tickets für das Kari Kari-Ballet erstanden. Da dies ein Teil seiner Familie sei, waren die Tickets sogar vergünstigt. Überraschenderweise gingen fast alle Bewohner unserer Unterkunft zum Ballet. Dies war witzig, da wir mit jedem ins Gespräch gekommen sind. Benjamin hatte uns freundlicherweise zum Schauplatz gefahren und leistete uns Gesellschaft.

Und auf einmal ging es ziemlich laut los. Viele leicht bekleidete Tänzer und Tänzerinnen traten auf die Bühne. Alle sangen sie lautstark und strahlten pure Lebensfreude aus. Schnell wurde deutlich, dass dies nicht einfach nur ein Tanz sei, sondern Hochleistungssport. Es wurde gehüpft und sich gedreht und gerade die Männer tanzten körperlich sehr anstrengend.

Mit vollem Körpereinsatz.

Wir waren sofort gefangen in dem Zauber der Musik und des Rhythmus. Es machte unheimlich Spaß und Freude der Gruppe zuzusehen.

Die Rythemen beherrschten den Saal.

Eine Stunde gaben die Tänzer Vollgas. Dabei wurden auch Kostüme gewechselt und die Tänze geändert, aber es gab stets einen fließenden Übergang. Zweimal holten sie Freiwillige aus dem Publikum, da haben wir uns aber erfolgreich gedrückt. Stattdessen musste unser Vermieter Benjamin dran glauben. Schnell merkten wir aber, dass er das definitiv nicht zum ersten Mal machte. Er hätte genauso gut bei der Gruppe mitmachen können. Als wir ihm dies später sagte, meinte er nur, dass er früher tatsächlich mitgetanzt habe.

Wanderung zum Orongo-Vulkan

Für unseren letzten vollen Tag in Rapa Nui hatten wir uns eine weitere Wanderung rausgesucht. Diese sollte zum Orongo-Vulkan gehen und soll eine der schönsten Wanderungen der Insel sein. Zeitig morgens ging es also los für uns. Glücklicherweise konnten wir direkt von unserer Unterkunft starten. Zunächst mussten wir einmal um den Flughafen herum laufen und dann folgten wir der Straße weiter. Als unser Plan den Wanderweg als Abzweigung von der Straße aufführte, wollten wir dem nicht so recht glauben und sind einfach der Straße weiter gefolgt. Diese führt schließlich auch zur Spitze des Vulkans. Später fanden wir eine weitere Abzweigung, die uns mehr zusagte und so folgten wir dieser. Auch hier trafen wir keine anderen Menschen, nur Kühe. Und irgendwann, was sich wie eine Ewigkeit angefühlt hat, waren wir endlich am Ziel: der Krater vom Orongo-Vulkan.

Erster Blick in den Krater und die vorgelagerten Inseln.

Der Ausblick war spektakulär, denn im Krater gibt es einen riesigen See. Wir beide waren echt sprachlos. Doch hatten wir auch großen Respekt davor, denn die 200 m in die Tiefe wollte keiner von uns freiwillig.

Krater vom Orongo-Vulkan.

Die Wanderung führte weiter einmal auf dem Kamm am Krater entlang. Wir gingen einen Großteil, immer mit genügend Sicherheitsabstand zum Krater. Hier oben gab es doch noch ein paar andere Menschen. Die meisten von ihnen sind allerdings mit dem Auto hochgefahren und spazierten nur am Krater entlang.

Am Aussichtspunkt und Parkplatz war noch ein Stein mit Petroglyphe zu sehen. Auf diesem ist der Vogelmann – ein Mischwesen aus Mensch und Vogel – abgebildet. Der Vogelmann war früher der Sieger eines Wettbewerbs, bei dem ein Vogelei von einer vorgelagerten Insel gegenüber vom Orongo-Krater geholt werden musste. Das Vogelei zu holen war nicht ohne. Hierfür musste erst eine 300 m hohe Steilwand herunter geklettert werden. Im Anschluss musste der Teilnehmer zu der Insel schwimmen, wobei im Gewässer Haie sind. Im Anschluss ging es den ganzen Weg wieder zurück, aber mit viel Vorsicht, denn das Ei darf nicht brechen. Wer gewann erhielt für das folgende Jahr viele Privilegien und großen politischen Einfluss auf der Insel. Das Risiko war enorm, so mancher Teilnehmer hat es mit seinem Leben bezahlt.

Der Vogelmann.

Da wir beim Aufstieg bereits einen kleinen Umweg gemacht hatten, sind wir nicht den ganzen Kamm am Krater entlang gelaufen. Wir passten den Punkt ab, an dem der eigentliche Wanderweg entlang ging und nahmen diesen. Und tatsächlich waren wir schneller wieder unten als gedacht. Und wir kamen genau an der Abzweigung wieder raus, die wir am Anfang noch angezweifelt hatten. Dennoch hat sich der Umweg auf unserem Hinweg gelohnt, da dieser zum einen nicht so steil war und wir zum anderen somit keine Strecke doppelt gelaufen sind.

Der „große“ Vulkankrater.

Die Wanderung hat uns ingesamt fast 20 km abverlangt, doch wir belohnten uns mit einer frischen, großen Empanada bei Tia Berta. Für uns beide eine der besten Empanadas soweit.

Unseren letzten Abend ließen wir dann gemütlich in unserer Unterkunft ausklingen und unterhielten uns lange mit Benjamin. Dabei erzählte er uns, dass sein Großvater Deutscher sei, er aber leider kein Deutsch spricht. Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges sind seine deutschen Großeltern ausgewandert.

Den vorherigen Artikel findest du hier.

Zum nächsten Artikel geht es hier lang.