Nach dem erfolgreichen Shopping am Vortag, wollten wir nun die Stadt erkunden. Hierfür hatten wir uns mal wieder eine Free Walking Tour rausgesucht.
Free Walking Tour durch El Centro
Startpunkt war der Plaza de Armas. Sonntagmorgens um 10 Uhr war dieser weit weniger gefüllt als am Vorabend. Unser Guide Pedro war, wie er selber zugab, ein Geschichts-Nerd. Die Tour enthielt also viele geschichtliche Aspekte, teilweise war es allerdings etwas schwer ihm zu folgen.
Vom Hauptplatz ging es weiter zu wichtigen Regierungsgebäuden. Vor dem aktuellen Justizgebäude war eine Statue von dem ehemaligen Präsidenten Manuel Montt und dessen engem Berater Antonio Varas zu finden. Beide setzten sich sehr für die Wiederbesiedlung im Süden des Landes ein. Deshalb sind dort auch zwei Orte nach ihnen benannt: Puerto Montt und Puerto Varas.

Der Weg führte uns weiter zum Palacio de la Moneda. Einst war dies die Münzprägeanstalt des Landes, heute stellt sie allerdings den Präsidentenpalast dar. Dieser arbeitet dort, wohnt allerdings woanders.
Ebenso stellte der Palacio de la Moneda im Jahr 1973 einen Schauplatz des Militärputsches dar. Der damalige Präsident Salvador Allende wollte die Macht nicht freiwillig an den künftigen Diktator Augusto Pinochet abgeben. Da die Verhandlungen nicht erfolgreich waren, bombardierte Pinochet den Palacio. Allende wurde dort später tot aufgefunden. Die letzten Studien besagen, dass es Suizid war.

Die Tour führte uns weiter durch die Stadt. Wir hielten noch an ein paar Gebäuden und erhielten viel Input von unserem Guide. Die Stadt selber hat ein paar nette Ecken, doch wirkte sie einfach nicht einladend. Ein bisschen konnte ich jetzt nachvollziehen, warum unsere Mitbewohner von der Osterinsel, die in Santiago leben, die Stadt als hässlich bezeichnet haben. Den restlichen Nachmittag gingen wir wieder ganz entspannt an und planten die nächsten Tage.
Gran Torre Santiago de Chile
Ein großes Highlight von Santiago wollten wir uns nicht entgehen lassen: den Gran Torre. Dieser Wolkenkratzer wurde in 2014 fertiggestellt und ist heute Teil des dazugehörigen Costanera Shopping-Centers.

Mit einer Höhe von 300 m stellt der Gran Torre das höchste Gebäude in Südamerika dar. Auf dem Bild wirkt er doch gar nicht so groß.

Für Besucher gibt es eine Aussichtsplattform im 61. und 62. Stockwerk. Hier oben hat man einen 360 Grad Blick über die Stadt. Man konnte erkennen, wie weitläufig dort alles ist. Allerdings müssen die fast 7 Millionen Menschen ja auch irgendwo leben.

Nach dem Ausflug zur Spitze des Turmes, sind wir auch noch mal eine Runde durch das Shopping-Center gelaufen. Mal wieder ein beeindruckendes Center. Es gab unzählige Geschäfte und kaum Leerstand. Und vor allem war es voll. Wir nutzen die Zeit für einen Frisörbesuch und um noch ein paar Kosmetika zu besorgen. Für den Nachmittag hatten wir nämlich bereits weitere Pläne.
Free Walking Tour Yungay
Wir hatten uns dazu entschieden, noch eine Free Walking Tour zu machen. Diese sollte durch die Stadtteile Yungay und Brasil, also direkt bei uns um die Ecke, gehen. Ehrlicherweise hatten wir die Tour nicht ausgewählt, weil sie uns besonders angesprochen hat, sondern eher um die Zeit sinnvoll zu füllen.
Unser Guide erklärte uns dann, dass dies eine visuelle Tour sein wird. Es ging weniger um geschichtliche Fakten als viel mehr darum, die ganze Streetart aufzunehmen. Okay, dann mal los.
Gleich zu Beginn teilte unser Guide uns mit, dass die Chilenen sehr tierlieb seien und vor allem Katzen mögen. Es gibt sogar Katzencafes dort. Hier kann man während man seinen Kaffee trinkt die ansässigen Katzen streicheln. Für diese wurden sogar extra Hängebrücken gebaut, das hatte ich bislang noch nie gesehen. Und die Chilenen sind wirklich tierlieb. Gefühlt jede frei rumlaufende Katze oder jeder frei rumlaufende Hund wurde von unserem Guide gestreichelt. Für uns war das etwas befremdlich, geht man doch direkt von ansteckenden Krankheiten bei ihnen aus.

Im ganzen Stadtteil gab es viel Streetart zu sehen. Manches war einfach nur schön, anderes hatte eine tiefere Bedeutung.

Unser Guide war auch schon in Berlin gewesen und hatte sich mit der deutschen Geschichte befasst. Für ihn sahen die beiden Häuser aus wie Berlin kurz vor Ende des 2. Weltkriegs. Dem konnten wir nicht so ganz zustimmen, war doch alles zerbombt.

Einige der Kunstwerke gingen auf die Aufstände von 2019 ein. Diese resultierten darin, dass das Land eine neue Verfassung möchte, da die aktuelle noch aus der Diktatur von Pinochet stammt. Unser Guide gab uns hierzu dann noch den neuesten Stand. Die neu ausgearbeitete Verfassung wurde von der Mehrheit der Chilenen abgelehnt wurde. Demnach wird nun ein neues Komitee gewählt, welches die neue Verfassung ausarbeiten soll, damit über diese anschließend wieder abgestimmt werden kann. Vermutlich wird dies Ende 2024 sein.

Einige Wohnhäuser hatten einen europäischen Stil.

Die Tour endete nach 2,5 Stunden und wir waren froh, noch etwas mehr von Santiago gesehen zu haben. Und ebenso gab uns der Guide noch einen wertvollen Tipp. In Santiago gibt es immer wieder Erdbeeben. Da die Chilenen hierin schon Übung haben, können sie unterscheiden, ob es nur ein kleiner oder doch ein großes Beben ist. Sollte also die Erde beeben und die Einheimischen bleiben weiterhin gemütlich im Cafe sitzen, besteht kein Grund zur Sorge. Sollten diese allerdings fluchtartig das Gebäude verlassen, so sollte man ihnen am besten folgen.
Valparaíso und Viña del Mar
An unserem letzten ganzen Tag in Santiago wollten wir einen Ausflug nach Valparaíso machen. Dort ist der Sitz des chilenischen Nationalkongresses, welcher von Pinochet in 1973 von Santiago nach Valparaíso verlagert wurde. Dies ist allerdings nicht der Hauptgrund unseres Besuchs gewesen, sondern die farbenfrohen schmalen Gassen und die Streetart haben uns interessiert. Wir hatten uns für einen geführten Ausflug entschieden, da der Transport von etwa 2 Stunden pro Strecke inkludiert war.
Leider begann der Ausflug schon schlecht, da wir eine halbe Stunde später als angekündigt in unserem Hotel abgeholt wurden. Und dann mussten wir feststellen, dass die angekündigte Kleingruppe aus 27 Personen bestand und einen ganzen Reisebus füllen konnte.
Die Fahrt nach Valparaíso oder Valpo – wie die Einheimischen sagen – dauerte ca. 2 Stunden.

Die Streetart wirkt hier um einiges bunter und farbenfroher, als wir es am Vortag in Santiago gesehen hatten. Teilweise waren hier ganze Häuserfronten verziert.

Leider hatten wir an dem Tag etwas Pech mit dem Wetter. Wir waren auf 30 Grad und Sonnenschein eingestellt und erhielten stattdessen eher 12 Grad mit Regen und Wolken.

Das schlechte Wetter konnte der Farbenfreude allerdings keinen Abbruch tun. Bei gutem Wetter würde dies allerdings bestimmt noch schöner aussehen.

Wir sahen sogar ein Hotel, dessen komplette Fassade ein einziges Kunstwerk war.

Leider konnten wir aufgrund des Wetters keinen guten Blick auf den Hafen in Valpo erhaschen. Alles vermischte sich zu einer grauen Brühe.

Und ebenso wirkte die Stadt noch etwas verschlafen. Viele Cafés und Läden waren noch zu oder öffneten gerade.

Nach dem kurzen Rundgang ging es schon weiter nach Viña del Mar. Der Nachbarort zählt zu einer der reicheren Gegenden und hat einen eigenen ziemlich großen Strand. Zunächst hielten wir jedoch noch an einem Wahrzeichen von Viña: der Blumenuhr.

Einen weiteren Stop legten wir im Fonck-Museum ein. Dieses wollten wir gar nicht besuchen, sondern die Steinstatue davor besichtigen. Aufgrund unseres vorherigen Stops waren uns diese Figuren bestens bekannt: ein Moai. Die ist tatsächlich ein echter von der Osterinsel gewesen. Laut unserem Guide gibt es nur drei Orte auf der Welt, an der man echte Moais sehen kann: die Osterinsel, im Fonck-Museum in Viña und im British Museum London. 2 von 3 können wir ja schonmal abhacken.

Nach einem Stop am Strand, bei dem wir auch etwas Zeit zum essen hatten, ging es wieder zurück nach Santiago. Der Ausflug an sich war in Ordnung, lediglich hatte die Beschreibung zuvor etwas anderes versprochen. Dennoch sind wir froh in Viña und in Valpo gewesen zu sein, da Valpo mit seiner Innenstadt als Unesco Welterbe zählt.