Unsere Reise nach Tokio
Von Shanghai aus dauert es mit dem Flugzeug ca. 2,5 Stunden bis nach Tokio. Für den Flieger hatten wir uns vorab Plätze reserviert und somit ein wenig extra Platz.

Die Einreise in Japan funktionierte problemlos. Bereits hier merkten wir, dass Japaner eine ganz andere Art als die Chinesen haben. Alle haben gelächelt, sich bedankt und waren sehr zuvorkommend. Der Herr bei der Passkontrolle hat sogar gelacht, weil er so viele Seiten durchblättern musste um mal eine freie Seite für den Einreisestempel zu finden. Bei der Gepäckausgabe wurden sogar abgeglichen, ob man die richtigen Gepäckstücke genommen hat. Das habe ich bisher noch nie erlebt.
Nachdem wir uns erstmal etwas Bargeld am Automaten besorgt hatten, sind wir zum Ticketschalter gegangen, um den Zug in die Innenstadt zu buchen. Der Flughafen Tokio Narita liegt doch etwas außerhalb der Stadt. Die freundliche Dame am Schalter erklärte uns dann noch den Weg zum Zug und das in einem ziemlich guten Deutsch. Bereits das Warten am Gleis war eine neue Erfahrung. Im Zug gibt es nur reservierte Plätze, sodass wir gleich wussten, in welchen Wagen wir steigen müssen. Am Gleis empfing uns dann bereits ein Herr, der uns erklärte, wo wir zu warten haben. Obwohl das Gleis doch recht voll war mit Wartenden, hatte alles seine Ordnung. Die Türen wurden freigelassen, damit die aussteigenden Passagiere Platz hatte und dann erst wurde eingestiegen.

Die Fahrt in die Innenstadt dauerte ca. 45 Minuten und wir konnten schon einen Blick auf die Stadt erhaschen. Das Wahrzeichen der Stadt, der Tokio Skytree, war bereits aus der Ferne zu sehen.

Nach ca. 45 Minuten Fahrt waren wir allerdings noch nicht am Ziel. Wir mussten noch mit der Metro weiterfahren. Mal sehen, ob wir da mit unseren Koffern einfach so reinkommen, sind die Bahnen doch zu ihren Stoßzeiten super voll. Aber wir hatten Glück und konnten problemlos mit der ersten Metro fahren. Es fiel direkt auf, wie ordentlich und sauber alles war, nicht ein Stückchen Papier lag irgendwo rum. Und obwohl viele Leute unterwegs waren, war es angenehm ruhig. In der Metro wurde sogar durchgesagt, dass man sein Handy leise stellen soll und auf Telefonate, aus Rücksichtnahme auf die anderen Mitreisenden, verzichten soll.

Generell war der Nahverkehr sehr zugänglich. Obwohl es verschiedene Anbieter gibt, für die man unterschiedliche Tickets brauchte, war alles recht verständlich. Durch unterschiedliche Farben und Formen konnten man sich gut zurechtfinden. Und so fanden wir auch zügig den Weg in unser Hotel.
Doch abends dann standen wir vor einer größeren Herausforderung, als ich es vorher für möglich gehalten hätte: Die Suche nach einem vegetarischen Essen für mich. Michi hätte als experimentierfreudiger Allesesser überall was gefunden. Als schnäubische Vegetarierin war ich da das begrenzende Element. Bei unserer Suche im Umkreis beschränkten wir uns schnell auf die Lokale, die Bilder oder sogar englische Übersetzungen in der Speisekarte hatten. Endlich hatten wir einen Laden gefunden, der etwas mit Tofu angeboten hat. Die Bestellung gaben wir bei einem Automaten ab, ähnlich wie bei McDonalds. Die Tickets gaben wir dann am Tresen ab und kurze Zeit später wurde uns das Essen gebracht. Ein Glas Wasser oder Tee gibts in Japan übrigens immer mit dabei, kostenfrei.

Am nächsten Tag begannen wir dann mit der Stadterkundung. Hierbei merkten wir nochmal deutlich, wie riesig die Stadt überhaupt ist. Zwar kommt man überall mit der Metro hin, aber das dauert auch gerne mal 40 Minuten. Für uns ging es zunächst an die bekannte Shibuya Kreuzung. Diese kannten wir von Bilder, bei denen Massen geordnet, aber doch kreuz und quer über die Kreuzung laufen. Wir wären fast an der Kreuzung vorbeigelaufen, weil so wenig los war. Wahrscheinlich waren wir einfach zur falschen Zeit hier.

Anschließend ging es weiter zum Meji Shrein, einem Shinto Tempel. Diese Shinto Tempel sind immer von einem Torii, eine Art Tor, umgeben. Hieran kann man auch leicht erkennen, ob es sich eben um einen Shinto Tempel handelt oder um einen buddhistischen Tempel, bei denen kein Torii davor steht.


Der Weg zum Tempel war wie eine grüne Oase inmitten der Großstadt. Man war umgeben von Natur und hat vom ganzen Trubel der Stadt kaum noch etwas mitbekommen.
Free Walking Tour
Anschließend machten wir, wer hätte es anders erwartet, mal wieder eine Free Walking Tour. Trotz Internet hatten wir etwas Mühe den Treffpunkt zu finden. Die Tour begann im Stadtteil Akihabara, welcher so bunt und laut war, dass man vor lauter Pikachus an den Gebäuden etwas die Orientierung verlor. Doch schnell fanden wir eine Gruppe nicht asiatisch aussehender Menschen, die vermutlich ebenso Touristen waren. Und kurze Zeit später kam auch unser Guide Hiroshi. Nach ein, zwei Stopps in Akihabara, verließen wir das Viertel allerdings schnell wieder. Bei einer Gruppe von fast 30 Leute, war es dort doch einfach zu laut und zu voll. Hiroshi zeigte uns schnell ein paar ruhigere Ecken Tokios und erzählte uns von der Geschichte.


Abseits einer vielbefahrenen Straße, gab es einen kleinen Wald, der eine Statue von Konfuzius beherbergte. Diesem wird nachgesagt den japanischen Shintoismus beeinflusst zu haben. Es gab sogar ein ihm gewidmetes Museum, welches allerdings geschlossen war.

Die Stadt bietet immer wieder ruhige Oasen, da es viele Tempel gibt. Bevor man den Tempel betritt, sollte man sich übrigens reinigen. Dafür gibt es spezielle Wasserbecken mit reinem Wasser. Zunächst wird die rechte, dann die linke Hand gewaschen und anschließend wird sogar kurz der Mund ausgespült.

In einem Shinto Tempel gibt es auch für das Beten einen bestimmten Weg. Für seinen Wunsch muss man zunächst bezahlen, das kann eine 5 Yen Münze sein, aber auch eine 1 Yen Münze. Der Wert ist hierfür unerheblich. Diesen wirft man in eine große Box. Dann verbeugt man sich zwei mal, bevor man zweimal in die Hände klatscht. Da es so viele unterschiedliche Shinto Götter gibt, die überall sind, soll durch das Klatschen deren Aufmerksamkeit gewonnen werden. Anschließend betet man bzw. gibt seinen Wunsch ab. Hierbei sollte man so konkret wie möglich sein und sich zunächst sogar kurz vorstellen, damit der Wunsch auch zugeordnet werden kann. Zum Abschluss verbeugt man sich ein letztes Mal und verlässt dann den Gebetsbereich.

Die Tour führte uns dann noch kreuz und quer durch Tokio, wobei wir schnell den Überblick verlieren. Orientieren konnte man sich aber immer etwas am Tokio Skytree, der oft zu sehen war. Wir hatten uns dies auch als nächsten Anlaufpunkt herausgesucht.

Denn nach der Tour wollten wir auf den Turm hinauf.
Besuch von Tokio Skytree
Der Tokio Skytree ist das Wahrzeichen von Tokio. Mit einer Höhe von 634 m ist er sogar das dritthöchste Gebäude der Welt.

Um das Erlebnis besonders zu genießen sind wir einen Teil des Weges gelaufen. Ok nicht wirklich. Gelaufen sind wir schon, aber hauptsächlich weil der Weg mit der Metro einfach sehr umständlich gewesen wäre. Dadurch konnten wir den Skytree aber in all seinen Illuminationen bestaunen.

Auf dem Skytree war gut was los, allerdings hätte ich mit noch viel mehr Menschen gerechnet. Und wir hatten richtig Glück mit dem Wetter und eine super Aussicht.

Die Japaner mögen es einfach bunt und kitschig. In Deutschland wäre solch ein Fotohintergrund bestimmt verschmäht worden. Doch hier standen die Leute fast Schlange dafür. Ein Foto konnte ich mir deshalb natürlich nicht entgehen lassen. und wenn schon, dann auch im richtigen Japan-Style.

Für den folgenden Tag hatten wir uns mal wieder eine Aussichtsplattform ausgesucht. So ein Blick über eine Großstadt ist schon spektakulär. Doch dieses Mal war es „nur“ der 45. Stock, dafür aber vollkommen kostenfrei. Und was ein Glück, dass wir die Plattformen genau so besucht haben, denn am heutigen Tag war es sehr bewölkt und nebelig. Bei gutem Wetter hätte man sogar den Berg Fuji sehen können.

Da zu dem Nebel auch ein bisschen Regen kam, sind wir etwas mehr auf den ÖPNV umgestiegen. Das Bahn-System ist Tokio ist einfach super. Man kann eine Suica-Karte erwerben und diese einfach mit Geld aufladen. Somit braucht man nicht für jede einzelne Fahrt ein Papierticket kaufen, sondern kann einfach die Suica-Karte nutzen. Und mit dieser Karte könnte man sogar im Supermarkt bezahlen.

Für Ausländer ist das Bahnfahren wirklich einfach. Die Durchsagen erfolgen auch auf Englisch und die Anzeigetafeln wechseln regelhaft zwischen Englisch und Japanisch. Die Rush hour sollte wenn möglich gemieden werden, doch wenn es mal nicht anders geht, findet sich schon ein Plätzchen im Wagon.

Für den weiteren Vormittag hatte wir uns schon wieder für eine Free Walking Tour entschieden, dieses Mal allerdings im Stadtteil Asakusa.
Asakusa Walking Tour
Auch wenn das Wetter nicht so mitspielte, machten wir das Beste draus. So war ich wirklich froh, dass wir für diesen Tag keine Tickets für den Skytree hatten. 🙂

Stattdessen hatten wir uns für eine Tour durch Asakusa entschieden, einem Stadtteil, der noch an das traditionellere Japan erinnern sollte. Bereits zu Beginn fiel das große Tor zum Eingang des Shinto Tempels, das Kaminarimon, auf. Es war einfach nicht zu übersehen. Dahinter befand sich eine Einkaufsstraße, die von Souvenir- und Snack-Ständen gesäumt war. Die Straße endete beim Tempel.

Uns fielen direkt ganz viele Frauen, aber auch Männer, auf, die in Simons rumliefen. Wir fragten deshalb unsere Guidin, ob ein Feiertag in Japan sei, doch sie verneinte. Dies waren alles Touristen, die sich „verkleidet“ haben. Sie erklärte uns dann noch, dass die Muster der Kimonos viel zu auffällig und bunt waren. Japaner bevorzugen dezente und zurückhaltendere Kimonos. Tauschen wollte ich mit den ganzen Touristen nicht. Viele hat man angesehen, wie mühsam es ist, sich in dem Kimono zu bewegen. Die Beinfreiheit ist doch sehr beengt. Und manche hatten sich sogar gegen die traditionellen Schuhe, die wie Holz Flip Flops aussehen, entschieden und sind in ihren eigenen Turnschuhen rumgelaufen.
Bereits im Tempel wurde es dann deutlich ruhiger von Touristen, denn diese machten ihre Bilder eher davor.

Die Tempelanlage war ziemlich groß und super in Schuss. Vom Staat erhalten die Tempel übrigens keine Unterstützung, sie müssen sich komplett selber finanzieren. So ist es auch möglich, dass es auf dem Tempelgelände Souvenirläden oder auch Eisverkäufer gibt.

Neben der Tempelanlage gab es auch einen kleinen Park, eine wundervolle Oase. Die Steinbrücke über dem Fluss soll eine der ältesten Konstrukte Japans sein.

Der Stadtteil Asakusa war früher auch ein Ausgehviertel und es gab viele Theater. Doch nachdem die Stadt immer weiter gewachsen war, verlagerte sich das Amüsierviertel eher nach Shibuya oder Shinjuku. Hierdurch gab es großen Leerstand in Asakusa. Der Stadtteil wurde aber in den letzten zehn Jahren wieder aufgewertet und es wurde hierbei versucht, den alten Charme beizubehalten.

Die Tour endete mit einem Blick auf dem Skytree. Ins Auge fielen hierbei allerdings zwei andere Gebäude an der Promenade. Der Hauptsitz der Asahi-Brauerei hat nämlich ein markantes Aussehen. Doch erst nach den Erklärungen unserer Guidin konnte ich dies als Bierglas zuordnen. Das kleinere Gebäude daneben soll das brennende Herz für Asahi-Bier darstellen. Doch wird dieses im Umgangston eher das „poo building“ genannt.
Harajuku und Schweine Café
Nach der Tour hatten wir noch einen letzten Punkt auf unserer Tagesordnung. Dieser führte uns ins Viertel Harajuku, einem ganz wuseligen, bunten und sehr vollem Stadtteil. Deshalb brauchten wir erstmal eine Stärkung.

Wir hatten uns für einen so ansprechend-aussehenden Crepe entschieden. Die Auswahl war wirklich etwas überfordernd, da es 4 dieser Vitrinen gab. Beim Warten hatten wir allerdings genug Zeit uns zu entscheiden. Der Crepe wurde letztendlich komplett zusammengerollt und das sehr akkurat.

Geschmacklich war der Crepe lecker, doch hätte ich gedacht, dass dieser noch süßer wäre. Und die Füllung war nicht zu viel, sodass man ihn wirklich gut essen konnte.
Doch nach der Stärkung stieg die Vorfreude auf den eigentlichen Grund unserer Anreise. Wir wollten ein Schweinchen Café besuchen.

Ja genau, ein Café bei dem Schweine, hier sogar kleine Mikroschweine, frei rumlaufen. In Japan ist sowas keine Seltenheit, gibt es dies doch auch mit Katzen, Hundewelpen oder sogar Ottern.
Wir hatten ein kleines Separee mit zwei Schweinchen gebucht, da der große Raum bereits ausgebucht war. Nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen und uns die Hände desinfiziert hatten, durften wir eintreten. Und da waren sie, viele kleine schwarze und rosane Schweinchen.

Zum Schutz der Kleidung hat jeder noch eine Decke erhalten, denn die Schweinchen waren sehr zutraulich. Nach dem ersten Schnüffeln haben sie sich direkt in meinen Schoß gesetzt. Und da wo das eine Schweinchen war, war natürlich auch direkt das zweite Schweinchen. Und das lag nicht nur daran, dass unsere beiden Schweinchen Geschwister waren.

Die Schweinchen haben sich sichtlich wohlgefühlt und glücklich vor sich hin geschmatzt. Es war herrlich und eine ganz neue Erfahrung. Die Getränke, die im Café angeboten wurden, waren hier total nebensächlich. Um seine Kleidung musste man sich übrigens auch keine Sorgen machen, denn die Schweinchen sind stubenrein und haben bei Bedarf ihr WC genutzt. Nach einer halben Stunde war es für uns dann schon wieder Zeit zu gehen, denn die nächsten Leute standen schon an.
Und so endete unsere Zeit in Tokio, da es für uns am nächsten Tag weiter ging.