Nach einer heißen Nacht – die Heizung bollerte voll – und einem leckeren Frühstück, brachen wir zeitig zu unserem ersten Stop des Tages auf. Wir wollten das Schifffahrtsmuseum Nao Victoria besuchen.
Nao Victoria
Dies war auch wieder ein Tip unseren Taxifahrers gewesen. Den Weg von 7 km wollten wir laufen, da dieser an der Küste entlang führte. Es war ziemlich windig, aber die immer stärker werdende Sonne wärmte uns gut.

Das Museum Nao Victoria ist nach dem Schiff von Ferdinand Magellan benannt, mit welchem um 1519 die erste Weltumseglung erfolgte. Das Museum war ganz anders als gedacht. Es gab einige Tafeln mit Erklärungen, aber der Hauptbestandteil waren vier nachgebaute Schiffe, die besichtigt werden konnten. All diese Schiffe hatten einen Bezug zu der Region.
Aber wieder zurück zu Magellan, denn dieser selbst hat die Welt nicht umrundet. Er starb während der Reise auf den Philippinen. Magellan hat jedoch in zweifacher Hinsicht eine besondere Bedeutung für die Gegend. Zum einem wurde nach Ihm das Gewässer benannt welches Patagonien und Feuerland voneinander trennt, die Magellanstraße. Zum anderen stammt von ihm die Bezeichnung Feuerland. Denn er beobachtet die vielen Feuer der Ureinwohner und nannte die Region so, wie er sie sah: Feuerland.

Die Schiffe waren komplett zugänglich. Zur Verdeutlichung der damaligen Lebensverhältnisse auf dem Schiff wurden dieses mit ein paar Puppen ausgestattet. Bei der ersten Puppe hatte ich mich so erschreckt, dass ich Michi immer vorgeschickt habe, damit er mir sagt, ob dort eine Puppe sei oder nicht.

Neben der Nao Victoria waren auch weitere Schiffe nachgebaut. So gab es auch die HMS Beagle zu sehen. Dieses wurde dadurch bekannt, dass Charles Darwin an einer Expedition des Schiffes teilnahm. Während ihrer Weltumrundung hat auch die HMS Beagle die Magellanstraße befahren. Der Kapitän hat sogar mehrere Ureinwohner Feuerlands mit nach England genommen. Die Schiffsbesatzung nannte einen von ihnen Jemmy Button. Michael Ende hat die Geschichte zu „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ inspiriert. Der Englisch Titel lautet übrigens „Jim Button and Luke the Engine Driver“.

Ebenso wurde die James Caird von Sir Ernest Shackleton nachgebaut. Dies ist eines von drei Beibooten des Expeditionsschiffs Endurance. Nachdem sein Schiff, die Endurance, im Weddellmeer vom Packeis zerdrückt worden ist, fuhr er mit der James Caird von der antarktischen Elefanteninsel zu einer Walfangstation auf Südgeorgien. Die Gewässer in dieser Region sind die stürmischsten der Welt. Shackleton gelang es in einem kleinem Beiboot die Strecke zu überwinden. In Südgeorgien konnte er Hilfe organisieren um auch die auf der Elefanteninsel zurück gelassenen Männer zu retten. Nach mehreren Fehlversuchen gelang es einem chilenischen Schiff die restlichen Mitglieder der Expedition aus der Antarktis zu retten.
Das vierte und letzte Schiff des Museums, die Ancud, ist ein Nationalsymbol Chiles. Immerhin legte dieses Schiff den Grundstein für eine dauerhafte Besiedlung der abgelegenen Regionen Patagonien und Feuerland. Die Spanier hatten ihr Kolonialreich nicht so weit in den Süden ausgedehnt. Ein Versuch ist dramatisch gescheitert. Nahezu alle Siedler verhungerten, woraufhin der Hafen den Namen Puerto del Hambre, zu deutsch Hungerhafen, bekam. Die Chilenen waren erfolgreicher als die Spanier, wobei ihre Siedlungsversuche auch erst etwa dreihundert Jahre später waren. Die Chilenen bauten unweit von Puerto del Hambre ein Fort und schließlich gründeten sie die Stadt Punta Arenas.

Das Museum war direkt am Wasser gelegen.

In der Nähe des Museum gab es auch ein Schiff, welches als Wellenbrecher absichtlich versenkt wurde. Dies hatten wir bereits vorher gesehen und dies war nicht das einzige Schiff, dem es so erging.

Vom Museum aus hatte man auch einen tollen Blick auf die Magellan-Straße.

Nach dem Museums-Besuch spazierten wir noch in die Zona Franca. Dieses Zollfreigebiet beherbergt viele Einkaufsmöglichkeiten, vor allem für Outdoor-Liebhaber. Die Preise waren allerdings nicht günstiger als bei uns.
Reserva Nacional Magallanes
Am zweiten Tag wollten wir etwas wandern und beschlossen uns in das nahegelegene Reservoir Magallanes zu fahren bzw. mit einem Uber fahren zu lassen.

Dort angekommen bezahlten wir zunächst den Parkeintritt. Und dann erklärte uns eine freundliche Dame die unterschiedlichen Wanderungen, die möglich seien. Da wir Zeit hatten, entschieden wir uns für die längste mit ca. 10 km. Bevor wir starten konnten, mussten wir uns allerdings noch in eine Liste mit Telefonnummer eintragen. Ebenso sollten wir uns ein Foto vom Notfallkontakt des Reservoirs machen. Und dann wanderten wir los.

Der Weg startete ganz flach und führte uns in einen schönen Wald hinein. Alle 50 m gab es einen roten Pfeiler im Boden, sodass man gar nicht vom Weg abkommen konnte. Doch bald begann der Anstieg. Warum müssen Aussichtspunkte auch immer oben sein?! Wir gingen immer Weiter, bis wir schließlich wieder aus dem Wald hinaus traten. Die Landschaft hatte sich bereits merklich verändert.

Da der Schutz der Bäume nun fehlte, pustete der Wind enorm. Wir konnten uns fast in den Wind legen, da dieser so kräftig war. Am Aussichtspunkt angekommen, konnten wir den Ausblick nicht lange genießen. Der Wind war extrem.

Also gingen wir zügig weiter, wieder in den Wald hinein. Zum Glück gehts von einem Aussichtspunkt aus meistens bergab.

Doch dieser Aussichtspunkt war nicht der Einzige auf dem Weg. Es gab noch en paar kleinere, doch der größte und schönste kam kurz vor Ende der Wanderung. Hier wurden wir allerdings mit einem super Ausblick belohnt. Wir konnten auf die ganze Stadt blicken und der Wind hielt sich zum Glück in Grenzen.

Und so hatten wir die Wanderung in knapp 4 Stunden geschafft.

Wir sind wieder zu unserem Anfangspunkt zurückgekommen und mussten uns aus der Liste wieder abmelden. So wussten die Ranger genau, wieviel Leute noch im Park unterwegs waren.
Anschließend ging es wieder zurück in die Stadt und wir ließen den restlichen Nachmittag ganz entspannt angehen.
Fuerte Bulnes
Am folgenden Tag wollten wir uns das Fort Bulnes ansehen. Dieses wurde unweit des Puerto del Hambre gebaut und mit ihm wurde die Stadt Punta Arenas begründet.
Auf dem Weg legten wir allerdings noch einen kleinen Zwischenstop ein: der Mittelpunkt von Chile. Denn unweit der südlichsten Großstadt Chiles – Punta Arenas – liegt auch der Mittelpunkt von Chile. Das klingt komisch und ist auch so. Die Erklärung hierfür ist aber recht simpel, denn die Chilenen sehen auch einen Teil des Kontinents Antarktika als ihr Territorium an. Jedoch ist Chile nicht der einzige Staat, welcher unter anderem die antarktische Halbinsel für sich beansprucht. So stellen Argentinien und auch das Vereinigte Königreich Gebietsansprüche.

Nach diesem etwas kuriosen Stop ging es weiter zum Fort Bulnes. Unweit des Forts gab es einen tollen Aussichtspunkt, zudem wir zunächst spazierten. Die Bäume waren vom Wind gezeichnet.

Und der Ausblick war toll. In der Ferne konnten wir bereits wieder Feuerland erkennen.

Und dann besuchten wir noch das Fort. Dies ist nun schon die vierte Nachbildung, da die vorherigen alle abgebrannt sind.

Das Gelände war schön aufbereitet, doch gab es keine Erklärungen. Hierfür war man auf seinen Guide angewiesen. Zwar wurde uns ein bilingualer Guide für Spanisch und Englisch angekündigt, doch als dieser merkte, dass wir etwas Spanisch konnten, versuchte er es auch gar nicht mehr auf Englisch. Mag auch daran liegen, dass seine Englischkenntnisse etwa mit unseren Spanischkenntnissen vergleichbar waren.

Und dann ging es auch schon wieder zurück nach Punta Arenas. Der Ausflug war ganz nett, aber zählt definitiv nicht zu unseren Highlights. Dennoch hat sich der Weg allein für die Landschaft gelohnt. Und die Fahrt führte die ganze Zeit an der Küste entlang. Und so konnten wir auf dem Hinweg sogar ein paar Delfine sehen. Das war wirklich schön.