Panoramatour

Am nächsten Tag war es endlich soweit, wir fuhren in den Nationalpark Torres del Paine. Dieser liegt etwa 2 Stunden von Puerto Natales entfernt. Wir hatten uns deshalb eine Ganztagstour rausgesucht, um so viel wie möglich vom Park mitzunehmen. Gegen halb acht wurden wir abgeholt und dann ging es los.

Der erste Stop war die Laguna Amaraga. Aufgrund ihres ph-Werts von 9 hat sie ihren Namen erhalten: Die saure Lagune. Wunderschön leuchtete sie hellgrün. Das Wetter wollte noch nicht so ganz mitspielen, denn es war bewölkt und sehr windig.  

Die Saure Lagune – Laguna Amarga

Weiter ging es zu unserem ersten Wasserfall am Fluss Paine. Hier konnte man auch die interessanten Felsen bestaunen.

Wasserfall

Und mit der Zeit besserte sich zum Glück auch das Wetter. Die Wolkendecke klarte etwas auf und die Sonne kam zum Vorschein. Die Natur ist schon einmalig schön.

Mirador Nordenskjöld

Die entfernten Berge waren immer noch ziemlich umnebelt. Das Wetter in Patagonien sei allerdings stets sehr unbeständig erklärte uns unser Guide Natalie. Vielleicht haben wir ja Glück und können später noch einen Blick auf die drei Türme erhaschen.

Unser nächster Stop stellte den zweiten Wasserfall des Tages dar. In weiter Ferne konnte man den Salto Grande erkennen. Diesen wollten wir uns aber am nächsten Tag nochmal genauer anschauen.

Wasserfall Salto Grande in weiter Ferne.

Dann fuhren wir an einem Hotel vorbei. Dies ist das einzige staatliche Hotel im Nationalpark. Neben diesen einen staatlichen Hotel gibt es einige private Unterkünfte, wie Hotels oder auch Zeltplätze. Denn auf dem Parkgelände gibt es ein paar wenige private Grundstücke. Dies liegt auch daran, dass der Park vor einigen Jahren erweitert wurde und die Grundstücke in privatem Besitz waren. Auf diesen privaten Geländen gelten nicht die selben strengen regeln wie im Rest vom Nationalpark. Daher wurden dort Gebäude errichtet. Im den privaten Bereichen des Parks sind zum Beispiel auch Haustiere gestattet, während dies im restlichen Park nicht erlaubt ist.

Staatliches Hotel im Nationalpark

Dann war es auch für uns Zeit für eine Mittagspause. Diese fand am Lago Grey statt. Dort gab es eine Cafeteria und einen kleinen Wanderweg zu einem Aussichtspunkt. Da wir uns Essen eingepackt hatten, machten wir uns auf zum Aussichtspunkt. Der Weg fing schön an, doch dann ging es weiter über einen Steinstrand. Die Schritte wurden beschwerlicher. In der Ferne konnten wir den Gletscher Grey erkennen, den wir uns aber in den folgenden Tagen nochmal genauer anschauen wollten. Und dann merkten wir, wie uns wahrlich die Zeit weglief. Wir mussten die kleine Wanderung abbrechen und den Rückweg antreten, damit wir zumindest 10 Minuten Zeit für unsere Brote hatten. Schade, der Blick vom Aussichtspunkt wäre bestimmt schön gewesen.

Gletschereis am Lago Grey.

Und nach einer Stärkung war es auch schon an der Zeit, den Nationalpark langsam zu verlassen. Es stand noch ein Stop an einer Höhle an. In dieser wurden Fell-Überreste von einem Mylodon gefunden. Diese werden in einem Londoner Museum ausgestellt. Das Tier ist bereits ausgestorben. Die Höhle war wirklich groß und wurde über Jahrzehnte von der Natur geformt.

Cueva del Milodón

Nach diesem letzten Stop ging es dann wieder zurück nach Puerto Natales. Die Tour war lang und anstrengend, doch haben wir so viel vom Nationalpark mitnehmen können.

Wanderung zum Mirador Los Cuernos

Am folgenden Tag ging es für uns wieder in den Nationalpark. Dieses Mal wollten wir wandern gehen. Praktischerweise gibt es viele Busverbindungen in den Park. Und so ging es morgens um 7:10 mit dem Bus los. Allein für die Fahrt hatte es sich fast schon gelohnt. Wir konnten sehen wie die Berge langsam aus der Nacht erwachen und leicht umnebelt waren. Und wir konnten alle drei Türme sehen, endlich!

In weiter Ferne.

An unserem Ausgangspunkt angekommen, begann unsere kleine Wanderung. Diese führte zunächst zum Aussichtspunkt des Salto Grandes. Diesen hatten wir ja bereits am Vortag gesehen, doch nur aus der Ferne. Jetzt konnten wir den Wasserfall aus der Nähe bestaunen, wirklich wunderschön. Das Wasser war stellenweise ganz türkis und strahlte. Ich war begeistert.

Der Salto Grande.

Und von dort ging unsere Wanderung dann erst so richtig los. Ein schöner Weg führte uns weiter in die Natur.

Michi auf dem Wanderweg.

Wir hatten traumhaftes Wetter. Die Sonne schien und es war schon fast warm. Dennoch hatten wir uns gut eingepackt. Wie manch andere Leute in T-Shirt rumlaufen konnten, war mir schlicht ein Rätsel.

Der Rio Paine.

Auf dem Weg konnte man die Natur betrachten. Es gibt keine bzw. kaum Bäume und meist sind die Böden mit „goldenem Gras“ bewachsen.

Auf dem Weg zum Mirador.

Nach ca. 1,5 Stunden hatten wir unser Ziel, den Aussichtspunkt, erreicht. Der Blick war magisch, eine traumhafte Kulisse. Da wir nicht die einzigen im Park und schon gar nicht auf diesem Wanderweg waren, traten wir zeitig wieder den Rückweg an.

Das Ziel, der Mirador Los Cuernos.

Der Weg wurde immer voller. Allerdings ist dies auch verständlich, da dies eine der einfachsten Wanderungen ist, welche überhaupt mit dem Bus gemacht werden kann. Also ging es wieder zurück zum Aussichtspunkt des Wasserfalls und weiter zum Startpunkt unserer Wanderung. Diese war übrigens an einem Fjord mit Bootsanleger gelegen. Und es gab eine kleine Cafeteria. Und so genossen wir einen Kaffee mit tollen Blick, während wir auf unseren Bus warteten.

Kaffee mit Ausblick.

Die Rückfahrt zog sich etwas, doch glücklicherweise wohnten wir ja ganz in der Nähe vom Busbahnhof.

Fahrt auf dem Lago Grey

Alle guten Dinge sind drei, deshalb ging es für uns am Folgetag wieder in den Nationalpark. Abgeholt wurden wir schon um zwanzig nach sechs, da uns noch ein Wechsel des Transportmittels bevorstand. Denn wir wollten eine Katamaranfahrt zum Gletscher Grey machen. Der Check in Schalter für die Katamaranfahrt befand sich im Hotel Lago Grey, wunderschön gelegen mit Blick auf den Gletscher. Das Hotel hatten wir auch schon bei Booking.com gesehen, jedoch war in unseren Reisebudget keine Hotelübernachtungen für 500 € die Nacht vorgesehen. Um zum Bootsanleger zu kommen, mussten wir eine kleine Wanderung von etwa 45 Minuten machen. Die kannten wir schon von unserem ersten Tag im Park. Diesesmal hatten wir allerdings ausreichend Zeit zum Anleger zu laufen.

Am Ufer des Lago Grey.

Und schon den ganzen Morgen über hatten wir schlechtes Wetter, es schüttet aus Eimern. Gut eingepackt sind wir dann am Katamaran angekommen und haben uns einen Fensterplatz gesichert. Zu uns setzte sich eine Familie aus Madrid, mit denen wir später ins Gespräch kamen. Ihr Sohn studiert in München und konnte sogar etwas deutsch: Freilich! Und dann ging es schon los. Unser erster Stop war allerdings noch ein Zeltplatz, an dem wir noch ein paar Wanderer eingesammelt haben. Neben mich setzte sich Pablo, der die letzten 5 Tage den O-Trek gelaufen ist, das hat man auch gerochen. 🤭

Sobald der Kapitän sein ok gegeben hatte, durften wir raus auf das Oberdeck und an die Spitze des Katamarans gehen. Hierbei war es zwingend erforderlich eine Schwimmweste zu tragen und dies wurde penibel kontrolliert. An Deck war es eisig kalt und es schüttete weiter, aber den Anblick ließ einen echt erstaunen. Wir passierten einen Eisfläche. Diese wirkte imposant, aber auch bedrohlich. Denn nur etwa 10% der Fläche sind oberhalb des Wasser. Die restlichen 90% sind unter Wasser. Dennoch waren sie wunderschön. Noch nie zuvor hatte ich Eis aus dieser Nähe gesehen. Und mir war nicht bewusst, wie blau dieser wirkt. Das liegt daran, dass die andern Farben vom Eis absorbiert werden und nur das blau durchgelassen wird. 

Immer mehr Eis, wir nähern uns der Abbruchkante.

Nach kurzer Zeit gingen wir wieder rein, denn es war so kalt und wir tropften. Während der Fahrt sollten wir den Gletscher von drei Seiten ansteuern und der Blick wurde immer besser. Und dann ging es wieder raus, denn der Gletscher nahte.

Martina in eisiger Kälte.

Also ging es wieder raus für uns. Gut eingepackt konnten wir die Szenerie weiterhin bewundern. Und wir wurden Zeugen, wie die Crew ein Stück Eis aus dem Wasser fischte.

Die Crew beim „Eisangeln“.

Der große Eisblock wurde dann sicher an Board gebracht und weiter verarbeitet, denn…

Die Beute in voller Pracht.

…diesen gab es dann in unserem Pisco Sour. Lecker!

Pisco Sour mit Gletschereis.

Wir bestaunten noch etwas den Gletscher bevor wir langsam den Rückweg antraten.

Eine von drei Gletscherzungen.

Nach fast 3 Stunden war die Katamarantour zu Ende. Dann besserte sich auch wieder das Wetter und sogar die Sonne kam raus.

Unser Boot für die nächsten drei Stunden.

Und wieder ging es 45 Minuten über den Strand zurück zum Parkplatz und dann direkt zurück nach Puerto Natales. Trotz des schlechten Wetters hat sich die Tour absolut gelohnt. Noch nie zuvor hatten wir beide einen Gletscher gesehen und dann auch noch so nah. Das war ein schöner Vorgeschmack auf die kommende Zeit.

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