Und dann war es endlich soweit, der Beginn unserer Schiffsfahrt stand an. Für die nächsten 10 Tage würde die MS Ushuaia unser Zuhause sein. Auf diese Reise haben wir uns fast 5 Jahre gefreut, hatten wir sie doch eigentlich in 2018 für 2021 gebucht. 

Der Beginn unserer Expedition

Um 16 Uhr stand das Boarding an. Wir hatten uns mit einem Taxi zum Hafen fahren lassen. In diesen durften wir einfach hineinspazieren, Pässe oder Gepäck hat keiner kontrolliert. Wir mussten die ganze Mole entlang gehen, da unser Schiff an der letzten Stelle angelegt hatte. 

Die MS Ushuaia.

Im Vergleich zu den anderen Schiffen, war unsere Ushuaia relativ klein. Es gab nur 4 Decks, die umliegenden Schiffe waren mindestens doppelt so groß. Eigentlich waren wir recht früh dran fürs Boarding, aber es gab schon eine lange Schlange. Dort wurde uns dann schon das Gepäck abgenommen und mit unserer Kabinennummer versehen. Die 208 wird wohl unsere Heimat für die nächsten Tage sein. Dass unser Gepäck nicht über die Gangway, sondern mit einem Kran aufs obere Deck des Schiffes gehoben wurde, wunderte uns doch etwas. Schließlich hatten wir die günstigste Kabine im unteren Deck des Schiffes gebucht. 

In freudiger Erwartung auf die Expedition.

Dann durften wir endlich das Schiff betreten und mussten unsere Pässe abgeben. Und dann folgte die Überraschung: wir wurden upgegradet. Dies erklärte jetzt auch, warum unser Gepäck aufs obere Deck gebracht wurde. Eigentlich hätte uns eine Kabine im unteren Deck mit einem Stockbett und einem Semiprivaten Bad, welches wir uns mit der Nachbarkabine teilen müssten, erwartet. Denn selbst in der günstigsten Kategorie ist eine Reise in die Antarktis ein sehr teures Vergnügen. Wir erhielten jedoch eine Premiumkabine im oberen Deck. 

Unsere Premiumkabine.

Luxuriös ist diese auch nicht, aber immerhin hatten wir zwei Einzelbetten, ein eigenes Bad und viel mehr Platz als gedacht. Das Upgrade war somit ein Sprung von drei Kategorien. Wir haben uns wahnsinnig gefreut, denn für die lange Zeit war das wirklich spitze.

Zunächst packten wir also erstmal unseren Rucksack aus, denn 10 Tage ohne packen – das Privileg hatten wir in den letzten drei Monate noch nicht gehabt. Beim Auspacken mussten wir darauf achten alles sicher zu verstauen, damit unsere Sachen bei Seegang nicht in der Kabine umherfliegen.

Um 18 Uhr stand dann ein allgemeines Briefing an. Unser Expeditionsleiter Pepe stellte sich, die Crew und auch das Schiff vor. Dieses wurde vor etwa 50 Jahren in den USA als Forschungsschiff gebaut. Dies erklärt auch den vergleichsweisen geringen Standard. Pepe formulierte es so, dass das Schiff nicht für menschliche Wesen gebaut wurde, sondern für Wissenschaftlicher. Anschließend sprach noch kurz der Schiffsarzt zu uns. Er empfahl allen die bereitgestellten Pillen gegen Seekrankheit zu nehmen, auch wenn man der Meinung sei diese nicht zu brauchen. Natürlich haben wir auf den Arzt gehört. Dann stand die obligatorische Seenotübung an. So gingen wir auf unser Zimmer um auf den Probealarm zu warten. Als dieser überraschend leise erklang, gingen wir mit unserer dicken Rettungsweste in die Lobby. Dort folgten noch weitere Erklärungen und Einteilungen. Im Falle einer Evakuierung würde man vermutlich mehreren Tagen in dem Rettungsboot ausharren müssen, bevor Hilfe eintrifft. 

Eines der Rettungsboote der MS Ushuaia. 

Daher war neben der Rettungsweste auch an warme Kleidung zu denken. Im Rettungsboot gibt es für drei Tage Trinkwasser und Nahrungspulver. Toiletten gibt es keine, hier kann man der Fantasie freien Lauf lassen. Mal hoffen das alles gut geht!

Während der Seenotrettungsübung.

Um 20 Uhr gab es dann das erste Abendessen. Kürbissuppe, Ravioli mit Lachssoße bzw. mit Tomatensoße für mich und als Nachtisch Erdbeeren mit Sahne. Vor jeder Mahlzeit ging der Chefkellner durch die Tische, stellte das Essen vor und notierte wer eine vegetarische Alternative wollte oder eine Allergie hatte. 

Anschließend ging es für uns ins Bett. War dies doch schon ein erster aufregender Tag an Bord. 

Die Durchquerung der Drake Passage – unser Weg in die Antarktis 

Um in die Antarktis zu gelangen, mussten wir zunächst die Drake Passage überwinden. Diese ist für ihre raue See berüchtigt und zählt zu einer der schlimmsten Überfahrten. Gegen Mitternacht begann das Schaukeln. Erst noch relativ sachte, doch es wurde immer stärker, bis man leicht nach rechts und links kullerte im Bett. Gut, dass dieses einen Rausfallschutz hat. 

Erholsam war die Nacht nicht, aber für Erholung waren wir ja auch nicht auf dem Schiff. Nun erklärte sich auch einiges an der Einrichtung im Schiff: die Stühle im Speisesaal waren fest und konnten nicht bewegt werden und überall gab es Haltegriffe. 

Unser Speisesaal, ausgestattet mit Antirutschmatten, festen Stühlen und Haltegriffen.

Um 8 Uhr gab es das erste Frühstück. Am Vorabend hatten wir gelernt stets eine Hand fürs Schiff zu haben und eine für sich selbst. Bei der Drake Passage gehören beide Hände dem Schiff. Nun gab es allerdings Buffet, das war eine Herausforderung. 

Während wir Passagiere uns teilweise mit beiden Händen festhielten, lief die Crew mit vollen Tabletts herum. Sie lehnten sich einfach entgegen der Richtung, in die das Schiff sich neigte. So einen Seegang hatten wir beide noch nicht erlebt. Dank der Pillen wurden wir aber nicht seekrank. 

Was sich für uns wie extrem starken Seegang anfühlte, nahm die Crew und unser Expeditionsleiter Pepe ganz anders wahr. Unsere 2 bis 3 Meter hohen Wellen sind für die Region eher ein ruhiges Fahrwasser. Und so nannte er die Drake Passage den Drake Lake. Wir hatten also großes Glück mit dieser milden Überfahrt. Kaum vorstellbar wie das mit 10 Meter hohen Wellen wäre. Wer weiß, ob wir bei unserer Rückfahrt auch so viel Glück haben würden. 

Für jeden Tag gab es ein sogenanntes Daily Programm. Diesem waren die Aktivitäten und die Essenszeiten zu entnehmen. Am ersten Tag standen zwei Vorträge an. Zunächst erzählte uns Pepe, der Ornithologe ist, einiges über die verschiedenen Vögel, die wir in den nächsten Tagen sehen würden. Der Wanderalbatros ist mit einer Flügelspannweite von 3,5 m der größte fliegende Vogel der Welt. Anschließend gingen wir gemeinsam an Deck um ein paar Vögel zu beobachten. Unglaublich, dass diese noch unterwegs waren, da das Land bereits weit entfernt war. 

Unsere ständigen Begleiter auf der Drake Passage.

Ein weiterer Vortrag am Nachmittag widmete sich den verschiedenen Eisarten, die es gibt und trug den poetischen Titel „Ice is nice“. Dieser wurde vom deutschstämmigen Crewmitglied Monika gehalten. Unterschieden wird das Eis nach seiner Entstehung. So kann unser Schiff durch Packeis fahren, jedoch sind Eisberge aus Gletschereis zu meiden. Denn das Eis von Gletscher ist hart wie Fels. Wie das enden kann, zeigten uns Kate Winslet und Leonardo di Caprio bereits auf der Titanic. 

Viel mehr Programm stand den Tag über nicht an, abgesehen von Essen. Die gereichten Mahlzeiten waren ziemlich lecker und sicherlich eine Herausforderung was die Zubereitung in der kleinen Kombüse betrifft.  

Fischfilet mit Kräutersoße und Kürbisstampf.

Wir gingen wieder zeitig ins Bett, da die vorherige Nacht ja nicht besonders erholsam war. Leider war diese Nacht noch weniger erholsam. Meiner Empfindung nach hat sich die Bewegung in der Nacht noch verstärkt. Das Schiff rollte von der einen zu anderen Seite. Doch nach dem Frühstück ließ die Bewegung langsam nach und bald konnten wir sogar Land sehen, endlich! Es waren die südlichen Shetlandinseln. Somit hatten wir die Drake Passage offiziell hinter uns gelassen und die Macfarlane Straße erreicht. Diese war um einiges ruhiger. 

Land in Sicht!

Da sich die See nun beruhigt hatte, durften wir auch die Brücke besuchen. Die zwei wichtigsten Regeln hier waren, leise zu sein und das mittlere Fenster frei zu lassen. Die Crew auf der Brücke war tiefenentspannt, obwohl wir dennoch gut in Bewegung waren. Sie machten dies definitiv nicht zum ersten Mal und strahlten eine Ruhe aus. Von der Brücke aus hat man einen tollen Überblick gehabt und wir hatten sogar extra Glück, denn wir haben ein Orca gesehen. Leider war es nur ein kurzer Moment und ließ sich fotografisch nicht festhalten. Ein Crewmitglied sagte uns später noch, dass dies erst der zweite Orca war, der in der Saison gesehen wurde. Wir nutzten also den restlichen Tag und den nächsten Vormittag, um die Umgebung von der Brücke aus zu beobachten.

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