Am folgenden Nachmittag stand ein Briefing für die Anlandungen und die Zodiac Fahrten an. Uns wurde erklärt, wie wir uns an Land zu verhalten hatten: leise sein und Abstand zu den Tieren halten. Ganz wichtig war auch, dass die bereitgestellten Gummistiefel vor und nach jeder Landung desinfiziert werden mussten, damit wir nichts mit an Land oder von Land bringen. Und es wurde erklärt wie man in die Zodiacs ein- und aussteigen sollte. Nach meinen Schlauchbooterfahrungen aus Ibiza stellte ich mir das schon schwierig vor, da wir ja dick wie kleine Michelinmännchen eingepackt waren. Und dann erhielten wir noch eine kleine Rettungsweste, die wir bei den Zodiac Fahrten tragen mussten. An dieser war eine Nummer befestigt, die uns namentlich zugeordnet war. Michi hieß nun 43 und ich 44. Die Zahlen mussten wir beim Ein- und Aussteigen der Zodiacs immer zeigen, damit die Crew einen Überblick hat, wer an Board bzw. wer an Land ist. Und nach all den Infos hatte Pepe noch eine Überraschung für uns: wir konnten unser neues Wissen gleich anwenden, denn wir würden unsere erste Anlandung machen.

Die erste Anlandung – Halfmoon Island 

Wind: 45 Knoten, Temperatur: -1°C, gefühlte Temperatur: -11°C, Breitengrad 62°36’S, Längengrad 59°55’W

Wow, eigentlich stand das erst für den nächsten Tag an. Alle waren wir aufgeregt und ein kleines Chaos entstand, da sich jeder schnell umziehen wollte. Auf der Kabine haben wir dann unsere ganzen Schichten und den geliehenen Parker angezogen. 

Am hinteren, unteren Deck war die Desinfektionsstrasse für unsere Schuhe bereits aufgebaut. 

Desinfektion vor den Landgang.

Und dann wurden immer 8 Leute für ein Zodiac abgezählt, in der Liste eingetragen und dann durften wir schon einsteigen. Oberste Regel beim Einsteigen war, beide Hände freizuhaben und die Hilfe der Seemänner anzunehmen. So klappte das einsteigen auch ganz prima. Die Fahrt mit dem wendigen Zodiac war kurz und die Luft war eisig. 

Die Zodiacs konnten zwar nah an Land fahren, aber es gab natürlich keinen Steg zum Anlegen. Zum Aussteigen mussten wir deshalb die Beine über das Zodiac schwingen und dann nur noch leicht am Rand runterrutschen lassen. Dann standen wir etwa knöcheltief im Wasser, was ein Glück hatten wir die Gummistiefel. 

Und dann waren wir das erste Mal an Land, nämlich auf der Halfmoon Island. Das Erste was mir auffiel war, dass gar nicht so viel Schnee an Land lag wie ich es mir vorgestellt hatte. Und ein ganz besonderer Geruch lag in der Luft: Pinguin Guano. 

Es war anfangs leicht überfordern. Man sollte und musste recht langsam laufen, denn der Boden war teilweise rutschig und nass. Generell sollte man darauf achten wohin man tritt, um nicht versehentlich auf eine Pflanze oder eine Pinguinstraße zu treten. Und dann sollte man dies natürlich noch genießen, sich nach der Natur umschauen und darauf achten genug Abstand zu den Tieren zu haben. 

An Land blieb ich deshalb einfach erstmal stehen. Denn es gab auch direkt was zu sehen. Einige Seelöwen lagen an Land. Zu diesen Tieren sollten wir besonders großen Abstand halten, da sie aggressiv sein könnten. Es lag auch ein altes und kaputtes Boot an Land, welches zu Beginn des Tourismus in den 60er Jahren genutzt wurde. Sozusagen der Urahne des Zodiacs. 

Landebucht an der Halfmoon Island.

Pepe und seine Expeditionscrew waren stets die ersten an Land und hatten uns mit Fahnen einen Weg abgesteckt. 

Auf der Insel befindet sich auch die argentinische Forschungsstation Cámara. Diese wird jedoch nur im Sommer betrieben und dieser neigte sich seinem Ende entgegen. Daher war die Station bereits unbewohnt. 

Robbe mit der argentinischen Forschungsstation im Hintergrund.

Ein paar Schritte weiter sahen wir dann die ersten Pinguine. Hierbei handelte es sich um Zügelpinguine. Zu unserer Zeit gab es keine Babys mehr zu sehen, denn diese waren bereits zu Jugendlichen herangewachsen. Diese sind teilweise neugierig und könnten sich für uns interessieren. 

Zügelpinguine kreuzten unseren Weg.

Der abgesteckte Weg war ehrlicherweise nicht ganz ohne und mit den Gummistiefeln war es auch nicht so einfach zu laufen. Langsam ging es deshalb nur vorwärts. Der Weg führte uns etwas über die Halfmoon Island und wie sahen noch mehr Pinguine. Diesmal sogar eine andere Art. Es waren Eselspinguine. Was ein Anblick! 

Eselspinguine waren auch da.

Wir hatten bei dieser ersten Landung maximal eine Stunde Zeit für die Erkundung, denn die Sonne würde bald schon untergehen. Vorher haben wir natürlich noch ein Beweisfoto aufgenommen, von unserem ersten Landgang.

Beweisfoto: Wir waren da!

Und so gingen wir den Weg wieder zurück, schwangen uns auf ein Zodiac und fuhren zur MS Ushuaia. Dort angekommen hieß es erstmal wieder mit seiner Nummer anmelden und die Schuhe desinfizieren. Wir schälten uns aus unseren Schichten und dann gab es auch schon Abendessen. Die erste Landung auf einer Antarktischen Insel war ein wundervoller Tagesabschluss. Abends gab es noch ein kurzes freiwilliges Briefing. Pepe resümierte den Tag und stellte uns den Plan für den folgenden Tag vor. 

Die zweite Anlandung – Hydurga Rocks

Wind: Still, Temperatur: -2°C, gefühlte Temperatur: -2°C, Breitengrad 64°80’S, Längengrad 61°37’W

Die kommende Nacht haben wir sehr gut geschlafen ohne nennenswerte Wellen und ohne schaukeln. Es standen für den Tag nun zwei Anlandungen an. 

Schnee bedecktes Land vor dem Bug der MS Ushuaia.

Nach dem Frühstück ging es also wieder mit den Zodiacs raus. Diesmal war das Ziel Hydurga Rocks. Hierbei handelt es sich wieder um eine vorgelagerte Insel. Das Ein- und Aussteigen aus den Zodiacs hatte heute schon besser geklappt. Auf der Insel waren wieder antarktische Bewohner wie Weddelrobben und Pinguine zu sehen. 

Eine Gruppe von Zügelpinguinen.

Benannt ist die Insel nach dem Seeleoparden, denn sein lateinischer Name ist Hydrurga Leptonyx. Wir haben diesen aber hier noch nicht angetroffen. 

Die Robben genossen die letzten Tage vor dem antarktischen Winter in der Sonne. Sie hatten sich unglaublich gut getarnt, denn einige von ihnen sahen einfach aus wie Felsen. Die Crew hatten auch eine antarktische Flagge dabei. Michi und ich ließen uns die Gelegenheit nicht entgehen für ein Foto. 

Mit der antarktischen Flagge posiert. 

Nach etwa einer Stunde ging es für uns wieder zurück zum Schiff. 

Unser Schiff im geschützten Gewässer.

Während wir zu Mittag aßen, steuerte die MS Ushuaia bereits das nächste Ziel an. Wir befuhren den Gerlache Straße. Auf der einen Seite wurde dieser durch den Kontinent Antarktika begrenzt, auf der anderen Seite durch die vorgelagerten Inseln. Der Kanal war voller Eisberge und es wirkte einfach unwirklich.

Portal Point 

Wind: Still, Temperatur: -2°C, gefühlte Temperatur: -2°C, Breitengrad 64°30’S, Längengrad 61°46’W

Unser zweiter Landgang des Tages führt uns zum Portal Point. Zu Zeiten der großen Abenteurer wurde diese Stelle als Ausgangspunkt für Expeditionen genutzt. Daher auch der Name, der Punkt ist das Portal zum Kontinent Antarktika. So stiegen wir wieder in ein Zodiac. Bereits die Fahrt vorbei an vielen großen und kleineren Eisschollen war beeindruckend. 

Martina während einer Zodiac Fahrt.

Als wir am Ufer anlandeten, begrüßte uns das deutsche Crewmitglied Monika mit den Worten „Welcome to the Continent!“. Nun war es soweit! Zum ersten Mal standen wir mit unseren Füßen auf dem unwirklichsten aller Kontinente. 

Zum ersten Mal auf dem Kontinent Antarktika. 

Wir erklommen zunächst einen Hügel. Dieser war mit feinem Schnee bedeckt, das Aufstieg war recht rutschig. Oben angekommen machten wir ein Gruppenbild, mit unserem Schiff im Hintergrund. 

Die ganze Gruppe auf einem Haufen. 

Das Schiff in der Ferne ist kaum zu erkennen. 

Die MS Ushuaia von Eis umgeben. 

Und für besonders abenteuerlustige stand noch eine weitere Aktivität an: ein Polar Plunge. Wer wollte konnte ein Bad im Meer nehmen. Bei einer Wassertemperatur von 1°C und einer Außentemperatur von -2°C lehnten wir dankend ab. Das war einfach zu kalt. Einige von unserer Gruppe haben dies allerdings gemacht. Und da wir die letzte Tour der Saison waren, sind sogar einige Crewmitglieder in das kalte Nass gesprungen. Auch die Pinguine haben das ganze aus sicherem Abstand beobachtet.  

Eselspinguin im ewigen Eis.

Zurück auf dem Schiff haben wir uns mit einem Tee aufgewärmt. Dann war es auch schon wieder Zeit für ein leckeres Abendessen.

Hähnchenbraten mit Spargel und Blumenkohlpüree.

Nachdem Essen gab es wieder ein freiwilliges Briefing. 

Palaver Point 

Wind: Still, Temperatur: -1°C, gefühlte Temperatur: -1°C, Breitengrad 64°90’S, Längengrad 61°45’W

Für den folgenden Tag standen wieder zwei Anlandungen an. Nach dem Frühstück ging es zum Palaver Point. Dieses Mal waren wir in einem der ersten Zodiacs. Die Überfahrt war recht angenehm, da kein Wind ging. 

Auf dem Weg zum Land.

Und an Land angekommen, sahen wir direkt die ersten Seerobben und auch Pinguine konnten wir gleich ausmachen. 

Robbe beobachtet die Touristen.

Es gab dieses Mal zwei Wege, zunächst ging es zu einer kleinen Gruppe Pinguine. Und wer wollte, konnte noch weiter hochlaufen. So dick eingepackt und in knöchelhohem Schnee war der Weg recht anstrengend, auch wenn er nur kurz war. Oben angekommen hatte man allerdings einen tollen Blick in die Bucht. 

Michi auf Palaver Point

Die Natur sieht total magisch aus. Auf dem Weg Richtung Gipfel sind wir immer wieder an Pinguinspuren vorbeigelaufen. Diese sind vor unserer Ankunft den Berg herunter gerodelt. Hierfür legen sie sich auf ihren Bauch und paddeln mit ihren Flügelchen. 

Spuren eines rodelnden Pinguins.

Da wir mit einem der ersten Zodiacs an Land gingen, entschieden wir uns dafür mit dem ersten gleich wieder zurückzufahren. Trotz 4 Lagen an den Füßen, werden diese doch irgendwann kalt. Bevor wir losfuhren, hat uns noch eine Seerobbe im Wasser verabschiedet. 

Robbe im kalten Nass.

Bereits vor der Abfahrt, hatten wir gesehen, dass die Crew den Außengrill angemacht hat. Für das Mittagessen stand nämlich Barbecue an. Alle Gäste waren scharf drauf und standen bereits 15 Minuten vorher am Speisesaal an. 

BBQ an Bord des Schiffes.

Für den Nachmittag stand noch eine ganze besondere Anlandung an.

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