Cuverville Island
Wind: Still, Temperatur: -1°C, gefühlte Temperatur: -1°C, Breitengrad 64°44’S, Längengrad 62°37’W
Die Anlandung für den Nachmittag war für 14 Uhr geplant. Leider hat sich unsere Ankunft allerdings um zwei Stunden verzögert. Solche möglichen Änderungen hatte uns Pepe bereits anfangs angekündigt. Die Verspätung erfolgte als Durchsage im Schiff, damit jeder dies mitbekam. Doch glücklicherweise konnten wir überhaupt eine Anlandung machen und zwar auf der Cuverville Island. Die Besonderheit hier ist, dass dort zwei Pinguinkolonien leben. Bereits bei der Landung wurden wir von Pinguinen begrüßt, sie waren einfach überall.



Die 5 Meter Abstand, die wir einhalten sollten, waren gar nicht möglich. Pepe sagte uns, dass wir den Pinguinen einfach immer den Vortritt lassen sollen und uns langsam fortbewegen sollen. Tausende Pinguine waren auf der Insel. Das war einfach Wahnsinn. Wir fuhren diesmal nicht direkt mit den Zodiacs zurück zum Schiff, sondern haben noch eine kurze Rundfahrt gemacht. Bei dieser Tour sind wir den Eisbergen ganz nah gekommen. Wir haben auch den gefährlichsten Räuber der Antarktis gesehen, den Seeleoparden. Dieser lag ganz entspannt auf einer Eisschorle und hat sich gesonnt.

So ein Seeleopard isst bis zu 15 Pinguine – täglich. Na was ein Glück, dass wir nur einen von ihnen gesehen haben.
Die Eisberge, an denen wir vorbeifuhren, hatten ganz interessante Formen und Formationen.

Während der Fahrt veränderte sich auch das Wetter. Bislang hatten wir sehr schönes Wetter. Jedoch was es nun vermehrt bewölkt und es gab viel Schneeregen.
Zodiac Fahrt rund um Foyn Harbour
Wind: 40 Knoten, Temperatur: -1°C, gefühlte Temperatur: -11°C, Breitengrad 64°33’S, Längengrad 62°10’W
Am nächsten Tag stand dementsprechend auch nur eine Aktivität auf dem täglichen Programmzettel. Es wurde für den Vormittag eine einstündige Rundfahrt mit dem Zodiac um Foyn Habour angekündigt. Für den Nachmittag stand noch keine Aktivität an, sondern nur die Anmerkung, dass diese noch verkündet wird und vom Wetter abhängig ist. Eine Durchsage später wurden auch die Pläne zur Rundfahrt angepasst. Die Dauer wurde auf eine halbe Stunde verkürzt und der Beginn um 15 Minuten vorverlegt. Denn das Wetter sollte sich im Laufe des Tages noch mehr verschlechtern. Den Anfang machten die 200er Kabinen, also wir. So zogen wir uns schnell um und gingen Richtung Ausstiegsluke. Wir waren das erste Zodiac und hatten Glück, denn Pepe selber fuhr uns. Zuerst zeigte er uns unser Schiff aus einer neuen Perspektive, denn wir fuhren zum Bug.

Im Anschluss zeigte er uns die Bucht Foyn Harbour. Diese lag etwas geschützt und wurde in der Vergangenheit von Walfängern aufgesucht. Das gibt auch schon einen Hinweis auf die Namensgebung der Bucht. Denn diese wurde nach dem norwegischen Erfinder der Sprengharpune Svend Foyn benannt. Die Bucht wird durch ein Schiffswrack dominiert. 1915 kam es an Bord des Walfangschiffs Guvernøren zu einem Feuer. Der Kapitän setze es in der Bucht auf Grund um die Männer und auch Ladung vorm Untergang zu schützen.


Die Zodiac Tour neigte sich schon ihrem Ende entgegen. Pepe fuhr uns zurück zum Schiff. Das Umsteigen von Zodiac zum Schiff war deutlich sportlicher als die Tage zuvor. Denn durch den Wellengang bewegte sich das Zodiac stark auf und ab.
Der kommerzielle Walfang
Zurück am Board warteten wir auf die versprochene Ankündigung, wir hofften auf einem zweiten Ausflug am Nachmittag. Jedoch machte das Wetter dies unmöglich. Als Alternativprogramm hat Monika uns einige Folien über den kommerziellen Walfang präsentiert. So erfuhren wir, dass die Wale 🐳 als Quelle für Öl und Fett genutzt wurden. Bevor die Menschen Erdölfelder ausbeuteten, wurden nämlich die großen Meeressäuger als Ressource betrachtet und gejagt. Wir erfuhren viel Interessantes aber auch viel Erschreckendes. Zu jener Zeit waren Schottland und Norwegen die Armenhäuser Europas. So waren die Menschen gezwungen auch harte Arbeit fern der Heimat anzunehmen. Jedoch war der Walfang nichts was allein den Schotten und Norwegern zugesprochen werden kann. Die Produkte mit Walbestandteilen wurden in ganz Europa genutzt. So landete Lampenöl und Ölfarbe auch in Deutschland. Verbraucherschützer gab es damals nicht. So sind auch bei allerhand Produkten die wahren Bestandteile verschleierter worden. So wurde aus Walfleisch Rindfleisch und auch pflanzliche Margarine mit Walfett war im Tante-Emma-Laden zu haben. Monika berichtete uns von den Anfangszeiten. Es wurde eine Harpune in den Körper des Wales gerammt. Dies war natürlich keine tödliche Verletzung für den Wal, aber die Jäger ließen nicht ab. Es folgten mehrere Harpunen. Nach einem langen Todeskampf von durchaus 8 Stunden, kam Blut aus dem Luftloch des Tieres. Ein Zeichen für sein baldiges Ende. Die herkömmliche Methode dauerte lang und war nur bei Seiwalen möglich. Denn diese Art ist langsamer und schwimmt nahe der Wasseroberfläche. Der bereits erwähnte Erfinder der Sprengharpune Svend Foyn revolutionierte die Fangmethode. Der Schütze schießt mit der Harpune auf den Wal. Im Idealfall ist die Harpune in den Körper das Wales eingedrungen. Einige Sekunden später detonierte eine Sprengladung und tötete das Tier. Im schlechtesten Fall prallte die Harpune vom Schädelknochen ab und detonierte vor den Füßen des Schützen. Zum Schluss hatte Monika noch eine erschreckende Zahl für uns. Geschätzt wird, dass 1.500.000 Tiere in der Antarktis gefangen und verarbeitet wurden. Jedoch wurde nicht jeder angeschossener Wal gefangen. Denn durchaus konnten die Tiere entkommen und erlagen später ihren Verletzungen. Geschätzt kommen also nochmal 20 % „getötet und verloren“ oben drauf.
Eine zweite Durchsage kündigte die Durchquerung des Mini Drakes an. Hiermit sind die Gewässer zwischen den vorgelagerten Inseln und dem Kontinent gemeint, also die Brunswick Straße. Diese sind weniger geschützt als das Fahrwasser der Tage zuvor, aber auch noch nicht wirklich offenes Wasser. In der Bar lagen wieder Tabletten gegen Seekrankheit aus. Wir nahmen direkt welche, jedoch zu spät. Das Schiff wurde immer unruhiger und uns wurde schlecht. Wir gingen auf die Kabine und legten uns ins Bett. Aus der Nachbarkabine konnten wir Kotzgeräusch wahrnehmen. Zum Glück wirkten die Tabletten bald und wir fühlten uns besser. Wir sind sogar zum Abendessen gegangen. Dieses war deutlich leerer als die Tage zuvor. Vor der Schiffsmesse sahen wir auch schon das geänderte Menü. Die Suppe wurde gestrichen und auch die Zubereitungsart des Fisches hat sich geändert. Wir vermuteten das Suppe und frittieren bei viel Seegang nicht gemacht wird.
Am Abend hatten die beiden jüngsten Tourguides noch eine Überraschung für uns. Auf der Suche nach Filmen für die Präsentationen sind sie bei YouTube auf folgende Werbefilme aus den 50er Jahren gestoßen. Natürlich haben Sie uns nicht nur die Filme gezeigt, sondern auch das beworbene Produkt mitgebracht. Die Filme wurden auf der argentinischen Antarktis Forschungsstation Base Brown gedreht. Wir bekamen eine stilechte Kostprobe, natürlich mit Eis aus der Antarktis. Old Smuggler ist nicht der beste argentinische Whiskey, aber der günstige. So hat er auch geschmeckt.
Fun Fact: Die Musik bleibt länger im Kopf als der Whiskey.

Die Nacht war aufgrund des Mini Drakes sehr schaukelig. Doch bis zum Morgen hatte sich die Bewegung wieder entspannt.
Deception Island
Wind: 66 Knoten, Temperatur: -1°C, gefühlte Temperatur: -13°C, Breitengrad 62°56’S, Längengrad 60°40’W
Am nächsten Tag stand der letzte Ausflug an. Wir fuhren zur Deception Island. Diese Insel ist ein Vulkankrater, welcher auf einer Seite zusammengebrochen ist. Daher ist der Krater vollständig mit Seewasser gefüllt und bildet eine Art natürlichen Hafen. Die Öffnung nennt sich Neptuns Blasebalg und ist ziemlich schmal. Wir waren auf der Brücke als der Kapitän durch die Enge manövrierte. Leider war das Wetter wieder schlecht und die Sichtweite dementsprechend gering.

Als wir im Krater eingefahren sind war es Zeit für Frühstück. Wahrscheinlich unsere letzte ruhige Mahlzeit, denn die andern werden im offenen Wasser stattfinden. Nach dem Essen ging es an Land. Leider hat der Kapitän aufgrund des Windes sich gegen ein Ankern bei der Whalers Bay entscheiden müssen. Dort sind die Überreste einer Walverarbeitungsstation zu sehen, aber leider nicht für uns. Wir gingen an anderer Stelle an Land.

Wir liefen über einen schwarzen Strand und gelangten zu einem weiteren, kleineren Krater. Der Vulkan ist zuletzt 1970 ausgebrochen, also gar nicht so lange her.

Neben dem Krater war ein Gletscher zu sehen. Dieser war durch die Vulkan Aktivität ganz schwarz.

Das Wetter war Immer noch schlecht. Durchnässt vom Schneeregen sind wir zurück zum Schiff gefahren. Beim Ausfahren aus Neptuns Blasebalg sind wir wieder auf die Brücke gegangen. Wir konnten diesmal sogar die Whalers Bay sehen und auch die Walverarbeitungsstation konnte man in der Ferne erkennen, denn die Sicht war etwas besser.


Nun war es soweit. Unsere Expedition in der Antarktis 🇦🇶 ist in ihrer letzten Phase und nun wieder auf dem Weg zurück nach Südamerika. Auf dem Schiff gab es eine Durchsage, dass der Wind auf der Drake Passage sehr stark sei. Wir warteten deshalb nochmal 2 Stunden mit der Weiterfahrt, in der Hoffnung, dass sich das Wetter bessert. Unsere Heimfahrt wird vermutlich nicht so entspannt werden wie unsere Hinfahrt in die Antarktis.