Von Tokio aus ging es für uns weiter nach Kyōto. Hierzu hatten wir uns den Zug als Transportmittel ausgesucht. Doch dies war kein gewöhnlicher Zug, denn wir fuhren mit dem Shinkansen, dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug. Dieser hat bei Versuchsfahrten eine Geschwindigkeit von über 600 km/h erreicht, die durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit bei Passagierfahrten beträgt etwa 200 km/h. So konnten wir die Strecke nach Kyōto, fast 500 km, in etwa 2,5 Stunden zurücklegen.
Der Bahnhof in Tokio war trotz seiner Größe sehr übersichtlich und wir haben schnell unser Gleis gefunden. Da wir natürlich frühzeitig vor Ort waren, konnten wir noch ein paar ein- und ausfahrende Züge betrachten. Da der Bahnhof Tokio der Start- bzw. Endbahnhof war, wurden hier die Züge auch gereinigt. Doch nicht nur das, damit jeder Passagier stets in Fahrtrichtung sitzt, können die Sitzreihen gedreht werden. Das Einsteigen in den Zug war ebenfalls sehr angenehm, da alle bereits an ihrem zugewiesenen Wagen in einer Reihe anstanden. Unsere einzige Sorge war nur, dass wir unsere großen Koffer auf die obere Ablagefläche stellen mussten. Ob die das überhaupt aushalten? In deutschen Zügen kennt man nur Ablageflächen, bei denen gerade mal ein Rucksack hinpasst. Doch es war überhaupt kein Problem unsere großen Koffer dort unterzubringen.

Der Zug selber, aber auch die Mitreisenden, waren alle sehr angenehm ruhig. Und so konnten wir die Zugfahrt und die tolle Aussicht genießen. Wir hatten auch wirklich Glück mit der Sicht, denn der Berg Fuji ließ sich blicken.

In Kyōto angekommen, mussten wir feststellen, dass unser Hotel leider etwas außerhalb lag. Zwar waren wir nur zwei Stationen vom Hauptbahnhof entfernt, doch gab es in unserer Nähe außer einem kleinen 7eleven nicht ein Restaurant. Wir fuhren deshalb abends nochmal kurz in die Stadt rein. Ganz in der Nähe vom Bahnhof gab es nämlich noch einen buddhistischen Tempel. Da es bereits nach fünf Uhr war, war die Gebetshalle bereits geschlossen. Das Tempelgelände war jedoch noch geöffnet und mal wieder riesengroß.

Der Tempel ist größtenteils aus Holz erbaut und wurde Ende des 19. Jahrhunderts fertiggestellt. Da Kyōto während des 2. Weltkriegs verschont geblieben ist, gibt es dort noch viele alte Gebäude.

Nach dem kurzen Spaziergang stellten wir uns mal wieder der größten Herausforderung: der Essenssuche. Da wir in Restaurants bislang noch keinen Erfolg hatten, gingen wir in einem Einkaufszentrum in die Food Hall. Und nachdem wir fast alle Stände erfolglos abgeklappert hatten, wurden wir tatsächlich fündig. Ein Laden, der Yakisoba, also frittierte Soba-Nudeln anbietet, hatte ein veganes Essen im Angebot. Auch wenn mich das Gericht nicht vollständig angesprochen hat, war ich froh überhaupt etwas fleischloses gefunden zu haben. Und was soll ich sagen, es war ganz lecker.

Und nach dem Essen gönnten wir uns in dem Food Court noch ein Matcha Bier, also ein Bier mit Matcha Pulver. Geschmacklich hat es uns beide nicht überzeugt. Im Gegenteil, wir waren froh, dass es nur kleine Gläser waren. Aber wenn man schon mal in Japan ist, muss das natürlich probiert werden.

Abstecher nach Nara
An unserem ersten Tag in Kyōto machten wir gleich schon einen Tagesausflug nach Nara. Nara war die erste dauerhafte Hauptstadt Japans und liegt etwas außerhalb von Kyōto. Mit dem Zug brauchten wir eine Stunde dorthin.
Auf dem Weg zu der Hauptattraktion gab es wieder ein wunderschönes Tor für den buddhistischen Tempel.

Dieses Tor beherbergt zwei Wächterfiguren, welche die schönsten Figuren aus Holz im Land sein sollen.

Und dann näherten wir uns immer weiter der Hauptattraktion. Diese wird von der großen Buddha-Halle, dem Daibutsu-den, umgeben. Die Daibutsu-den ist mit einer Höhe von fast 50 m das größte Holzgebäude der Welt.

Und dann konnten wir die Buddha-Halle betreten und sahen das eigentliche Highlight, den berühmtem Daibutu. Dies ist der Große Buddha und eine der größten Bronzestatuen der Welt. Bei einer Höhe von fast 15 m wiegt der Große Buddha 500 t. Die Statue wurde auch wiederholt durch Erdbeben und Feuer in Mitleidenschaft gezogen und verlor sogar einige Male ihren Kopf. Bei genauem Hinschauen kann man deshalb auch unterschiedliche Farben von Kopf und Körper erkennen.

Auf der Rückseite des Großen Buddhas gab es eine weitere Attraktion. In einer hölzernen Säule gibt es einen Durchbruch auf Bodenhöhe. Dieser hat einen Durchmesser von 50 cm, wie die Nasenlöcher vom Großen Buddha. Derjenige, der es durch die Öffnung schafft, soll dem Volksglaube nach die Erleuchtung erhalten. Eine Reihe von Kinder, aber auch zierlichen Asiaten quetschten sich durch die Öffnung. Wir verzichteten auf die Erleuchtung. 🙂

An der rechten Seite vom Großen Buddha gab es eine weitere Statue. Diese war vollständig in Gold gehalten. Kaum vorstellbar, dass der Große Buddha einst auch vollständig in Blattgold gehalten war.

Nachdem wir das Highlight von Nara gesehen hatten, sind wir noch etwas durch den Park geschlendert. Denn dieser ist auch für seine Bewohner bekannt. Die dort lebenden Rehe sind nämlich sehr zutraulich. An vielen umliegenden Ständen wurden auch extra Reh-Kekse verkauft, mit denen man die Tiere füttern kann. Natürlich konnten wir uns dies nicht entgehen lassen. Die Kekse waren schneller weg als gedacht.

Und dann machten wir uns auch schon wieder auf den Heimweg nach Kyōto. Doch hierbei machten wir noch einen kurzen Zwischenstop bei einem Shinto Schrein. Dieser gilt sogar als eine Topattraktion von Kyōto. Die Besonderheit bei dem Schrein Fushimi Inari-Taisha ist nämlich, dass es dort unzählige zinnoberrote Torii, also Tore, gibt. Dies wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Der Anblick war wirklich schön, doch von unzähligen Touristen überlaufen.

Für uns ging es deshalb kurze Zeit später schon weiter. Am Bahnhof in Kyōto machten wir uns dann mal wieder auf die Suche nach etwas essbarem. Und wir hatten dieses Mal sogar schnell etwas gefunden. Ein Ramen-Lokal warb mit einem veganen- und halal-freundlichem Ramen. Also fiel unsere Wahl auf dieses Lokal. Während wir im Lokal saßen, konnten wir sogar einen Blick in die Küche werfen und sahen, dass sie wirklich eine extra Brühe anrührten. Für Michi gab es ein Spicy Ramen, das wirklich sehr spicy war.

Und nach einem letzten Blick auf den beleuchteten Kyoto Tower, ging es für uns erstmal zurück ins Hotel.

Erkundung von Kyōto
Für den nächsten Tag hatten wir uns dann endlich die Erkundung von Kyōto vorgenommen. Zu Beginn stand etwas Natur an, denn etwas außerhalb des Stadtzentrums gibt es einen Bambuswald. Da wir beide so etwas bislang noch nicht gesehen hatten, starteten wir morgens zeitig. Den Bewertungen im Internet zufolge würde sich ein Besuch dort definitiv lohnen, aber aufgrund der Massen an Besuchern sollte man frühzeitig da sein. Wir hatten gerade noch Glück gehabt. Als wir im Bambuswald ankamen, war bereits etwas Betrieb, doch wir konnten den kleinen Wald noch in Ruhe genießen. Es war unfassbar, wie riesig groß die einzelnen Bambusrohre sind. Auch wenn diese gerade nach oben gewachsen sind, hatte man das Gefühl, dass die Blätterkronen oben ein Dach bilden würde.

Auf dem Rückweg waren wir bei weitem nicht mehr alleine. Im Wald wurde es immer voller und voller und wir waren froh, den Rückweg anzutreten. Für den heutigen Tag hatten wir auch noch einiges vor.

Für uns ging es nun zur Burg Nijo-jo. Diese wurde in 1603 für den Shogun Ieyasu errichtet. Der prunkvolle Stil sollte sein Ansehen und den Verfall der kaiserlichen Macht symbolisieren.

Nach dem Überqueren des ersten Burggraben, durchquerten wir das imposante Karamon-Tor. Anschließend überquerten wir einen zweiten Burggraben, bevor wir die eigentliche Burg sahen.

Die Burg bzw. der Palast an sich war überraschen unspektakulär und ganz anders als eine Burg, die wir aus Europa kennen. Der Ninomaru-Palast verteilt sich über 5 Gebäude mit zahlreichen Zimmer. Wir durften das Innenleben des Palastes anschauen, allerdings waren Fotos verboten. Und beim Betreten mussten wir sogar die Schuhe ausziehen.
Um sich gegen Verräter zu wappnen, wurden die Innenräume mit quietschenden und knarrenden „Nachtigallböden“ und geheimen Kammern für Leibwächter ausgestattet.
Im Palastgarten waren Bilder dann wieder erlaubt. Und damit wir während des Rundgangs auch zahlreiche Informationen erhalten, hatten wir uns zu Beginn einen Audioguide genommen. Dass wir Touristen sind, war also nicht zu übersehen.

Anschließend ging es für uns noch kurz zum Kaiserpalast und in den kaiserlichen Palastpark. Heutzutage ist der Palast nicht mehr die offizielle Residenz des japanischen Kaisers. Der Besuch ist übrigens vollkommen kostenlos.

Leider hatten wir für den Kaiserpalast nicht mehr so viel Zeit, da wir uns für den Nachmittag für eine Free Walking Tour angemeldet hatten. Aber Zeit für ein Beweisfoto war natürlich dennoch.

Und dann begann unsere Tour und wir lernten nochmal ein ganz anderes Kyōto kennen. Dank unserer Guidin, die auch nochmal die Geschichte Japans erzählte, wurde uns einiges verständlicher.

Zunächst ging es für uns zum Chionin Sinmon, dem Haupttempel des japanischen Buddhismus. Hierfür mussten wir einige Stufen erklimmen, doch der Anblick lohnte sich.

Weiter ging es zum Maruyama Park. Zur Zeit der Kirschblüte, also im Frühjahr, ist der Park voller Menschen. Wir sahen nur ein paar Pärchen, die in traditionellen Outfits Fotos machen. Dies sei wohl typisch für Verlobte, die kurz vor der Hochzeit stehen. Im Park gab es noch eine Statue von zwei Samurais, die beim Kampf um die Stadt ihr Leben gaben.

Der Spaziergang führte uns weiter durch die Stadt und dabei immer weiter nach oben. Wir passierten noch einen Tempel mit Äffchen.

Am höchsten und letzten Punk der Tour pausierten wir am Kiyomizu Tempel. Dies ist einer der beliebtesten Tempel Kyōto und thront wahrlich über der Stadt. 1994 wurde der Tempel sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Entsprechend groß war auch der Andrang an Besuchern.

Und aufgrund der Höhe, bot der Tempel auch einen tollen Ausblick auf die Stadt.


Und so sammelten wir an dem Tag etwa 32.000 Schritte. Doch Kyōto hat uns überrascht. Anfangs hatten wir keine konkreten Pläne, doch nach unserer Ankunft haben wir die Tage schnell gefüllt bekommen und hätten garantiert auch noch zwei bis drei weitere Tage füllen können.
Doch für uns war es Zeit weiterzureisen.