Für uns ging es weiter in Buenos Aires. Die Stadt ist wirklich riesig und hat einiges zu bieten. Dabei durfte eine Weinverkostung in Argentinien natürlich nicht fehlen.
Weinverkostung
Am abends war es dann so weit. Unser Sommelier Franklin begrüßte uns und suchte anschließend die Weine aus. Wir begannen mit einem Syrah, der keinem in der Gruppe wirklich schmeckte, auch dem Sommelier nicht. Anschließend gab es einen Malbec. Als Franklin die Flasche öffnete, ging der Korken nur recht schwer raus. Er schaute nochmal aufs Etikett und schluckte. Dies war nicht der angedachte Wein für die Verkostung, sondern ein viel viel teurerer Wein. Da musste Jemand beim Einräumen der Flaschen nicht richtig aufgepasst haben, denn Franklin versicherte sich nochmal, dass er diesen aus dem richtigen Regal geholt hatte. Der Wein schmeckte natürlich köstlich und ist somit der erste Rotwein, der uns beiden so richtig gut geschmeckt hat. Anschließend gab es ein paar Häppchen zu essen und wir sollten die Weine erneut probieren. Der erste Wein schmeckte nun ganz ok und der zweite war nicht mehr so besonders. Franklin erklärte, dass er Weine deshalb gerne in Essensweine und Plauderweine unterteilte. Das war nun nachvollziehbar.

Und zum Abschluss gab es noch seinen Lieblingswein. Er nannte ihn den perfekten Wein fürs erste Date, denn er ist sehr alkoholhaltig, aber dennoch sehr süß, sodass man den Alkohol kaum schmeckt. Er erinnerte an einen Portwein vom Geschmack und war nicht mein liebster Wein von den dreien.

Nach einer Stunde war der Spaß auch schon wieder vorbei. Für uns ging es heim und für die anderen zum Abendessen und anschließend einer Tango Show, all das im selben Haus. Hätten wir das mal früher gewusst.
Walking Tour „La Boca“
Den nächsten und vorerst letzten Tag in Buenos Aires hatten wir mit zwei Touren gefüllt. Zunächst ging es in den Stadtteil La Boca. Einst war dies der Hafen und somit der Mund der Stadt. Hier sind im 19. Jahrhundert die ganzen Immigranten, vor allem aus Italien, angekommen. Der Hafen ist allerdings mittlerweile umgezogen.

La Boca ist aber insbesondere wegen seiner farbenfrohen Häuser bekannt. Diese sind kunterbunt in grün, gelb, rot und blau gestrichen.

Die Unterkünfte, in denen die Immigranten zunächst wohnten, waren aus Holz und brauchten einen Anstrich, um vom Wasser geschützt zu werden. Deshalb wurde hierfür die Farbe von den Schiffen genommen. Da die Bewohner aber kaum Geld hatten, konnten sie sich nur die Reste der Schiffsfarben leisten und keinen ganzen Eimer Farbe. Hierdurch ist die Farbenvielfalt entstanden.

Der Stadtteil La Boca ist mit etwa 20.000 Bewohnern ein recht kleines Viertel. Dieses ist dafür aber umso bunter als der Rest der Stadt, den wir bislang gesehen haben. Es gab unheimlich viel Streetart zu betrachten.

Hierbei durfte ein Bild des Weltmeisters natürlich nicht fehlen.

Generell spielt Fußball in dem kleinen Stadtteil eine große Rolle. Die Mannschaft La Boca Junior hat mitten im Viertel sogar ein eigenes Stadion. Dies ist aufgrund seiner Architektur sogar recht bekannt und trägt den Namen La Bombonera, also das Bonbon. Die äußeren Seiten sind ähnlich wie ein Trichter geformt und verhindern, dass die Geräusche nach außen dringen. Die vierte Seite des Stadions ist eine glatte Wand, ohne Sitzplätze, denn diese waren beim Bau aufgrund der umliegenden Häuser nicht möglich. In dem Stadion wurden sogar ein paar Konzerte gespielt, unter anderem von Lenny Krawitz.

Die Tour hat uns eine neue Seite von Buenos Aires gezeigt. Wir sind froh, den Stadtteil besichtigt zu haben und das nicht alleine. La Boca wird als nicht so sicherer Stadtteil beschrieben, allerdings ist dies tagsüber bei einer Tour eher nicht der Fall.
Walking Tour „Cementerio de la Recoleta“
Bei der nächsten Walking Tour haben wir den Friedhof von Recoleta besichtigt. Dieser ist berühmt für seine aufwendig gestalteten Gräber. So hat ein Guide von einer vergangenen Tour gemeint, dass der Friedhof die größte Kunstgalerie der Stadt sei. Dieses Potential hat auch die Verwaltung von Buenos Aires erkannt und den Friedhofsbesuch kostenpflichtig gemacht. Es ist schon ein komisches Gefühl für einen Friedhof Eintritt zu bezahlen. Wir haben uns wieder für eine geführte Tour entschieden. Hierdurch lernt man einfach mehr über den Ort, als wenn man auf eigene Faust los zieht. So zeigte uns Victoria den Friedhof und erzählte uns einige Geschichten. Wir erfuhren, dass Recoleta immer noch genutzt wird. Es werden jährlich etwa 120 Menschen dort bestattet. In Relation zu den 20.000 Toden pro Jahr in Buenos Aires ist das wirklich wenig. Das heißt, in Recoleta bestattet zu werden, ist etwas Exklusives. Als der Friedhof gegründet wurde war das noch nicht der Fall. Es war nämlich der erste Friedhof in Buenos Aires und somit für alle Klassen zugänglich. Jedoch wurden die Gräber von den Familien nicht etwa gepachtet, sondern gekauft und zwar ohne eine zeitliche Begrenzung. Später wollten die Wohlhabenden in Recoleta ein Mausoleum haben, denn der Friedhof liegt im Reichenviertel der Stadt. So wurden die Gräber peu à peu von den Reichen erworben. Diese waren bereit viel Geld für ein Grab auszugeben, da dieses ja für immer bleibt.

Victoria erzählte uns auch Legenden zu den einzelnen Gräbern. Die folgende Legende spielt in Europa, genauer gesagt in Österreich. Während den Flitterwochen hatte ein junges Paar eine Berghütte in den Alpen bezogen. Eine Lawine verschüttete die Hütte, bei dem Unglück kam die Frau ums leben. In tiefer Trauer über den Verlust lies Ihr Vater ein aufwendiges Grab im Stile einer gotischen Kathedrale errichten. Vor dem Mausoleum eine Statue, welche seine Tochter und ihren geliebten Hund zeigt. Die Legende besagt, dass der in Argentinien gebliebene Hund aufgrund der engen Verbundenheit der beiden, ohne ersichtlichen Grund, am selben Tag starb.

Die Gräber waren wirklich aufwendig gestaltet. Manche waren jedoch in einem schlechten Zustand. Wohlmöglich werden diese bald einen neuen Eigentümer finden. Denn in Recoleta gibt auch einen Immobilienmarkt für die Gräber. Jedoch steht nirgends ein Schild mit der Aufschrift „zu verkaufen“, denn das Ganze läuft diskreter ab. Ein Grab kann laut Victoria bis zu 250.000 USD kosten und kann unter anderem bei der argentinischen Version von Ebay Kleinanzeigen zu finden sein.

Eine weitere Geschichte hatte Victoria für uns bei einem Grab mit zwei Statuten, welche mit dem Rücken zueinander positioniert sind. Der Herr auf dem Stuhl ist der Ehemann der dem Bild zugewandten Frau. Ihre Ehre war wohl eine Arrangierte. Ihre einzige Gemeinsamkeit war der Hass auf den Ehepartner. Der Herr war mit dem Konsumverhalten seiner Frau unzufrieden. Diese gab mehr Geld aus, als er es gutheißen konnte. Auch nach vielen Diskussionen hat sich nichts geändert. Er sah sich gezwungen in der größten Zeitung von Buenos Aires einen Annonce zu veröffentlichen. Darin forderte er alle Ladenbesitzer der Stadt dazu auf, seiner Frau nichts mehr zu verkaufen. Er versah die Annonce mit der Warnung, dass er die Sachen nicht bezahlen werde. Seine Frau wurde hierdurch zum Gespött der Stadt und die Ehe noch mehr belastet. Scheidung war in jener Zeit allerdings nicht möglich. Jedoch überlebte die Frau ihren Mann um mehrere Jahrzehnte. In dieser Zeit kaufte sie so viel sie wollte. In Ihrem Testament verfügte Sie, dass ihre Büste ihren Mann den Rücken zuwenden soll.

Victoria hatte noch viel mehr Geschichten für uns. Wer die hören möchte, muss Recoleta besuchen.
Unsere Zeit in Buenos Aires neigte sich nach den Friedhofsbesuch ihrem Ende entgegen. Das nächste Ziel liegt ganz im Norden von Argentinien. Daher ging es für uns am Folgetag wieder zum Flughafen in Richtung Tropen.