Der letzte Städtetripp vor unserer große Reise nach Südamerika hat uns in die belgische Hauptstadt geführt. Für uns beide war es die erste Reise nach Brüssel. Neben Bier standen natürlich auch Pommes und Waffeln auf unserer Bucketlist. Was wir noch alles erlebt haben und wie uns die belgischen Spezialitäten gefallen haben werdet ihr jetzt erfahren.
1. Tag: Brauerei und Free Walking Tour
Unser erstes Ziel in Brüssel war die Cantillon Brauerei. Das finale Produkt hat relativ wenig mit dem zu tun, was ein Deutscher unter Bier versteht. Bei Cantillon entsteht vielmehr ein Champagner aus Getreide, als ein ordinäres Bier. Dazu später mehr.

Ein Mitarbeiter der Brauerei hat uns den ganzen Prozess erklärt und führte uns durch die einzelnen Stationen der Bierherstellung. Mir bleiben besonders die in der Brauerei eingesetzte Gerätschaften in Erinnerung, denn diese waren allesamt schon sehr alt.

Da ich bereits zuhause in der Küche Bier gebraut habe, kannte ich das prinzipielle Vorgehen schon. Dennoch waren einige Sachen anders als bei meinem DIY-Bier. So wird beispielsweise dem Bier keine Hefe zugesetzt, sondern es wird in großen offenen Bottichen abgekühlt. Hier hat das Bier die Gelegenheit Hefen aus der Umgebung aufzunehmen. Daher sollten auch die Spinnenweben am Gebälk belassen werden, denn dort lagern sich ebenfalls natürliche Hefen ab. Da die gesamte Bierherstellung mehr der Natur überlassen wird, ist das Produkt auch immer ein wenig anders und keine Charge schmeckt gleich.

Nach dem Rundgang gab es auch endlich eine Kostprobe. Wir haben in Summe drei verschiedene Biere getestet. Martina hat keines davon geschmeckt, dies lag wahrscheinlich an der säuerlichen Note. Für mich waren die Biere Interessant, aber während unserer Zeit in Belgien haben wir noch bessere gefunden.
Nach dem Besuch bei Cantillon sind wir noch ein bisschen durch die belgische Hauptstadt geschlendert. Die Stadt hat wirklich schöne Ecken, vor allem das Zentrum mit dem Grote Markt war eindrucksvoll.
Für Martina und mich ist es immer eine der ersten Aktivitäten, in einer für uns neuen Stadt, bei einer Free Walking Tour mitzumachen. Diese planten wir natürlich auch für Brüssel. Eine entsprechende Tour hatten wir schnell bei Google gefunden, Startpunkt war der wundervolle Grote Markt. Der Guide begann seine Stadtführung mit einer Anekdote aus seinem Leben. Er erzählte uns, das er sehr gut darin war neue Jobs zu bekommen. Dadurch ist er viel herum gekommen und lebte schon in vielen europäischen Städte wie beispielsweise Berlin oder auch Madrid. Im Anschluss meinte er aber auch, er sei noch viel besser darin gewesen wieder gefeuert zu werden. Die Free Walking Tour bleibt mir besonders in Erinnerung, da ich den Guide als unfassbar schlecht empfunden habe. Ich hatte den Eindruck, dass seine Priorität auf seinem Einkommen lag und weniger auf der Stadtführung. Natürlich ist eine Free Walking Tour nicht umsonst und die Guides können erwarten eine Bezahlung zu erhalten von welchen sie leben können. Aber gerade das erst nach der Führung gezahlt wird, gefällt mir an dem Konzept der Free Walking Tour besonders gut. Wenns einen gut gefällt gibt man mehr oder eben auch umgekehrt. Dass unser Guide das Einkommen scheinbar priorisierte mache ich an zwei Punkten fest. Erstens: noch vor seiner Vorstellung hat er erzählt welche Größenordnung das Trinkgeld haben sollte. Zweitens: er lud immer mehr Passanten ein der Gruppe zu folgen (weshalb meldet man sich vorher an?). Darüberhinaus war er echt schwer zu verstehen. Daher haben Martina und ich zum ersten mal eine Free Walking Tour abgebrochen. Wir wollten es bei 30 verschwendeten Minuten belassen und keine 2 Stunden draus machen. Daher sind wir ohne Guide auf eigene Faust weiter gezogen.
Bei unserem Spaziergang haben wir natürlich auch das berühmte Manneken Pis gesehen und waren über den großen Andrang überrascht. Der Brunnen selbst war nicht wirklich spektakulär. Wie dieser zu solch großer Berühmtheit gelangt ist, ist mir persönlich ein Rätsel.

Unser Spaziergang durch Brüssel war wirklich schön. Wir fuhren sogar Riesenrad und haben so die Stadt auch von oben betrachten können. Ganz in der Ferne konnten wir sogar das Atomium erahnen. Den Besuch haben wir uns aber für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben, denn wir wollten zuerst noch ein bisschen das Zentrum erkunden.

Am Abend haben wir uns noch belgische Pommes bei der Friterie Tabora geholt. Als ich die Schlange sah, hatte ich schon keine Lust mehr auf Pommes. Martina wollte aber unbedingt welche aus diesem Laden. Also habe ich mich meinem Schicksal gefügt. Beim Warten in der Schlange konnte ich noch hören wir eine Mutter ihrer Teenager-Tochter genervt erklärt, warum sie sich nicht zu uns in die Schlange reiht. Nach etwa 30 bis 45 Minuten anstehen hatten wir endlich unsere Pommes ergattert. Das Warten hatte sich definitiv gelohnt. Die Pommes waren außergewöhnlich lecker und ich konnte nun den großen Andrang nachvollziehen. Belgische Pommes unterscheiden sich in zwei Punkten besonders von den deutschen Pommes, diese werden zweimal frittiert und zwar in Rinderfett. Das macht den besonders leckeren Geschmack. Leider sind sie dann aber auch nicht mehr vegetarisch.

So neigte sich unser erster Tag in Brüssel seinem Ende entgegen. Schon nach dem ersten Tag konnten wir mit unserer Zielauswahl ziemlich zufrieden sein.
2. Tag: Rathaus und Europaviertel
Am nächsten Tag haben wir die nächste guided Tour gewagt, diesmal war es die konventionelle Prepaidvariante. Genauer gesagt haben wir eine Führung durch das Rathaus gebucht. Während der Tour haben wir einiges über die Geschichte von Brüssel und auch ganz Belgien erfahren.

Das Highlight war aber das Rathaus selbst. Die Räume waren total prunkvoll und zeigten den Wohlstand aus längst vergangenen Zeiten. Zu unserem Glück wurde die Rathaus-Tour am Sonntag angeboten. Diese gibt es generell nur zweimal pro Woche und ohne die Tour wäre es gar nicht möglich gewesen das Rathaus von innen zu besichtigen.

Das Gebäude wird heute noch immer als Rathaus genutzt und daher sind auch Räume für typische Rathausaufgaben vorhanden. So gab es unter anderem auch ein Standesamt mit mittelalterlichen Charme oder auch einen Festsaal mit Rednerpult. Die Führung war diesmal wirklich gut und bleibt mir im Gegensatz zur Free-Walking-Tour positiv in Erinnerung.

Am selben Tag ging es für uns weiter in das Europaviertel. Dort haben wir uns für einem geführten Spaziergang angemeldet, jedoch waren wir viel zu früh an der Station Europe. Um die Zeit zu überbrücken sind wir daher zu Maison Antoine gegangen, eine Frittenbude. Sogar Angela Merkel war hier schon zu Gast. Der Andrang war auch hier groß, die Pommes waren lecker. Jedoch hat mir Friterie Tabora besser gefallen.

Gestärkt ging es zurück zur Station Europe, einen ehemaligen Bahnhof. Dort wartete ein älterer Herr aus Baden-Württemberg auf uns, welcher lange Jahre als Jurist für EU-Institutionen gearbeitet hat. Er zeigte uns bei einem Spaziergang das Viertel und dessen Gebäude. In 90 Minuten haben wir allerlei Interessantes gehört und dadurch ein besseres Bild für die EU bekommen. Als kleines extra erhielten wir auch einen Karrieretip. Die Chance auf Anstellung beim Dolmetscherdienst des Parlaments scheint höher zu sein, wenn man maltesisch kann. Unser Spaziergang führte uns auch durch den nahe gelegenen Park. Dort konnten wir auch die Vertretung des Freistaat Bayerns bei der EU sehen. Da haben die Bayern das mit Abstand schönste Gebäude ergattert, König Ludwig II hätte sicherlich daran auch seine Freude gehabt.

Der Spaziergang endete vor dem Haus für europäische Geschichte. Bei der Gelegenheit haben wir es direkt besucht. In diesem Museum wird die europäische Geschichte ausgehend von der ersten Erwähnung in der Antike bis heute erzählt. Wobei besonders die beiden Weltkriege und der kalte Krieg einen großen Teil der Ausstellung ausmachten.

Auch der zweite Tag unserer Reise hat uns sehr gut gefallen. Unser Reiseziel hat uns nochmals mehr gefallen.
3. Tag: Noch mehr Europa
Am nächsten Tag ging es für uns erneut ins Europaviertel, dort haben wir das EU-Parlament besichtigt. Naja den eigentlichen Sitz hat das Parlament ja in Straßburg. Hier in Brüssel tagen jedoch Ausschüsse und Fraktionen. Natürlich finden in Brüssel auch noch sechsmal im Jahr zweitägige Plenartagungen statt. Wie ihr seht alles ein bisschen komplizierter und von Doppelstrukturen geprägt. Nun aber zurück zum Brüsseler Parlament. Die Größe ist beeindruckend und auch die Kabinen für den Dolmetscherdienst machen es ein stückweit einmalig. Ein Parlament mit 23 Sprachen gibt es sicherlich nicht all zu häufig auf der Welt. Nach einem Selfie, welches zugegebenermaßen gephotoshopped aussieht, ging es für uns zur größten Attraktion Brüssels – dem Atomium.

Das Atomium ist etwas außerhalb gelegen, so hat die Fahrt uns in noch unbekannte Ecken von Brüssel geführt. Wir haben uns dafür entschieden das Gebäude nicht zu besichtigen, sondern nur von außen zu betrachten. Diese Entscheidung hat uns jedenfalls eine lange Schlange und dementsprechend viel Wartezeit erspart. Ich habe auch nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben, natürlich kann ich das aber nicht mit Gewissheit sagen. Das Atomium war nett, aber war mit Sicherheit kein Highlight. Vor diesem Trip kannte ich genau zwei Sachern von Brüssel, das Atomium und Manneken Pis, beide waren aber gar nicht so sehenswert wie ich dachte.
In der Nähe vom Atomium gab es auch die erste belgische Waffel für uns. Diese war super lecker und auch ohne Topping ein Genuss.

Natürlich durften auch an diesen Tag unsere tägliche Ration Pommes nicht fehlen. Diesmal haben wir uns für Fritland entschieden. Die Pommes waren sehr lecker, mein Favorit bleibt aber nach wie vor Friterie Tabora.

4. Tag: Der letzte Tag in Brüssel
Unser Städtetrip neigt sich nun langsam seinen Ende entgegen. Einen wirklichen Plan für den letzten vollen Tag in Brüssel hatten wir nicht. Aber es gab einen Grund zu feiern, denn ich hatte Geburtstag. So wurde ich morgens mit einem kleinen Küchlein samt Kerze geweckt. Wir liesen uns treiben und machten teilweise Sachen, welche uns besonders gut gefallen haben erneut. Dies traf besonders aus kulinarischer Sicht zu. So gab es neben Bier und Waffeln natürlich auch wieder Pommes. Und hierfür gingen wir zu unserem neuen Lieblingsladen – Tabora.
Nach einen ganzen Tag auf den Beinen haben wir den Abend gemütlich in einer alten Kneipe ausklingen lassen. Wobei Kneipe es nicht wirklich trifft, genauer gesagt waren wir im Marionettentheater Toone. Dort kann auch gemütlich ein Bier getrunken werden. Das Ambiente ist alt und wirkt zusammen gewürfelt. Aber genau das macht es besonders. Ähnlich wie bei der Brauerei Cantillon war es für mich überraschend zu sehen, dass die Dinge die Zeit überstanden haben. Aus Frankfurt kenne ich sowas nicht.
Abschließend kann ich sagen, dass Brüssel definitiv eine Reise wert ist. Die Altstadt und der Grote Markt sind wunderschön und alles ist gut fußläufig erreichbar. Kulinarisch kann man hier ebenfalls auf seine Kosten kommen: Pommes, Bier und anschließend Belgische Pralinen. Wir könnten uns definitiv vorstellen erneut nach Brüssel zu fahren.
