#50 Von der Antarktis nach Ushuaia

#50 Von der Antarktis nach Ushuaia

Der Rückweg nach Ushuaia

Es war eine sehr unruhige Nacht. Mal rollte das Boot von links nach rechts, mal kippte es von vorne nach hinten. Dementsprechend unerholsam war der Schlaf. Für den heutigen Tag standen zwei Aktivitäten an. Was genau würde laut Plan vom Wetter abhängen. 

Da wir generell unsere Rückfahrt früher gestartet haben, konnten wir so einem großen Unwetter entgehen. Der Wellengang beruhigt sich deshalb auch bald wieder. Wir hatten wieder wahnsinnig viel Glück gehabt, denn die Wellen während der Drake Passage waren maximal 2 bis 3 Meter hoch. Während wir auf der Brücke waren, konnten wir auch wieder tolle Ausblicke genießen. Wir haben noch zwei Wale gesehen. Meist hat man nur in der Ferne eine kleine Fontäne gesehen, wenn diese Luft ausgestoßen haben. Meist war die Zeit für ein Foto zu knapp, doch einmal haben wir Glück gehabt. Dieser Wal hat sich in voller Pracht gezeigt und uns am Ende sogar noch mit der Flosse gewunken. Wunderschön! Die Tiere sind gigantisch, die Flosse hatte wahrscheinlich eine Breite von 5 bis 6 Metern.

Flosse eines Buckelwals

Am Vormittag gab es einen weiteren Vortrag. Thema war diesmal die ersten Expeditionen auf der Antarktis. Für den Nachmittag standen noch ein paar weitere Programmpunkte an. Da dies nun der letzte gemeinsame Abend war, stellte uns die Crew unsere tatsächliche Reiseroute nochmal vor. Da diese stets vom Wetter abhängt, ist sie sehr variabel. Daher ist jede Reise in die Antarktis anders. Wir waren beispielsweise in der Saison 22/23 die einzige Tour welche Deception Island besucht hat. Generell hatten wir Glück jeden Tag zumindest einen Landgang gemacht zu haben. Bei den ersten beiden Tagen in der Antarktis hatten wir sogar richtig schönes Wetter. Der Kontinent Antarktika ist ziemlich groß, dieser ist sogar größer als Europa und wir haben nur einen winzig kleinen Ausschnitt gesehen.

Unsere Route.

In Summe sind wir 1572 nautische Meilen (2911 km) mit der MS Ushuaia gefahren. Das ist mehr als die Strecke von Frankfurt nach Reikiavik.

Am letzten Abend an Board erhielten wir alle ein Zertifikat, dass wir die gefährlichen Gewässer der Drake Passage überstanden und den Kontinent Antarktika betreten haben.

Drake Passage überwunden und den Kontinent betreten.

Übergeben wurden die Zertifikate von dem Kapitän, dem Expeditionsleiter Pepe und den anderen Tourguides. Gerne haben sie für ein Foto posiert.

Verleihung unserer „Urkunde“

Anschließend bedankte sich Pepe bei uns allen, aber auch bei der Crew. Hierfür stellte er uns auch einige Crew-Mitglieder vor. Denn gerade ohne die Arbeiter im Maschinenraum, wäre die Tour nicht möglich gewesen. Mit einem tosenden Applaus wurden sie alle begrüßt. Zur Feier des Tages gab es dann noch ein Gläschen Champagner für alle. Was ein schöner Abschluss. Der Abend war allerdings noch nicht vorbei, denn es stand noch unser Farewell-Dinner. Hierfür waren die Tische im Essenraums schick eingedeckt und das Menü war auch besonders. Da wir im ruhigen Beaglekanal waren gab es keinen Bedarf mehr an Antirutschmatten auf den Tischen.

Statt Antirutschmatten wurde schön eingedeckt.

Als Vorspeise gab es eine Portion Ceviche aus rotem Thunfisch.

Ceviche mit roten Thunfisch als Vorspeise.

Das Hauptgericht war Steak mit einem Erbsen-Kartoffel-Püree.

Als Hauptgang gab es Steak.

Und als Nachtisch gab es einen traditionellen argentinischen Schokoladen-Kuchen. Der war so lecker, dass Michi keine Zeit für ein Bild geblieben ist. Für einen letzten Drink gingen wir dann nochmal an die Bar. So konnten wir den Abend auch mit unseren Bekannten ausklingen lassen. Denn in den vergangenen 10 Tagen hatten wir uns stets in einer kleinen Gruppe wiedergefunden. Sie bestand aus einem Paar Schweizer, einem Paar Amerikaner und zwei Irinnen.

Doch danach hieß es wieder packen. Da dies während der Drake Passage unmöglich war, mussten wir dies eben Jetzt am letzten Abend machen. Anschließend fielen wir ein letzte Mal müde ins Bett.

Als wir am Morgen aufwachten, lagen wir bereits wieder im Hafen von Ushuaia. Das Einlaufen hatte in der Nacht keiner bemerkt. Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück an Bord haben wir uns von unseren neuen Freunden verabschiedet. Unser Gepäck wurde dankenswerter Weise für uns an Land getragen. Und dann hatten wir nach 10 Tagen wieder festen Boden unter den Füßen.

Gut im Hafen von Ushuaia angekommen.

Und zum Abschied machten wir noch ein Foto mit unserem Zuhause der letzten Tage.

Tschüss MS Ushuaia!

Die Zeit auf dem Schiff war unglaublich. Voller neuer Eindrücke und Erlebnisse sind wir zurückgekehrt. Mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Augen verließen wir den Hafen.

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#49 Rund um die antarktische Halbinsel (Teil 2/2)

#49 Rund um die antarktische Halbinsel (Teil 2/2)

Cuverville Island

Wind: Still, Temperatur: -1°C, gefühlte Temperatur: -1°C, Breitengrad 64°44’S, Längengrad 62°37’W

Die Anlandung für den Nachmittag war für 14 Uhr geplant. Leider hat sich unsere Ankunft allerdings um zwei Stunden verzögert. Solche möglichen Änderungen hatte uns Pepe bereits anfangs angekündigt. Die Verspätung erfolgte als Durchsage im Schiff, damit jeder dies mitbekam. Doch glücklicherweise konnten wir überhaupt eine Anlandung machen und zwar auf der Cuverville Island. Die Besonderheit hier ist, dass dort zwei Pinguinkolonien leben. Bereits bei der Landung wurden wir von Pinguinen begrüßt, sie waren einfach überall. 

Impressionen von Cuverville Island (1 von 3).

Impressionen von Cuverville Island (2 von 3).

Impressionen von Cuverville Island (3 von 3).

Die 5 Meter Abstand, die wir einhalten sollten, waren gar nicht möglich. Pepe sagte uns, dass wir den Pinguinen einfach immer den Vortritt lassen sollen und uns langsam fortbewegen sollen. Tausende Pinguine waren auf der Insel. Das war einfach Wahnsinn. Wir fuhren diesmal nicht direkt mit den Zodiacs zurück zum Schiff, sondern haben noch eine kurze Rundfahrt gemacht. Bei dieser Tour sind wir den Eisbergen ganz nah gekommen. Wir haben auch den gefährlichsten Räuber der Antarktis gesehen, den Seeleoparden. Dieser lag ganz entspannt auf einer Eisschorle und hat sich gesonnt.

Tief entspannter Seeleopard auf einer Eisschorle.

So ein Seeleopard isst bis zu 15 Pinguine – täglich. Na was ein Glück, dass wir nur einen von ihnen gesehen haben.

Die Eisberge, an denen wir vorbeifuhren, hatten ganz interessante Formen und Formationen.

Eisberg in der Nähe von Cuverville Island.

Während der Fahrt veränderte sich auch das Wetter. Bislang hatten wir sehr schönes Wetter. Jedoch was es nun vermehrt bewölkt und es gab viel Schneeregen. 

Zodiac Fahrt rund um Foyn Harbour

Wind: 40 Knoten, Temperatur: -1°C, gefühlte Temperatur: -11°C, Breitengrad 64°33’S, Längengrad 62°10’W

Am nächsten Tag stand dementsprechend auch nur eine Aktivität auf dem täglichen Programmzettel. Es wurde für den Vormittag eine einstündige Rundfahrt mit dem Zodiac um Foyn Habour angekündigt. Für den Nachmittag stand noch keine Aktivität an, sondern nur die Anmerkung, dass diese noch verkündet wird und vom Wetter abhängig ist. Eine Durchsage später wurden auch die Pläne zur Rundfahrt angepasst. Die Dauer wurde auf eine halbe Stunde verkürzt und der Beginn um 15 Minuten vorverlegt. Denn das Wetter sollte sich im Laufe des Tages noch mehr verschlechtern. Den Anfang machten die 200er Kabinen, also wir. So zogen wir uns schnell um und gingen Richtung Ausstiegsluke. Wir waren das erste Zodiac und hatten Glück, denn Pepe selber fuhr uns. Zuerst zeigte er uns unser Schiff aus einer neuen Perspektive, denn wir fuhren zum Bug. 

Bug der MS Ushuaia.

Im Anschluss zeigte er uns die Bucht Foyn Harbour. Diese lag etwas geschützt und wurde in der Vergangenheit von Walfängern aufgesucht. Das gibt auch schon einen Hinweis auf die Namensgebung der Bucht. Denn diese wurde nach dem norwegischen Erfinder der Sprengharpune Svend Foyn benannt. Die Bucht wird durch ein Schiffswrack dominiert. 1915 kam es an Bord des Walfangschiffs Guvernøren zu einem Feuer. Der Kapitän setze es in der Bucht auf Grund um die Männer und auch Ladung vorm Untergang zu schützen. 

Bug des Wracks der Guvernøren.

Das Wrack der Guvernøren von der Seite.

Die Zodiac Tour neigte sich schon ihrem Ende entgegen. Pepe fuhr uns zurück zum Schiff. Das Umsteigen von Zodiac zum Schiff war deutlich sportlicher als die Tage zuvor. Denn durch den Wellengang bewegte sich das Zodiac stark auf und ab. 

Der kommerzielle Walfang 

Zurück am Board warteten wir auf die versprochene Ankündigung, wir hofften auf einem zweiten Ausflug am Nachmittag. Jedoch machte das Wetter dies unmöglich. Als Alternativprogramm hat Monika uns einige Folien über den kommerziellen Walfang präsentiert. So erfuhren wir, dass die Wale 🐳 als Quelle für Öl und Fett genutzt wurden. Bevor die Menschen Erdölfelder ausbeuteten, wurden nämlich die großen Meeressäuger als Ressource betrachtet und gejagt. Wir erfuhren viel Interessantes aber auch viel Erschreckendes. Zu jener Zeit waren Schottland und Norwegen die Armenhäuser Europas. So waren die Menschen gezwungen auch harte Arbeit fern der Heimat anzunehmen. Jedoch war der Walfang nichts was allein den Schotten und Norwegern zugesprochen werden kann. Die Produkte mit Walbestandteilen wurden in ganz Europa genutzt. So landete Lampenöl und Ölfarbe auch in Deutschland. Verbraucherschützer gab es damals nicht. So sind auch bei allerhand Produkten die wahren Bestandteile verschleierter worden. So wurde aus Walfleisch Rindfleisch und auch pflanzliche Margarine mit Walfett war im Tante-Emma-Laden zu haben. Monika berichtete uns von den Anfangszeiten. Es wurde eine Harpune in den Körper des Wales gerammt. Dies war natürlich keine tödliche Verletzung für den Wal, aber die Jäger ließen nicht ab. Es folgten mehrere Harpunen. Nach einem langen Todeskampf von durchaus 8 Stunden, kam Blut aus dem Luftloch des Tieres. Ein Zeichen für sein baldiges Ende. Die herkömmliche Methode dauerte lang und war nur bei Seiwalen möglich. Denn diese Art ist langsamer und schwimmt nahe der Wasseroberfläche. Der bereits erwähnte Erfinder der Sprengharpune Svend Foyn revolutionierte die Fangmethode. Der Schütze schießt mit der Harpune auf den Wal. Im Idealfall ist die Harpune in den Körper das Wales eingedrungen. Einige Sekunden später detonierte eine Sprengladung und tötete das Tier. Im schlechtesten Fall prallte die Harpune vom Schädelknochen ab und detonierte vor den Füßen des Schützen. Zum Schluss hatte Monika noch eine erschreckende Zahl für uns. Geschätzt wird, dass 1.500.000 Tiere in der Antarktis gefangen und verarbeitet wurden. Jedoch wurde nicht jeder angeschossener Wal gefangen. Denn durchaus konnten die Tiere entkommen und erlagen später ihren Verletzungen. Geschätzt kommen also nochmal 20 % „getötet und verloren“ oben drauf. 

Eine zweite Durchsage kündigte die Durchquerung des Mini Drakes an. Hiermit sind die Gewässer zwischen den vorgelagerten Inseln und dem Kontinent gemeint, also die Brunswick Straße. Diese sind weniger geschützt als das Fahrwasser der Tage zuvor, aber auch noch nicht wirklich offenes Wasser. In der Bar lagen wieder Tabletten gegen Seekrankheit aus. Wir nahmen direkt welche, jedoch zu spät. Das Schiff wurde immer unruhiger und uns wurde schlecht. Wir gingen auf die Kabine und legten uns ins Bett. Aus der Nachbarkabine konnten wir Kotzgeräusch wahrnehmen. Zum Glück wirkten die Tabletten bald und wir fühlten uns besser. Wir sind sogar zum Abendessen gegangen. Dieses war deutlich leerer als die Tage zuvor. Vor der Schiffsmesse sahen wir auch schon das geänderte Menü. Die Suppe wurde gestrichen und auch die Zubereitungsart des Fisches hat sich geändert. Wir vermuteten das Suppe und frittieren bei viel Seegang nicht gemacht wird. 

Am Abend hatten die beiden jüngsten Tourguides noch eine Überraschung für uns. Auf der Suche nach Filmen für die Präsentationen sind sie bei YouTube auf folgende Werbefilme aus den 50er Jahren gestoßen. Natürlich haben Sie uns nicht nur die Filme gezeigt, sondern auch das beworbene Produkt mitgebracht. Die Filme wurden auf der argentinischen Antarktis Forschungsstation Base Brown gedreht. Wir bekamen eine stilechte Kostprobe, natürlich mit Eis aus der Antarktis. Old Smuggler ist nicht der beste argentinische Whiskey, aber der günstige. So hat er auch geschmeckt. 

Fun Fact: Die Musik bleibt länger im Kopf als der Whiskey.

Antarktisches Eis und eine Flasche Old Smuggler. 

Die Nacht war aufgrund des Mini Drakes sehr schaukelig. Doch bis zum Morgen hatte sich die Bewegung wieder entspannt.

Deception Island 

Wind: 66 Knoten, Temperatur: -1°C, gefühlte Temperatur: -13°C, Breitengrad 62°56’S, Längengrad 60°40’W

Am nächsten Tag stand der letzte Ausflug an. Wir fuhren zur Deception Island. Diese Insel ist ein Vulkankrater, welcher auf einer Seite zusammengebrochen ist. Daher ist der Krater vollständig mit Seewasser gefüllt und bildet eine Art natürlichen Hafen. Die Öffnung nennt sich Neptuns Blasebalg und ist ziemlich schmal. Wir waren auf der Brücke als der Kapitän durch die Enge manövrierte. Leider war das Wetter wieder schlecht und die Sichtweite dementsprechend gering. 

Durchfahrt von Neptuns Blasebalg. 

Als wir im Krater eingefahren sind war es Zeit für Frühstück. Wahrscheinlich unsere letzte ruhige Mahlzeit, denn die andern werden im offenen Wasser stattfinden. Nach dem Essen ging es an Land. Leider hat der Kapitän aufgrund des Windes sich gegen ein Ankern bei der Whalers Bay entscheiden müssen. Dort sind die Überreste einer Walverarbeitungsstation zu sehen, aber leider nicht für uns. Wir gingen an anderer Stelle an Land. 

Schwarzer Strand von Deception Island. 

Wir liefen über einen schwarzen Strand und gelangten zu einem weiteren, kleineren Krater. Der Vulkan ist zuletzt 1970 ausgebrochen, also gar nicht so lange her. 

Vulkankrater auf Deception Island. 

Neben dem Krater war ein Gletscher zu sehen. Dieser war durch die Vulkan Aktivität ganz schwarz. 

Der schwarze Gletscher. 

Das Wetter war Immer noch schlecht. Durchnässt vom Schneeregen sind wir zurück zum Schiff gefahren. Beim Ausfahren aus Neptuns Blasebalg sind wir wieder auf die Brücke gegangen. Wir konnten diesmal sogar die Whalers Bay sehen und auch die Walverarbeitungsstation konnte man in der Ferne erkennen, denn die Sicht war etwas besser. 

Die Walfangstation in der Whalers Bay aus der Ferne.

Wieder durch Neptuns Blasebalg.

Nun war es soweit. Unsere Expedition in der Antarktis 🇦🇶 ist in ihrer letzten Phase und nun wieder auf dem Weg zurück nach Südamerika. Auf dem Schiff gab es eine Durchsage, dass der Wind auf der Drake Passage sehr stark sei. Wir warteten deshalb nochmal 2 Stunden mit der Weiterfahrt, in der Hoffnung, dass sich das Wetter bessert. Unsere Heimfahrt wird vermutlich nicht so entspannt werden wie unsere Hinfahrt in die Antarktis. 

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#49 Rund um die antarktische Halbinsel (Teil 2/2)

#48 Rund um die antarktische Halbinsel (Teil 1/2)

Am folgenden Nachmittag stand ein Briefing für die Anlandungen und die Zodiac Fahrten an. Uns wurde erklärt, wie wir uns an Land zu verhalten hatten: leise sein und Abstand zu den Tieren halten. Ganz wichtig war auch, dass die bereitgestellten Gummistiefel vor und nach jeder Landung desinfiziert werden mussten, damit wir nichts mit an Land oder von Land bringen. Und es wurde erklärt wie man in die Zodiacs ein- und aussteigen sollte. Nach meinen Schlauchbooterfahrungen aus Ibiza stellte ich mir das schon schwierig vor, da wir ja dick wie kleine Michelinmännchen eingepackt waren. Und dann erhielten wir noch eine kleine Rettungsweste, die wir bei den Zodiac Fahrten tragen mussten. An dieser war eine Nummer befestigt, die uns namentlich zugeordnet war. Michi hieß nun 43 und ich 44. Die Zahlen mussten wir beim Ein- und Aussteigen der Zodiacs immer zeigen, damit die Crew einen Überblick hat, wer an Board bzw. wer an Land ist. Und nach all den Infos hatte Pepe noch eine Überraschung für uns: wir konnten unser neues Wissen gleich anwenden, denn wir würden unsere erste Anlandung machen.

Die erste Anlandung – Halfmoon Island 

Wind: 45 Knoten, Temperatur: -1°C, gefühlte Temperatur: -11°C, Breitengrad 62°36’S, Längengrad 59°55’W

Wow, eigentlich stand das erst für den nächsten Tag an. Alle waren wir aufgeregt und ein kleines Chaos entstand, da sich jeder schnell umziehen wollte. Auf der Kabine haben wir dann unsere ganzen Schichten und den geliehenen Parker angezogen. 

Am hinteren, unteren Deck war die Desinfektionsstrasse für unsere Schuhe bereits aufgebaut. 

Desinfektion vor den Landgang.

Und dann wurden immer 8 Leute für ein Zodiac abgezählt, in der Liste eingetragen und dann durften wir schon einsteigen. Oberste Regel beim Einsteigen war, beide Hände freizuhaben und die Hilfe der Seemänner anzunehmen. So klappte das einsteigen auch ganz prima. Die Fahrt mit dem wendigen Zodiac war kurz und die Luft war eisig. 

Die Zodiacs konnten zwar nah an Land fahren, aber es gab natürlich keinen Steg zum Anlegen. Zum Aussteigen mussten wir deshalb die Beine über das Zodiac schwingen und dann nur noch leicht am Rand runterrutschen lassen. Dann standen wir etwa knöcheltief im Wasser, was ein Glück hatten wir die Gummistiefel. 

Und dann waren wir das erste Mal an Land, nämlich auf der Halfmoon Island. Das Erste was mir auffiel war, dass gar nicht so viel Schnee an Land lag wie ich es mir vorgestellt hatte. Und ein ganz besonderer Geruch lag in der Luft: Pinguin Guano. 

Es war anfangs leicht überfordern. Man sollte und musste recht langsam laufen, denn der Boden war teilweise rutschig und nass. Generell sollte man darauf achten wohin man tritt, um nicht versehentlich auf eine Pflanze oder eine Pinguinstraße zu treten. Und dann sollte man dies natürlich noch genießen, sich nach der Natur umschauen und darauf achten genug Abstand zu den Tieren zu haben. 

An Land blieb ich deshalb einfach erstmal stehen. Denn es gab auch direkt was zu sehen. Einige Seelöwen lagen an Land. Zu diesen Tieren sollten wir besonders großen Abstand halten, da sie aggressiv sein könnten. Es lag auch ein altes und kaputtes Boot an Land, welches zu Beginn des Tourismus in den 60er Jahren genutzt wurde. Sozusagen der Urahne des Zodiacs. 

Landebucht an der Halfmoon Island.

Pepe und seine Expeditionscrew waren stets die ersten an Land und hatten uns mit Fahnen einen Weg abgesteckt. 

Auf der Insel befindet sich auch die argentinische Forschungsstation Cámara. Diese wird jedoch nur im Sommer betrieben und dieser neigte sich seinem Ende entgegen. Daher war die Station bereits unbewohnt. 

Robbe mit der argentinischen Forschungsstation im Hintergrund.

Ein paar Schritte weiter sahen wir dann die ersten Pinguine. Hierbei handelte es sich um Zügelpinguine. Zu unserer Zeit gab es keine Babys mehr zu sehen, denn diese waren bereits zu Jugendlichen herangewachsen. Diese sind teilweise neugierig und könnten sich für uns interessieren. 

Zügelpinguine kreuzten unseren Weg.

Der abgesteckte Weg war ehrlicherweise nicht ganz ohne und mit den Gummistiefeln war es auch nicht so einfach zu laufen. Langsam ging es deshalb nur vorwärts. Der Weg führte uns etwas über die Halfmoon Island und wie sahen noch mehr Pinguine. Diesmal sogar eine andere Art. Es waren Eselspinguine. Was ein Anblick! 

Eselspinguine waren auch da.

Wir hatten bei dieser ersten Landung maximal eine Stunde Zeit für die Erkundung, denn die Sonne würde bald schon untergehen. Vorher haben wir natürlich noch ein Beweisfoto aufgenommen, von unserem ersten Landgang.

Beweisfoto: Wir waren da!

Und so gingen wir den Weg wieder zurück, schwangen uns auf ein Zodiac und fuhren zur MS Ushuaia. Dort angekommen hieß es erstmal wieder mit seiner Nummer anmelden und die Schuhe desinfizieren. Wir schälten uns aus unseren Schichten und dann gab es auch schon Abendessen. Die erste Landung auf einer Antarktischen Insel war ein wundervoller Tagesabschluss. Abends gab es noch ein kurzes freiwilliges Briefing. Pepe resümierte den Tag und stellte uns den Plan für den folgenden Tag vor. 

Die zweite Anlandung – Hydurga Rocks

Wind: Still, Temperatur: -2°C, gefühlte Temperatur: -2°C, Breitengrad 64°80’S, Längengrad 61°37’W

Die kommende Nacht haben wir sehr gut geschlafen ohne nennenswerte Wellen und ohne schaukeln. Es standen für den Tag nun zwei Anlandungen an. 

Schnee bedecktes Land vor dem Bug der MS Ushuaia.

Nach dem Frühstück ging es also wieder mit den Zodiacs raus. Diesmal war das Ziel Hydurga Rocks. Hierbei handelt es sich wieder um eine vorgelagerte Insel. Das Ein- und Aussteigen aus den Zodiacs hatte heute schon besser geklappt. Auf der Insel waren wieder antarktische Bewohner wie Weddelrobben und Pinguine zu sehen. 

Eine Gruppe von Zügelpinguinen.

Benannt ist die Insel nach dem Seeleoparden, denn sein lateinischer Name ist Hydrurga Leptonyx. Wir haben diesen aber hier noch nicht angetroffen. 

Die Robben genossen die letzten Tage vor dem antarktischen Winter in der Sonne. Sie hatten sich unglaublich gut getarnt, denn einige von ihnen sahen einfach aus wie Felsen. Die Crew hatten auch eine antarktische Flagge dabei. Michi und ich ließen uns die Gelegenheit nicht entgehen für ein Foto. 

Mit der antarktischen Flagge posiert. 

Nach etwa einer Stunde ging es für uns wieder zurück zum Schiff. 

Unser Schiff im geschützten Gewässer.

Während wir zu Mittag aßen, steuerte die MS Ushuaia bereits das nächste Ziel an. Wir befuhren den Gerlache Straße. Auf der einen Seite wurde dieser durch den Kontinent Antarktika begrenzt, auf der anderen Seite durch die vorgelagerten Inseln. Der Kanal war voller Eisberge und es wirkte einfach unwirklich.

Portal Point 

Wind: Still, Temperatur: -2°C, gefühlte Temperatur: -2°C, Breitengrad 64°30’S, Längengrad 61°46’W

Unser zweiter Landgang des Tages führt uns zum Portal Point. Zu Zeiten der großen Abenteurer wurde diese Stelle als Ausgangspunkt für Expeditionen genutzt. Daher auch der Name, der Punkt ist das Portal zum Kontinent Antarktika. So stiegen wir wieder in ein Zodiac. Bereits die Fahrt vorbei an vielen großen und kleineren Eisschollen war beeindruckend. 

Martina während einer Zodiac Fahrt.

Als wir am Ufer anlandeten, begrüßte uns das deutsche Crewmitglied Monika mit den Worten „Welcome to the Continent!“. Nun war es soweit! Zum ersten Mal standen wir mit unseren Füßen auf dem unwirklichsten aller Kontinente. 

Zum ersten Mal auf dem Kontinent Antarktika. 

Wir erklommen zunächst einen Hügel. Dieser war mit feinem Schnee bedeckt, das Aufstieg war recht rutschig. Oben angekommen machten wir ein Gruppenbild, mit unserem Schiff im Hintergrund. 

Die ganze Gruppe auf einem Haufen. 

Das Schiff in der Ferne ist kaum zu erkennen. 

Die MS Ushuaia von Eis umgeben. 

Und für besonders abenteuerlustige stand noch eine weitere Aktivität an: ein Polar Plunge. Wer wollte konnte ein Bad im Meer nehmen. Bei einer Wassertemperatur von 1°C und einer Außentemperatur von -2°C lehnten wir dankend ab. Das war einfach zu kalt. Einige von unserer Gruppe haben dies allerdings gemacht. Und da wir die letzte Tour der Saison waren, sind sogar einige Crewmitglieder in das kalte Nass gesprungen. Auch die Pinguine haben das ganze aus sicherem Abstand beobachtet.  

Eselspinguin im ewigen Eis.

Zurück auf dem Schiff haben wir uns mit einem Tee aufgewärmt. Dann war es auch schon wieder Zeit für ein leckeres Abendessen.

Hähnchenbraten mit Spargel und Blumenkohlpüree.

Nachdem Essen gab es wieder ein freiwilliges Briefing. 

Palaver Point 

Wind: Still, Temperatur: -1°C, gefühlte Temperatur: -1°C, Breitengrad 64°90’S, Längengrad 61°45’W

Für den folgenden Tag standen wieder zwei Anlandungen an. Nach dem Frühstück ging es zum Palaver Point. Dieses Mal waren wir in einem der ersten Zodiacs. Die Überfahrt war recht angenehm, da kein Wind ging. 

Auf dem Weg zum Land.

Und an Land angekommen, sahen wir direkt die ersten Seerobben und auch Pinguine konnten wir gleich ausmachen. 

Robbe beobachtet die Touristen.

Es gab dieses Mal zwei Wege, zunächst ging es zu einer kleinen Gruppe Pinguine. Und wer wollte, konnte noch weiter hochlaufen. So dick eingepackt und in knöchelhohem Schnee war der Weg recht anstrengend, auch wenn er nur kurz war. Oben angekommen hatte man allerdings einen tollen Blick in die Bucht. 

Michi auf Palaver Point

Die Natur sieht total magisch aus. Auf dem Weg Richtung Gipfel sind wir immer wieder an Pinguinspuren vorbeigelaufen. Diese sind vor unserer Ankunft den Berg herunter gerodelt. Hierfür legen sie sich auf ihren Bauch und paddeln mit ihren Flügelchen. 

Spuren eines rodelnden Pinguins.

Da wir mit einem der ersten Zodiacs an Land gingen, entschieden wir uns dafür mit dem ersten gleich wieder zurückzufahren. Trotz 4 Lagen an den Füßen, werden diese doch irgendwann kalt. Bevor wir losfuhren, hat uns noch eine Seerobbe im Wasser verabschiedet. 

Robbe im kalten Nass.

Bereits vor der Abfahrt, hatten wir gesehen, dass die Crew den Außengrill angemacht hat. Für das Mittagessen stand nämlich Barbecue an. Alle Gäste waren scharf drauf und standen bereits 15 Minuten vorher am Speisesaal an. 

BBQ an Bord des Schiffes.

Für den Nachmittag stand noch eine ganze besondere Anlandung an.

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#47 Von Ushuaia in die Antarktis

#47 Von Ushuaia in die Antarktis

Und dann war es endlich soweit, der Beginn unserer Schiffsfahrt stand an. Für die nächsten 10 Tage würde die MS Ushuaia unser Zuhause sein. Auf diese Reise haben wir uns fast 5 Jahre gefreut, hatten wir sie doch eigentlich in 2018 für 2021 gebucht. 

Der Beginn unserer Expedition

Um 16 Uhr stand das Boarding an. Wir hatten uns mit einem Taxi zum Hafen fahren lassen. In diesen durften wir einfach hineinspazieren, Pässe oder Gepäck hat keiner kontrolliert. Wir mussten die ganze Mole entlang gehen, da unser Schiff an der letzten Stelle angelegt hatte. 

Die MS Ushuaia.

Im Vergleich zu den anderen Schiffen, war unsere Ushuaia relativ klein. Es gab nur 4 Decks, die umliegenden Schiffe waren mindestens doppelt so groß. Eigentlich waren wir recht früh dran fürs Boarding, aber es gab schon eine lange Schlange. Dort wurde uns dann schon das Gepäck abgenommen und mit unserer Kabinennummer versehen. Die 208 wird wohl unsere Heimat für die nächsten Tage sein. Dass unser Gepäck nicht über die Gangway, sondern mit einem Kran aufs obere Deck des Schiffes gehoben wurde, wunderte uns doch etwas. Schließlich hatten wir die günstigste Kabine im unteren Deck des Schiffes gebucht. 

In freudiger Erwartung auf die Expedition.

Dann durften wir endlich das Schiff betreten und mussten unsere Pässe abgeben. Und dann folgte die Überraschung: wir wurden upgegradet. Dies erklärte jetzt auch, warum unser Gepäck aufs obere Deck gebracht wurde. Eigentlich hätte uns eine Kabine im unteren Deck mit einem Stockbett und einem Semiprivaten Bad, welches wir uns mit der Nachbarkabine teilen müssten, erwartet. Denn selbst in der günstigsten Kategorie ist eine Reise in die Antarktis ein sehr teures Vergnügen. Wir erhielten jedoch eine Premiumkabine im oberen Deck. 

Unsere Premiumkabine.

Luxuriös ist diese auch nicht, aber immerhin hatten wir zwei Einzelbetten, ein eigenes Bad und viel mehr Platz als gedacht. Das Upgrade war somit ein Sprung von drei Kategorien. Wir haben uns wahnsinnig gefreut, denn für die lange Zeit war das wirklich spitze.

Zunächst packten wir also erstmal unseren Rucksack aus, denn 10 Tage ohne packen – das Privileg hatten wir in den letzten drei Monate noch nicht gehabt. Beim Auspacken mussten wir darauf achten alles sicher zu verstauen, damit unsere Sachen bei Seegang nicht in der Kabine umherfliegen.

Um 18 Uhr stand dann ein allgemeines Briefing an. Unser Expeditionsleiter Pepe stellte sich, die Crew und auch das Schiff vor. Dieses wurde vor etwa 50 Jahren in den USA als Forschungsschiff gebaut. Dies erklärt auch den vergleichsweisen geringen Standard. Pepe formulierte es so, dass das Schiff nicht für menschliche Wesen gebaut wurde, sondern für Wissenschaftlicher. Anschließend sprach noch kurz der Schiffsarzt zu uns. Er empfahl allen die bereitgestellten Pillen gegen Seekrankheit zu nehmen, auch wenn man der Meinung sei diese nicht zu brauchen. Natürlich haben wir auf den Arzt gehört. Dann stand die obligatorische Seenotübung an. So gingen wir auf unser Zimmer um auf den Probealarm zu warten. Als dieser überraschend leise erklang, gingen wir mit unserer dicken Rettungsweste in die Lobby. Dort folgten noch weitere Erklärungen und Einteilungen. Im Falle einer Evakuierung würde man vermutlich mehreren Tagen in dem Rettungsboot ausharren müssen, bevor Hilfe eintrifft. 

Eines der Rettungsboote der MS Ushuaia. 

Daher war neben der Rettungsweste auch an warme Kleidung zu denken. Im Rettungsboot gibt es für drei Tage Trinkwasser und Nahrungspulver. Toiletten gibt es keine, hier kann man der Fantasie freien Lauf lassen. Mal hoffen das alles gut geht!

Während der Seenotrettungsübung.

Um 20 Uhr gab es dann das erste Abendessen. Kürbissuppe, Ravioli mit Lachssoße bzw. mit Tomatensoße für mich und als Nachtisch Erdbeeren mit Sahne. Vor jeder Mahlzeit ging der Chefkellner durch die Tische, stellte das Essen vor und notierte wer eine vegetarische Alternative wollte oder eine Allergie hatte. 

Anschließend ging es für uns ins Bett. War dies doch schon ein erster aufregender Tag an Bord. 

Die Durchquerung der Drake Passage – unser Weg in die Antarktis 

Um in die Antarktis zu gelangen, mussten wir zunächst die Drake Passage überwinden. Diese ist für ihre raue See berüchtigt und zählt zu einer der schlimmsten Überfahrten. Gegen Mitternacht begann das Schaukeln. Erst noch relativ sachte, doch es wurde immer stärker, bis man leicht nach rechts und links kullerte im Bett. Gut, dass dieses einen Rausfallschutz hat. 

Erholsam war die Nacht nicht, aber für Erholung waren wir ja auch nicht auf dem Schiff. Nun erklärte sich auch einiges an der Einrichtung im Schiff: die Stühle im Speisesaal waren fest und konnten nicht bewegt werden und überall gab es Haltegriffe. 

Unser Speisesaal, ausgestattet mit Antirutschmatten, festen Stühlen und Haltegriffen.

Um 8 Uhr gab es das erste Frühstück. Am Vorabend hatten wir gelernt stets eine Hand fürs Schiff zu haben und eine für sich selbst. Bei der Drake Passage gehören beide Hände dem Schiff. Nun gab es allerdings Buffet, das war eine Herausforderung. 

Während wir Passagiere uns teilweise mit beiden Händen festhielten, lief die Crew mit vollen Tabletts herum. Sie lehnten sich einfach entgegen der Richtung, in die das Schiff sich neigte. So einen Seegang hatten wir beide noch nicht erlebt. Dank der Pillen wurden wir aber nicht seekrank. 

Was sich für uns wie extrem starken Seegang anfühlte, nahm die Crew und unser Expeditionsleiter Pepe ganz anders wahr. Unsere 2 bis 3 Meter hohen Wellen sind für die Region eher ein ruhiges Fahrwasser. Und so nannte er die Drake Passage den Drake Lake. Wir hatten also großes Glück mit dieser milden Überfahrt. Kaum vorstellbar wie das mit 10 Meter hohen Wellen wäre. Wer weiß, ob wir bei unserer Rückfahrt auch so viel Glück haben würden. 

Für jeden Tag gab es ein sogenanntes Daily Programm. Diesem waren die Aktivitäten und die Essenszeiten zu entnehmen. Am ersten Tag standen zwei Vorträge an. Zunächst erzählte uns Pepe, der Ornithologe ist, einiges über die verschiedenen Vögel, die wir in den nächsten Tagen sehen würden. Der Wanderalbatros ist mit einer Flügelspannweite von 3,5 m der größte fliegende Vogel der Welt. Anschließend gingen wir gemeinsam an Deck um ein paar Vögel zu beobachten. Unglaublich, dass diese noch unterwegs waren, da das Land bereits weit entfernt war. 

Unsere ständigen Begleiter auf der Drake Passage.

Ein weiterer Vortrag am Nachmittag widmete sich den verschiedenen Eisarten, die es gibt und trug den poetischen Titel „Ice is nice“. Dieser wurde vom deutschstämmigen Crewmitglied Monika gehalten. Unterschieden wird das Eis nach seiner Entstehung. So kann unser Schiff durch Packeis fahren, jedoch sind Eisberge aus Gletschereis zu meiden. Denn das Eis von Gletscher ist hart wie Fels. Wie das enden kann, zeigten uns Kate Winslet und Leonardo di Caprio bereits auf der Titanic. 

Viel mehr Programm stand den Tag über nicht an, abgesehen von Essen. Die gereichten Mahlzeiten waren ziemlich lecker und sicherlich eine Herausforderung was die Zubereitung in der kleinen Kombüse betrifft.  

Fischfilet mit Kräutersoße und Kürbisstampf.

Wir gingen wieder zeitig ins Bett, da die vorherige Nacht ja nicht besonders erholsam war. Leider war diese Nacht noch weniger erholsam. Meiner Empfindung nach hat sich die Bewegung in der Nacht noch verstärkt. Das Schiff rollte von der einen zu anderen Seite. Doch nach dem Frühstück ließ die Bewegung langsam nach und bald konnten wir sogar Land sehen, endlich! Es waren die südlichen Shetlandinseln. Somit hatten wir die Drake Passage offiziell hinter uns gelassen und die Macfarlane Straße erreicht. Diese war um einiges ruhiger. 

Land in Sicht!

Da sich die See nun beruhigt hatte, durften wir auch die Brücke besuchen. Die zwei wichtigsten Regeln hier waren, leise zu sein und das mittlere Fenster frei zu lassen. Die Crew auf der Brücke war tiefenentspannt, obwohl wir dennoch gut in Bewegung waren. Sie machten dies definitiv nicht zum ersten Mal und strahlten eine Ruhe aus. Von der Brücke aus hat man einen tollen Überblick gehabt und wir hatten sogar extra Glück, denn wir haben ein Orca gesehen. Leider war es nur ein kurzer Moment und ließ sich fotografisch nicht festhalten. Ein Crewmitglied sagte uns später noch, dass dies erst der zweite Orca war, der in der Saison gesehen wurde. Wir nutzten also den restlichen Tag und den nächsten Vormittag, um die Umgebung von der Brücke aus zu beobachten.

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#1 Der Plan

#1 Der Plan

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Lange, lange haben wir überlegt wohin uns die 4 freien Monate unseres Sabbaticals führen sollen. Einmal um die Welt? Ein Land pro Kontinent? Blauäugig wie wir waren, hätten wir am liebsten beides kombiniert. Schnell mussten wir aber lernen, dass beide Optionen schier unmöglich sind, wenn man nicht die ganze Zeit im Flieger verbringen möchte. Also haben wir uns für einen Kontinent entschieden: Südamerika.

Beginnen werden wir unsere Reise in Costa Rica – ok, das ist nicht ganz Südamerika – aber immerhin Lateinamerika. Um seicht zu starten, werden wir eine 16-tägige geführte Rundreise durch das Land machen. Hier vertrauen wir wieder G Adventures, mit denen wir ja bereits in Indien/Nepal und in Mexiko waren.

Von Costa Rica aus geht es dann aber wirklich nach Südamerika und wir fliegen nach Lima, Peru. Von dort nehmen wir den Peru Hop Bus und fahren die touristischen Attraktionen des Landes ab. Dies funktioniert ganz ähnlich wie ein Hop On Hop Off Bus in den größeren Städten, allerdings hier auf ein Land ausgeweitet. Vorbei und über die Nazca Linien führt uns der Weg natürlich auch nach Macchu Picchu, bestimmt einem Highlight unserer Reise. Über den Titicacasee wird uns der Bus bis nach Bolivien bringen und in La Paz enden. Ab dort sind wir, zumindest was den Transport betrifft, ganz auf uns alleine gestellt. Jetzt gibt es keinen Bus mehr, die uns vor dem Hotel rauslässt und am nächsten Morgen dort wieder einsammelt. In der Hoffnung, dass sich unsere Spanisch-Kenntnisse bis dahin verbessert haben, versuchen wir dann komplett auf eigene Faust weiterzureisen.

Von der Salzwüste Uyuni führt uns der Weg nach Chile in die Sandwüste San Pedro de Atacama. Anschließend folgt ein weiteres Highlight unserer Auszeit – wir fliegen auf die Osterinseln. Dort versuchen wir die Mysterien der Moais zu ergründen. Wieder auf dem Festland werden wir Santiago de Chile erkunden und daraufhin nach Patagonien, genauer gesagt nach Feuerland, fliegen. Der Name ist hier allerdings nicht Programm, denn es wird ab jetzt immer kälter. Einen ganz konkreten Plan für für die Zeit dort unten haben wir derzeit noch nicht. Ein bisschen Spontanität darf ja auch noch bleiben. Besuchen wollen wir aber definitiv den Perito Moreno Gletscher in Argentinien, ein weiteres Highlight unserer Reise. Einen festen Termin haben wir allerdings, da unser Expeditionsschiff MS Ushuaia pünktlich den Hafen in Richtung Antarktis verlassen wird – ob mit oder ohne uns. Auch hier weichen wir wieder etwas von unserem ursprünglichen Plan ab, da die Antarktis nicht zu Südamerika gehört.

Nach dem mit Abstand größtem Highlight und der speziellsten Zeit der Reise, fliegen wir wieder in die Wärme – nach Buenos Aires. Ab hier haben wir bislang gar keinen Plan für die nächsten zwei, drei Wochen. Nur eins ist wieder fix und das ist der Rückflug nach Hause und somit das Ende unserer Reise.

Reiseroute

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