Nach fast 60 Artikeln ist heute Schluss, denn das ist der letzte Blogbeitrag zu unserem Sabbatical.
Für den letzten Abend in Buenos Aires hatten wir mal den Balkon unserer Airbnb-Wohnung genutzt. So genossen wir den Ausblick vom 13. Stockwerk auf die Stadt bei Empanadas und Malbec. Den Malbec haben wir von unserem letzten Bargeld gekauft. Da wir nicht mehr all zu viel übrig hatten, reichte es nur für eine sehr günstige Flasche. Und bislang konnten wir bestätigen, dass es keinen schlechten Malbec gibt.
Empanadas und Malbec.
Am nächsten Morgen packten wir unserer Sachen, was gar nicht so leicht war. Wir hatten allerlei Süßes für die Daheimgebliebene gekauft. Das musste nun neben unserem normalen Gepäck auch noch im Rucksack verstaut werden. Und so ein Rucksack ist schon wesentlich kleiner als ein Koffer. Gegen 10:00 Uhr war es soweit und wir fuhren mit einem Uber zum Flughafen. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass wir viel zu früh am Flughafen waren. Die Lufthansa würde unseren Counter erst in zwei Stunden aufmachen. Okay, unser Flug sollte erst um 16:45 Uhr starten, aber wir mussten die Wohnung um 10 Uhr verlassen und wollten mit dem Gepäck nicht durch die Stadt laufen. Also hieß es jetzt warten. Jedoch merkte man schnell, dass der Flug nach Deutschland geht, denn wir waren nicht die Einzigen, die viel zu früh da waren. Vor dem Schalter bildete sich bereits eine Schlange. Der Rückflug an sich war auch ein besonderer Programmpunkt für uns, denn wir sind Business Class geflogen.
Nach dem Einchecken und ein bisschen Zeit in der Lounge wurde es dann aber wirklich ernst. Wir konnten schon unseren Flieger am Gate sehen, es war eine 747-8. Das besondere bei Lufthansa ist, dass sich ein Teil der Business Class im Upper Deck befindet. Genau da werden wir auch sitzen.
Die 747-8 am Terminal.
Das Boarding verlief schnell. Die First und Business Class hatten sogar ein eigenes Gate und dementsprechend auch eine eigene Gangway. Als wir unseren Pre-Departure Drink tranken, war das Boarding in der Eco noch voll im Gange. Nach einem sanften Start ging es auch schon bald mit dem Essen los.
Selfie aud dem Upper Deck.
Der Service in der Business Class ist kein Vergleich zur Eco. Ich wurde am Platz begrüßt mit den Worten: „Guten Tag Frau Merz, für sie gibt es ja heute das Special Menü.“ Woher kannte sie meinen Namen? Und welches Special Menü? Etwas irritiert gab ich nur zurück, dass ich nur vegetarisches Essen bestellt hätte. Michi hingegen konnte aus einer Menü Karte auswählen. Bei der Vorspeise entschied er sich für Garnelen.
Marinierte Shrimps mit Zucchini, Pesto-Mayonnaise und sautierten Kirschtomaten.
Als Hauptgang gab es für mich Ravioli mit Tomatensauce und etwas Käse überbacken und für Michi den Lachs.
Gegrillter Buckellachs mit Tomaten-Paprikasauce, dazu gebratene Anden-Kartoffeln und blanchierter Bok Choy.
Beim Nachtisch konnte man zwischen einer Auswahl an Käse und einem Mango-Kuchen entscheiden. Die Wahl fiel bei uns beiden natürlich auf den Kuchen.
Mango-Crémeux Käsetorte.
Nach dem Essen war es Zeit fürs Bett. Unser großer Luxus war, dass wir unseren Sitz in eine flache Liegeposition stellen konnte. Wir hatten sogar eine Minimatratze, eine richtige Decke und ein Kissen. Ein bisschen Schlaf konnten wir so tatsächlich mitnehmen, auch weil es wirklich sehr ruhig in der Kabine war. Und dann war es auch schon wieder Zeit für das Frühstück und wir begannen mit dem Landeanflug auf Frankfurt. Vor lauter Nebel konnten wir kaum etwas sehen. Wenn man Schlafen kann, ist so ein 13 h Flug doch recht kurzweilig. In Frankfurt angekommen, freuten wir uns auf unsere Familien und auch auf unsere Wohnung.
Sabbatical in Zahlen
Da Michi Statistiken mag wollte er unbedingt unsere Reise in Zahlen fassen. Also wer kein Interesse an Statistik, Zahlen und Mathe im Generellen hat sollte, jetzt nicht weiter lesen.
Nach 118 Tagen sind wir wieder in Deutschland angekommen. In dieser Zeit haben wir 8 Länder bereist und sind neben Südamerika auch auf dem Kontinent Antarktika gewesen. Die Aufenthaltsdauer in den einzelnen Länder war extrem unterschiedlich. Die längste Zeit haben wir in Chile verbracht mit einem Anteil von 23 % an der Gesamtdauer von 118 Tagen. Hingegen war die Aufenthaltsdauern in Brasilien und Paraguay mit wenigen Stunden extrem kurz und somit deutlich kleiner als 1 % Prozent.
In Summe haben wir eine Strecke von etwa 51.000 km zurückgelegt. Zum Vergleich: der Erdumfang beträgt etwa 40.000 km. Den größten Anteil an die Gesamtstrecke hatte die An- und Abreise nach Lateinamerika mit 20.842 km. Und auch die Verteilung nach Transportmittel ist sehr ungleich. Das Tortenstück welches das Flugzeug repräsentiert hat eine Große von 84 % und ist somit deutlich größer als die Stücke für Schiff, Bus und zu Fuß. Zu Fuß sind wir aber dennoch insgesamt fast 1.000 km gelaufen.
Zu einem weiteren Thema lassen sich viel Grafiken erstellen, hier geben wir jedoch nur relative Zahlen an. Es handelt sich dabei um die Kosten. Wir haben nämlich akribisch jede Ausgabe aufgeschrieben um auch zu sehen ob wir noch im Budget liegen. Unser Budget haben wir zu 98% ausgeschöpft. Das meiste Geld haben wir für die Fahrt zur Antarktis ausgegeben. Die Schiffsfahrt ist nicht wirklich einem Land zuzuschreiben, daher hat sie eine eigene Kategorie. Unsere Zeit auf dem Schiff machte gerade einmal 8 % der Zeit des Sabbaticals aus, der Anteil am Budget beträgt aber stolze 35 %.
Die Kosten in den einzelnen Länder waren sehr unterschiedlich, jedoch auch unsere Aufenthaltsdauern. Im nächsten Diagramm wird daher gezeigt, wie viel ein Tag in welchen Land gekostet hat. Da hier keine konkreten Zahlen genannt werden, wurden die Kosten auf einen Tag in Bolivien bezogen. Das heißt, ein Tag auf dem Schiff MS Ushuaia war 9,6 mal so teuer wie ein Tag in Bolivien. Die Angaben zu Peru sind verzerrt, da hier auch die versenkten Kosten berücksichtigt wurden. Denn aufgrund der Unruhen mussten wir unseren Plan anpassen, hierdurch sind Kosten entstanden und wir haben teilweise unser Geld nicht zurück bekommen. Ansonsten gibt das Diagramm das Preisniveaus der Länder gut wieder. Hierbei gilt es noch zu beachten, dass wir unser Verhalten den Kosten angepasst haben, denn in teureren Ländern sind wir weniger essen gegangen als in günstigeren Ländern. Ebenso verhält sich dies mit den Ausflügen.
Haben wir unsere Ziele erreicht?
Zur Veranschaulichung dient die Karte, welche den ursprünglichen Plan und auch die Änderungen zeigt. Es sind einige Orte weg gefallen (rote Markierungen), andere sind hinzu gekommen (grüne Markierungen). Die politischen Unruhen in Peru haben große Anpassungen erfordert. Peru sollte ursprünglich ein Schwerpunkt des Sabbaticals sein, jedoch wurde es mehr oder weniger ausgelassen. Dadurch ist viel Zeit frei geworden, wodurch wir Bolivien viel intensiver bereist haben als es geplant war. Die Orte Santa Cruz, Trinidad, Cochabamba und auch Potosí standen nicht auf unseren Zettel.
Auch bei der Kreuzfahrt in der Antarktis gibt es Abweichungen zwischen der Karte aus dem Beitrag „#1 Der Plan“ und der tatsächlichen Route. Das liegt einfach daran, dass jede Expedition anders ist. Es gibt keine Garantie einen bestimmten Ort in der Antarktis anzufahren. Wir sind zufrieden mit dem was wir gesehen haben.
Auch gegen Ende das Sabbaticals sind noch einige Ziele hinzugekommen. Wir hatten uns bewusst die letzten drei Wochen offen gehalten. Die Zeit haben wir spontan gefüllt. Daher haben wir die Iguazú Wasserfälle und auch Uruguay besucht. Die Iguazú Wasserfälle waren eines unserer Highlights der vergangenen vier Monate. Zum Glück haben wir diesen Besuch eingebaut.
Fazit
In den vergangenen 118 Tage haben wir viele tolle Momente erlebt. Den einen Höhepunkt gibt es jedoch definitiv nicht. Es sind mehrere Orte, die als unbeschreiblich schön in Erinnerung bleiben. So haben die Salar de Uyuni, der Perito Moreno Gletscher und auch die Iguazú Wasserfälle eines gemein: Ein Foto gibt nicht einmal 10 % Prozent ihrer imposanten Erscheinung wieder. Auch die Zeiten auf der Osterinsel und dem Schiff MS Ushuaia waren unbeschreiblich schön. Sicherlich hatten wir einen Durchhänger in Peru, denn Machu Picchu sollte eines unserer Highlights werden. Wir haben mehr oder weniger das ganze Sabbatical um die weltberühmte Stätte der Inca herum geplant. Umso trauriger war es, dort nicht hinzugehen. Dies war aber mit das einzigste, was nicht geklappt hat. Wir haben keinen Flug verpasst. Wir haben für jede Nacht eine Unterkunft gehabt. Wir haben all die Dinge gesehen, welche wir uns vorgenommen hatten und noch viele mehr. Manchmal haben sich auch Sachen ergeben. So kamen wir beispielsweise in Punta Arenas ohne rechten Plan an. Jedoch haben wir jeden Tag gefüllt und mehr erlebt, als wir es erwartet hatten. Die letzten vier Monate sind eine außergewöhnliche Zeit gewesen, welche wir nicht missen möchten. Wir sind froh, dass wir diese Möglichkeit hatten.
Wenn man reist trifft man viele Leute und spricht auch über ihre Erfahrungen. So wächst auch die Zahl der Reisewünschen und wird nicht etwa kleiner. Unsere Liste ist ebenfalls länger geworden. Die Osterinsel hat Lust auf mehr Polynesien gemacht. Daher wäre Hawaii ein tolles Ziel für die Zukunft. Argentinien hat auch noch viel zu bieten. So fehlen uns dort noch Orte wie Mendoza, Salta oder auch Cordoba. Peru hingegen ist auf der Liste ziemlich weit nach unten gerutscht, da kommen erstmal andere Ziele vorher.
Wir hatten uns wieder für eine Airbnb Wohnung entschieden, dieses Mal allerdings in einem anderen Stadtteil und zwar in Palermo. Im 13. Stock hatten wir einen tollen Ausblick auf die Stadt.
Blick auf die Stadt.
Die Wohnung war zwar klein, aber dafür gut ausgestattet und es gab sogar eine Nespresso-Maschine mit Kapseln. Für den selben Abend hatten wir auch bereits eine Veranstaltung gebucht. Es ging zu einer Tango Show.
La Ventana Tango Show
Die Location kannten wir, da wir dort vor Kurzem zu einer Weinprobe waren. Dieses Mal hatten wir aber das volle Programm gebucht: Weinprobe, Abendessen und Tango Show. Die Weinprobe, wieder beim Sommelier Franklin, war dieses Mal leider nicht ganz so gut. Neben uns und vier Brasilianern, gab es auch noch eine Gruppe von 12 Leuten. Diese schienen sich für alles, nur nicht für die Weinprobe zu interessieren. Im Nachbarraum gab es z.B. eine Tanzstunde und dort sind sie als hin und her gelaufen. Es war wirklich nervig. Franklin hat sich dennoch nicht aus der Ruhe bringen lassen und wir 6 haben das Beste draus gemacht. Gestartet sind wir mit einem Torrontés, der bedeutendsten Weißwein-Sorte Argentiniens. Anschließend folgten noch ein Syrah und ein Malbec. Von den dreien war mal wieder der Malbec unser Favorit.
Anschließend ging es zum Abendessen. Da wir die Weinprobe vorher gebucht hatten, erhielten wir bessere Sitze auf der Empore. Hierdurch konnten wir auf die anderen Gäste hinabschauen. Der Saal füllte sich schnell und es wurde ziemlich laut.
Die Show war im Keller.
Für das Abendessen konnten wir jeweils bei Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch zwischen ein paar Gerichten auswählen. Michis Wahl fiel mal wieder auf ein Steak. Für mich gab es Nudeln. Zum Essen gab es auch eine Flasche Wein, die inkludiert war.
Für Michi gab es (schon wieder) Steak.
Der Service war leider sehr langsam, aber das Essen war ganz in Ordnung. Und nach dem Dessert war es dann endlich so weit für die Tango Show. Wir hatten einen recht guten Blick auf die Bühne. Auch hier gab es zunächst nur Tango Musik. Dann folgten die Tänzer, Folklore Musik und anschließend wieder Tänzer. Die Show hat uns wirklich gut gefallen und war ein toller Abschluss für den Abend
Tango mit Live Musik.
Der Abend war lang und wir gingen direkt ins Bett, da wir für den nächsten Tag auch bereits eine Tour anstehen hatten.
Weingut vor den Toren Buenos Aires
Wir hatten eine Tour zu dem Weingut Gamboa gebucht. Die größte Besonderheit dieses Weinguts ist, dass es unweit der Stadt Buenos Aires liegt. Eigentlich ist dies nicht die beste Region für Wein, doch das junge Weingut experimentiert viel, um dort Wein anbauen zu könne. Der Großteil der Weine kommt aus der Region von Mendoza oder Salta des Landes.
Zu Beginn erhielten wir eine Führung über die Weinberge, bei der uns der Anbau und die Verarbeitung erklärt wurden. Eine der Flächen im Weingut nannte sich Bibliothek. Hier werden Sorten aus der ganzen Welt angebaut, es gab sogar eine Reihe Riesling.
Die Bibliothek.
Und anschließend ging es dann zu einer kleinen Weinprobe. Da das Weingut noch sehr klein ist, hat es sich mit anderen Weingütern aus Mendoza und Salta zusammengeschlossen. Diese Weingüter produzieren einen Teil ihrer Ernte ausschließlich für das Weingut Gamboa. Somit konnten wir auch Weine aus Mendoza und Salta probieren. Auch hier begannen wir mit einem Weißwein, gefolgt von einem Pino Noir und einem Malbec. Mal wieder war der Malbec der beste Wein.
Weinprobe mit Brot und Käse.
Und anschließend gab es noch ein Mittagessen. Das kleine Restaurant liegt mitten in den Weinbergen, die Location war also wirklich traumhaft. Und das Essen war wahnsinnig lecker und sehr sehr viel. Vorspeisen und Beilagen wurden ständig wieder auf unseren Tisch gestellt, die Auswahl war sehr groß. Und dazu gab es Malbec, auch in großen Mengen. Denn hierbei haben sie wirklich nicht gegeizt.
Unser Tisch.
Die Tour war wirklich schön und wir haben uns mit den mitgereisten Amerikanern und unserem Guide gut unterhalten.
Für den folgenden Tag hatten wir ebenfalls schon einen Programmpunkt, dieses Mal allerdings ohne Wein.
Hop On Hop Off Bus
Wir wollten endlich mal mit dem Hop On Hop Off Bus durch die Stadt fahren. Als wir das erste Mal in der Stadt waren, über die Osterfeiertage, waren die Busse proppenvoll und es gab lange Schlangen vor den Stationen. So wollten wir nicht mitfahren. Glücklicherweise hat sich der Andrang nach den Feiertagen wieder gelegt. Also nutzen wir die Chance und buchten uns ein Ticket. Da wir bereits einiges von der Stadt gesehen hatten, wollten wir erstmal eine komplette Runde mit dem Bus fahren. Die ganze Strecke sollte über 3 Stunden dauern, das zeigt auch mal wieder wie groß die Stadt ist. Anfangs hatten wir uns einen Platz oben, draußen genommen. Von hier aus könnte man gut Fotos machen. Doch nach einiger Zeit sind wir in die erste Reihe umgezogen. Von hier hat man einfach einen besseren Blick.
Zwei Touristen on Tour.
Gerade zu Beginn kamen uns viele Gebäude bekannt vor. Doch vom Bus aus hat man noch mal einen ganz anderen Blick auf die Stadt. Ebenfalls haben sich so erst Zusammenhänge ergeben, wie nah manche Attraktionen doch beieinander liegen.
Historisches Museum.
Ebenfalls präsent waren auch mal wieder die Falklandinseln. Hier werden sie Malvinas genannt.
Die Malvinas vereinen uns.
Wir genossen die Fahrt sehr und ließen nochmal alles auf uns wirken. Die Stadt hat einen ganz besonderen Charme und ist einfach wunderschön.
Der Nationalkongress.
An jeder Ecke gab es schöne Häuser und dazwischen immer viel grün, ob Bäume oder Parks.
Die französische Botschaft.
Während der Fahrt war deutlich spürbar, dass es immer nebeliger wurde. Der ganze Himmel und bald auch einige Hochhausspitzen verschwanden im Nebel. Am nächsten Tag erfuhren wir, dass dies kein gewöhnlicher Nebel oder Smog war, sondern Rauch. Im benachbarten Uruguay gab es Waldbrände, deren Rauch bis zu uns nach Buenos Aires zogen.
Palacio Barolo
Die Fahrt führte uns in Ecken, in denen wir zuvor noch gar nicht waren. Aber die Hauptattraktionen hatten wir alle mitgenommen. Und dann fuhren wir auch am Nationalmonument vorbei: dem Obelisken. Im Hintergrund ist im Nebel noch Evita zu erkennen.
Der Obelisk.
Nach der Rundfahrt nutzen wir die Zeit noch für einen Spaziergang. Endlich wollten wir mal zum Obelisken laufen und ein Foto machen. Zu dieser Zeit war der ganze Himmel bereits im Nebel/Rauch verschwunden.
Beweisfoto – wir waren da.
Nach unserem Spaziergang nutzen wir den Bus auch noch für die Heimfahrt. Zwar dauerte diese so länger, als wenn wir ein Uber genommen hätte und wahrscheinlich sogar länger als wenn wir einfach gelaufen wären, aber es gefiel uns einfach durch die Stadt zu fahren. Ein letzten Mal konnten wir somit die Innenstadt bewundern. Für den nächsten Tag hatten wir zwar auch Pläne, aber diese führten uns nördlich aus der Stadt hinaus.
Ausflug nach Tigre
Wir fuhren am nächsten Morgen nach Tigre. Der ursprüngliche Plan bestand darin, in Buenos Aires in ein Boot umzusteigen, den Río de la Plata hinaufzufahren um dort in das Tigre Delta zu fahren. Aufgrund des weiterhin bestehenden Rauchs wegen der Brände in Uruguay, fiel dieser Plan allerdings flach. In Hafennähe konnte man kaum das nächste Gebäude sehen, da hätte eine Bootstour wenig Sinn gemacht und wäre auch noch gefährlich. Deshalb fuhren wir zunächst mit dem Auto nach Tigre, in der Hoffnung, dass sich der Rauch etwas legt.
Tigre
Die Stadt erhielt ihren Namen übrigens aufgrund eines Missverständnisses. Als die ersten Spanier in diese Gegend kamen, sahen sie Jaguars, hielten sie allerdings für Tiger, im Spanischen Tigre. Daher haben die Stadt und auch die Region diesen Namen erhalten.
Die Stadt Tigre grenzt an das Delta des Flusses Paraná. Dieser war uns noch vom Dreiländereck Argentinien-Brasilien-Paraguay bekannt. Etwa 10 km von der Stadt entfernt mündet der Fluss Paraná in den Río de la Plata. Im Delta gibt es ganz viele Inseln, die größtenteils bewohnt sind. Sie können allerdings nur per Boot erreicht werden. Aufgrund dessen ist Tigre zu einem begehrten Naherholungsgebiet geworden. Viele Bewohner der Stadt Buenos Aires verbringen dort ihre Wochenenden oder die Ferien.
Hotel im Tigre Delta
Glücklicherweise hatte sich der Rauch etwas gebessert und wir konnten eine Bootstour im Delta unternehmen. In der Gegend wohnen wohlhabende Leute, aber auch ärmere Leute. Dies hat sich in den Häusern widergespiegelt.
Schickes Wohnhaus.
Es gibt in der Gegend sogar ein Museum. Der ehemalige Präsident Sarmiento hatte vor seiner politischen Karriere im Tigre Delta ein Stück Land gekauft, dieses bebaut und hier auch gelebt. Ein Nachbau seines Wohnhauses ist dort aufgebaut. Um dieses vor Wind, Regen und dem Fluss zu schützen, wurde es in ein Glashaus gesetzt.
Museum.
Die Gegend ist relativ dicht besiedelt. Ein Bootsanleger folgte dem nächsten. Auch auf dem Wasser gab es viel Betrieb. Ein paar Ruderer, aber auch ein schwimmender Supermarkt war unterwegs. Wer eine leere Tüte an seinem Bootsanleger befestigt, zeigt nämlich, dass er einkaufen möchte. Der Boots-Supermarkt hält dann an diesem Haus.
Wohnhaus
Nach einer Stunde war die Bootstour schon vorbei. Es war sehr interessant zu sehen, wie sich nur eine Stunde von Buenos Aires entfernt, die Gegend komplett verändert hat. Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Snack: Empanadas. So ein Abschluss gefällt uns sehr.
Tigre
Anschließend traten wir schon wieder die Rückfahrt nach Buenos Aires an. Da wir nun die Autobahn nutzten, dauert das gerade mal 45 Minuten. Und wäre etwas weniger Verkehr gewesen, wäre es sogar noch schneller gewesen.
Für uns hieß es dann Packen, und das zum letzten Mal. Denn am Folgetag war es Zeit wieder nach Hause zu fahren.
Unsere Zeit in Argentinien geht zu Ende. Das ist eine gute Gelegenheit ein paar unserer Erfahrungen zu teilen.
Essen und Trinken
Im Gegensatz zu Chile waren wir in Argentinien häufiger essen und daher gibts an dieser Stelle auch wieder mehr zu berichten. Generell sind die Argentinier etwas zurückhaltend was die Gewürze betrifft. Außerdem ist die Küche von den Einwanderern geprägt worden. So brachten die Italiener Pizza, Pasta und Eis in das Land. Die Deutschen haben Kuchen und Bier mitgebracht. Teilweise wird das Wort „Kuchen“ sogar von den Argentiniern und Chilenen genutzt. Argentinien ist ein sehr großes Land, daher ist die Küche auch unterschiedlich. Nach meinem Empfinden gab es im Süden eher Lamm und Bier, während es im Norden eher Rindfleisch und Rotwein gab.
Empanadas
Auswahl an Empanadas.
Wie in den anderen Ländern Südamerikas sind Empanadas auch in Argentinien weiterverbreitet. Generell gibt es zwei Zubereitungsarten, diese sind „al Horno“ also aus dem Ofen und „frita“ also frittiert. Die Füllungen sind sehr vielfältig, wobei „Carne picante“ also würziges Fleisch meine Lieblingssorte ist. Auch für Martina gab es mal genügend Auswahl, denn die vegetarischen Alternativen sind vielfältig.
Pizza und Fugazetta
Argentinische Pizza von La Mezzetta: Fugazzetta.
Die Argentinier lieben Käse und das merkt man auch bei der Pizza. In Argentinien gibt es auch Pizzen ohne Tomatensoßen, diese werden als „Blancas“ bezeichnet. Die bekannteste „Pizza Blanca“ ist die „Fugazzetta“, diese besteht nur aus Teig, sehr viel Käse und sehr vielen Zwiebeln. Eine ganz besondere Fugazzetta gibt es im Laden La Mezzetta. Diese besteht aus einer Schicht Teig, dann ganz viel Mozzarella, wieder Teig und am Ende noch ganz viele Zwiebeln. Den Laden haben wir dank der Netflix-Serie Streetfood Lateinamerika entdeckt.
Steaks 🥩
Ojo de Bife con Papas Fritas.
Am bekanntesten ist Argentinien sicherlich für sein Rindfleisch. Daher war es ein absolutes Muss in Argentinien Steaks zu essen. Ich habe mich mal für euch geopfert und ein paar probiert. Es gibt immer verschiedene Schnitte zur Auswahl. In der Regel hatte ich „Bife de Chorizo“ also ein Hüftsteak oder ein „Ojo de Bife“ also Rib-Eye-Steak. Die Garstufe „a Punta“ war für mich perfekt, so hatte das Fleisch noch einen rosanen Kern.
Choripán
Choripán mit Chimichurri.
Ein Choripán ist nichts anderes als ein Wurstbrötchen. Jedoch wird anstelle einer Bratwurst eine Chorizo verwendet und statt Senf kommt Chimichurri dazu. Das ist schon eine ziemlich leckerer Kombi. Das Choripán ist auch eines der gängigsten Streetfoods in Argentinien und wird fast überall angeboten.
Lomito
Lomito mit Spiegelei und Käse.
Lomito ist ein belegtes Brötchen mit Fleisch. Das verwendete Fleisch nennt sich auf spanisch „Lomo“, hierbei handelt es sich um gebratene dünne Kalbfleischscheiben. Das ganze wird dann noch wahlweise mit Spiegelei, Käse und anderen Sachen belegt. Sehr lecker!!!
Alfajor
Natürlich gibt’s nicht nur herzhaftes Essen in Argentinien, sondern auch Süßes. Alfajores sind zwei weiche Kekse, zwischen denen sich eine Creme befindet. Es ist sozusagen in Kekssandwich. Die Vielfalt ist unglaublich groß. Es gibt verschiedene Füllungen wie Dulce de Leche oder auch Marmelade. Teilweise werden die Alfajores mit Schokolade ummantelt. Diese sind Supermarkt zu finden aber auch „artesenal“ im Kaffee, also selbst gemacht. Der klassische Alfajor ist mit Dulce de Leche gefüllt und nicht mit Schokolade ummantelt. Nachdem wir uns durch eine Vielfalt an verschiedenen Sorten probiert haben, kann ich sagen: der Klassiker war definitiv der Beste.
Wein
Flasche Malbec.
Wein ist in Argentinien auch ein großes Thema. Zuhause, in Deutschland, trinken wir eher Weißwein. Hier haben wir uns auch an den Roten getraut. Die bekannteste Sorte ist Malbec. Ein Sommelier erzählte uns während einer Weinprobe, dass er noch keinen schlechten Malbec probiert hätte, sogar die Weine aus dem Supermarkt wären allesamt gut. Auch wir können das bestätigten, denn wir hatten wir nicht einen schlechten Malbec erwischt. Besonders mit den Steak war es eine sehr gute Kombination. Im Vergleich zu den französischen Rotweinen, hat der Malbec weniger Tannine. Dadurch ist er nicht pelzig im Mund, das hat uns gut gefallen.
Mate
Den Mate-Tee, das Lebenselixier der Argentinier, haben wir natürlich auch mal probiert. Mit der Zubereitung waren wir leicht überfordert und haben deshalb böse und verwirrte Blicke von den Nachbartischen geerntet. Geschmacklich war das auch überhaupt nicht unser Fall, es war einfach nur bitter. Wieso trinken die Argentinier das Zeug nur die ganze Zeit? Die Auflösung erhielten wir bei einer unserer Touren, denn unser Guide bot uns einen Mate an. Hierbei zeigte er uns Schritt für Schritt, wie dieser zubereitet wird. Jetzt kann ich verstehen, warum unsere Nachbarn uns damals so unverständlich angeschaut hatten. Der Mate war weit weniger bitter und erinnerte an einen Kräutertee. Wem dies zu bitter oder herb ist, kann ihn auch mit Zucker versüßen. Und ähnlich wie Kaffee, schmeckt die erste Tasse oft nicht, doch man kann sich schnell an den Geschmack gewöhnen. Doch für die Argentinier ist der Mate viel mehr als nur ein Getränk. Sie trinken ihn meist gemeinsam, sogar aus einem Becher und unterhalten sich währenddessen über Gott und die Welt.
Geld und Kosten
Das Thema Geld und Kosten ist ein bisschen komplizierter als bei unseren anderen Reisezielen. Daher wird dieser Abschnitt im Vergleich zu den anderen Steckbriefen auch deutlich länger. Argentinien kann ein günstiges oder auch teures Reiseland sein. Das alles hängt vom Wechselkurs ab, denn es gibt verschiedene und die Unterschiede sind groß.
Der „schlechte“ Wechselkurs
Der offizielle Wechselkurs ist der Schlechteste und sollte daher gemieden werden. Daher lieber nicht Geld am Automaten abheben und auch nicht Geld in einer offiziellen “Casa de Cambio”, einer Wechselstube, tauschen. Auch bei Kartenzahlung sind ein paar Dinge zu beachten, dazu später mehr.
Der offizielle Wechselkurs zum Zeitpunkt unserer Reise.
Die „guten“ Wechselkurse
ErsteMöglichkeit: auf der Straße / in der Höhle
Die Frage ist nun, wie bekommt man den besseren Kurs, den inoffiziellen? Wir haben uns US-Dollar mitgebracht und diesen auf der Straße gewechselt. Die inoffiziellen Wechselstuben werden auch „Cuevas“, also Höhlen, genannt. Hier hat man deutlich mehr Pesos bekommen, in der Regel etwa 80 % mehr als in der “Casa de Cambio”. So war alles 40 % günstiger. Beispielsweise kostete das 400 Gramm Ribeye Steak statt 20 Euro somit nur noch 11 Euro. Na gut Steaks 🥩 sind in Argentinien immer günstig. Im zweiten Fall sogar günstiger als bei uns ein Schnitzel. Dieser zweite, bessere Wechselkurs wird auch als Dollar Blue bezeichnet. Auf der Straße zu wechseln klingt schlimmer als es war. Viele Geschäfte hatten im Schaufenster ein Schild hängen mit Angabe des Wechselkurses. So haben wir in einem Reisebüro unsere ersten 250 Dollar in Pesos gewechselt. Ich habe ein Bündel mit mehreren hundert Scheinen bekommen. Das Geld passte noch nicht einmal in mein Portemonnaie. So habe ich in Argentinien das Geld in der Innentasche meiner Jacke verstaut.
500 Pesos: die zweitgrößte Banknote hatte zu unserer Zeit einen Gegenwert von 1,2€.
Auch in vielen Restaurants oder Geschäften kann man mit US-Dollar zahlen, hier hat man in der Regel auch den blauen Kurs erhalten. Am leichtesten lassen sich gut erhaltene 100 Dollar Scheine wechseln. Andere Stückelungen oder einen schlechten Zustand der Noten können einen schlechteren Kurs zur Folge haben.
Der inoffizielle Wechselkurs zum Zeitpunkt unserer Reise.
Immer wieder hörte man im Zusammenhang mit Geld wechseln auf der Straße auch von Betrugsversuchen. Wir haben das glücklicherweise nicht erlebt, generell ist dennoch Vorsicht geboten. Die nächste Variante ist sicherer.
Zweite Möglichkeit: Western Union
Ein Schweizer Tourist erzählte uns von einer weiteren Möglichkeit, einen guten Kurs zu bekommen. Dieser hat online Geld zu Western Union transferiert und anschließend in einer argentinischen Zweigstelle abgeholt. Er berichtete uns jedoch, dass in den Zweigstellen die Geldausgabe begrenzt war, da schlicht nicht genügend Geldscheine da waren. Daher hatte er, als sich ihm die Gelegenheit geboten hat, in Buenos Aires eine Einkaufstasche voller Geld geholt – 1 Millionen Pesos. Das erklärt auch die langen Schlangen vor den Western Union Filialen. Wir haben diese Variante auch getestet. Nirgends gab es mehr Pesos für einen Euro.
Dritte Möglichkeit: MEP „Mercado Electrónico de Pagos“
Die dritte Möglichkeit macht alles generell noch etwas komplizierter. Die Regierung hat einen speziellen Wechselkurs für ausländische Touristen eingeführt. Der sogenannte MEP-Kurs ist dem Dollar Blue ähnlich, aber dennoch schlechter. Martina und ich haben jeweils zwei Kreditkarten dabei, also vier in Summe. Wir nutzen alle vier bei kleineren Einkäufen, um zu sehen, welchen Wechselkurs die Banken anwenden. Eine Bank hat den guten Kurs, den MEP-Kurs, abgerechnet. Die anderen drei Karten haben zuerst den schlechten, offiziellen Kurs verwendet. Jetzt wird es nochmal ein bisschen verwirrender. Ein paar Tage nach dem Einkauf habe ich gesehen, dass sich der Kurs bei einer meiner Karten noch nachträglich geändert hat. Das heißt, der vorgemerkte Umsatz wurde mit dem offiziellen Wechselkurs berechnet. Die tatsächliche Buchung erfolgte letztendlich mit dem MEP Kurs. So reduzierte sich der Preis für den Einkauf von 9 auf 5 Euro. Somit haben drei unserer vier Karten „funktioniert“, sowohl Visa als auch Mastercard. Nur bei der Amex wurde der offizielle Kurs angewendet. Jedoch ist Bargeld breiter akzeptiert als Kartenzahlung. Der MEP Kurs wird jedoch nicht bei Bargeldabhebungen am Automaten angewendet, sondern ausschließlich bei Einkäufen, in Restaurants und Co.
Wie man es nicht macht:
Als negatives Beispiel kann ich die Erlebnisse einer deutschen Touristin berichten. Auf einem Ausflug fragte sie mich, als ich den Parkeintritt zahlte, wo ich denn so viel Bargeld her habe. Ihr war nicht klar, dass die Situation in Argentinien besonders ist. Daher hat sie ausschließlich eine Kreditkarte dabei gehabt. Am Geldautomaten konnte sie nur kleine Beträge abheben, da einfach keine Scheine mehr verfügbar waren. So hat sie, neben dem schlechten Kurs, auch noch teilweise 30 Prozent an Gebühr gezahlt. Wir haben ihr natürlich von der Möglichkeit mit Western Union erzählt, doch sie konnte sich nur über die hohen Abhebungsgebühren aufregen. Mal hoffen, dass ihr unser Tipp trotzdem etwas genützt hat.
Wieso gibt es verschiedene Kurse?
Dollar Blue
Argentinien leidet unter einer hohen Inflation. Dies sieht man auch ganz plastisch an unseren Reiseführer. Diesen haben wir schon vor der Pandemie gekauft. Als wir bei einer Restaurantempfehlung vom Reiseführer essen waren, wurde dort ein typisches Hauptgericht mit 150 Pesos beziffert. Wir haben jedoch 3000 Pesos gezahlt. Das heißt, innerhalb weniger Jahre hat sich der Preis verzwanzigfacht.
Die Leute nutzen daher den argentinischen Pesos nur für das tägliche Leben. Jedoch ist die Währung, wegen der hohen Inflation, nicht als Wertaufbewahrungsmittel geeignet. Dafür wollen die Argentinier den US-Dollar. Da den Menschen klar ist, dass der Pesos an Wert verliert, haben sie auf dem Schwarzmarkt mehr für den US-Dollar gezahlt als der offizielle Kurs es rechtfertigt. Denn lieber einen Teilverlust beim Wechseln in US-Dollar realisieren, als den möglichen totalen Wertverlust des Pesos durch Inflation hinzunehmen. Im Jahr 2022 hat der argentinische Pesos um 94,8 Prozent abgewertet. Im Volksmund hatte man jedoch nicht Schwarzmarkt gesagt, sondern den inoffiziellen Kurs mit den Worten Dollar Blue umschrieben.
MEP
Der MEP ist noch ziemlich neu, dieser wurde erst am 15. Dezember 2022 eingeführt. Die Idee war es, den Tourismus anzukurbeln. Wohlmöglich sah der argentinische Staat so die Möglichkeit mehr Devisen in das offizielle System zu bekommen, um die eigene Währung aufzuwerten. Denn das Tauschen auf der Straße geht komplett an den Banken vorbei. Sogar in deutschen Medien ist der MEP Kurs thematisiert worden. In Beiträgen wurde erläutert, wie man beim Onlineshopping 40 Prozent „spart“. Bei der Masche wird die VISA Kreditkarte im PayPal Konto auf argentinische Pesos umgestellt. Mir ist dennoch schleierhaft, wie das ganze System funktioniert. Wer zahlt die Differenz? Wer ist der Geschädigte? Subventioniert der argentinische Steuerzahler das neue MacBook des „smarten“ Hipsters am Prenzlauer Berg?
Schlusswort 😅
Auch mit solch einer hohen Inflation zu leben ist sicherlich nicht leicht. Mich hat das ganze an eine Geschichte von André Kostolany erinnert. Er ist Ungar und hat zur Zeit der Hyperinflationen die Weimarer Republik bereist. Jeden Tag hat dieser nur einen US-Dollar in Reichsmark gewechselt. Denn täglich gab es mehr Reichsmark für seinen Dollar. So schlimm war die Situation dann aber auch wieder nicht in Argentinien, denn während unserer Zeit haben wir keine signifikanten Preiszuwachs erlebt. Es macht einem aber bewusst, dass eine stabile Währung ein hohes Gut ist.
Kommunikation
Das Spanisch der Argentinier hat einen ganz eigenen Klang. Wie in Chile wird das doppelte “l” eher wie ein deutsches “sch” ausgesprochen. Das heißt aus “calle” wird “casche”. Das gleiche mit dem “y”, so wird aus “Mayo“ das Wort “Mascho”. Auch die benutzen Wörter sind anders. So hat beispielsweise das italienische auch einen Einfluss statt „trabajo” nutzen die Argentinier „lavoro“.
Am Anfang hatten wir mal wieder etwas Pech, als wir uns eine Sim-Karte besorgen wollten. In El Calafate gab es einfach kein Geschäft von unserem auserwählten Anbieter. In Ushuia haben wir dann die Karte erst nach der Expedition gekauft. Denn in der Antarktis ist das Netz noch schlechter ausgebaut als an einer Mitteldeutschen Bahnstrecke 😉. Im Vergleich zu den anderen Ländern Südamerikas, mussten wir die SIM-Karte dieses Mal sogar mit unserer Passnummer registrieren lassen.
Transport
In Argentinien haben wir wieder verschiedene Transportmittel genutzt. Hier eine kurze Übersicht:
Überland
Aerolíneas Argentinas
Flugzeug von Aerolíneas Argentinien.
Argentinien ist ein sehr großer Land, daher sind wir auch hier wieder Teilstrecken geflogen. Die Flugzeuge waren modern und haben einen guten Eindruck gemacht. Wie Martina schon berichtet hatte, war das Fliegen von und nach Ushuaia abenteuerlich. Aufgrund der starken Winde war es sehr ruckelig. Besonders der Flug von Ushuaia nach Buenos Aires bleibt uns in Erinnerung. Das Flugzeug hat während dem Start stark geflattert, in der Luft sackte es immer wieder ab. Nach Erreichen der Reiseflughöhe war aber alles total ruhig und entspannt. Noch eine Besonderheit ist die Gewichtsgrenze für das Aufgabegepäck. Diese liegt bei lediglich 15 kg, wir haben daher alles ein bisschen reorganisiert. So konnten wir unsere 19 kg auf das zulässige Maß reduzieren. Das heißt, schwere Kleidung mussten wir anziehen und das Handgepäck weiter ausreizen.
Fähre ⛴️
In Argentinien haben wir noch ein weiteres Transportmittel genutzt, nämlich Fähren. So sind wir von und nach Uruguay mit dem Boot gefahren. Die erste Überfahrt haben wir mit Buquebus gemacht. Dieser Anbieter ist etwas teurer, aber fährt direkt von Buenos Aires nach Montevideo. Den günstigen Anbieter Colonia Express haben wir für die Fahrt von Colonia del Sacramento nach Buenos Aires genutzt. Uruguay lässt sich sehr gut von Buenos Aires aus erreichen, daher bietet sich der Abstecher an.
Die Fähre von Buquebus.
In den Städten
Taxi
Taxi fahren hat sehr gut geklappt in Argentinien. Die Fahrer haben immer das Taxameter eingeschaltet. Generell waren die Preise sehr günstig.
Uber
Uber hat gewohnt zuverlässig funktioniert, wir haben es jedoch ausschließlich in Buenos Aires verwendet.
Subte
Die älteste U-Bahn Lateinamerikas befindet sich in Buenos Aires.
Sicherheit
Während unserer Zeit in Argentinien haben wir uns sehr sicher gefühlt. Zu keinem Zeitpunkt hatten wir eine „unheimliche“ Erfahrung gemacht. Natürlich ist das unsere subjektive Einschätzung.
Das war gut
Argentinien 🇦🇷 war das europäischste aller Länder, die wir im Sabbatical bereist haben. Patagonien wirkte auf mich wie eine Mischung aus Skandinavien und Bayern. Buenos Aires war eine Mischung aus Paris und Madrid. Die Leute waren sehr nett, hilfsbereit und kommunikativ.
Das war weniger gut
Das Barzahlen mit Pesos hat genervt, denn man muss immer so viel Geld mit sich herumführen. Für uns war die hohe Inflation jedoch nur ein Ärgernis. Für die Argentinier ist das Leben dadurch jedoch eine große Herausforderung.
Fazit
Argentinien ist ein sehr tolles Reiseziel. Mit Buenos Aires, dem Perito Moreno Gletscher und den Igazú Wasserfällen sind gleich drei Highlights unserem Sabbaticals in diesem Land. In den letzten vier Monaten hat mir kein Land besser gefallen. Da fliegt man um die halbe Welt und stellt fest, dass einen das europäischste Land am meisten gefällt xD.
Wir haben leider noch nicht alles gesehen. Daher wollen wir irgendwann mal wieder kommen. Es wäre schön auch Salta, Cordoba, Mar de Plata und Mendoza zu bereisen.
Der Abstecher nach Iguazú hat sich definitiv gelohnt. Jedoch geht unsere Reise weiter und wir haben sogar noch ein weiteres Land auf unserer Liste.
In unserem Hotel in Iguazú warteten wir auf den Transfer zum Flughafen. Es war das gleiche Unternehmen mit dem wir die brasilianische Seite der Wasserfälle besucht hatten. Die Fahrt zum Flughafen war total unspektakulär und auch der Flug selbst war total entspannt. Sogar die Gewichtsobergrenze von 15kg pro Person haben wir diesmal eingehalten und das zum ersten Mal seitdem wir mit Aerolineas Argentinias unterwegs sind. Vielleicht hat uns deshalb die Dame am Schalter die Plätze am Notausgsng angeboten xD. Wir hatten das Extra plus an Beinfreiheit noch nie gebucht. Mal schauen wie das so ist. Im Flugzeug haben wir dann noch eine spezielle Einweisung bekommen für den Notausgang. Leider war es für uns strengstens verboten Kopfhörer bei Start und Landung zu nutzen. Schade, hörte Michi doch gerne Musik in diesen Flugphasen. Unser Zielflughafen war Buenos Aires, denn für den Weg nach Montevideo wollten wir noch ein anderes Transportmittel nutzen.
Mit einem Uber ging es zum Hotel, denn unsere Reise geht nämlich erst am folgenden Tag weiter. Für unser Abendbrot hatten wir auch schon Pläne und diese sind schon etliche Jahre alt. Wir hatten das Restaurant bei einer Doku über zwei deutsche Auswanderer gesehen, die sich in Argentinien niedergelassen haben. Das Lokal war genau nach Michis Geschmack, deutsche Küche und Bier dominierten die Speisekarte.
Michi im Lokal Extrawurst.
Zufälligerweise war das Restaurant keine 100m von unserem Hotel entfernt. So sind wir schließlich nach ein paar Minute schon in der Extrawurst angekommen, so heißt der Laden. Wir setzten uns und studierten die Speisekarte. Diese war schön deutsch, aber auch mit argentinischem Einfluss. So gab es neben Schnitzel und Wurst auch Gulaschempanadas. Michi ist schnell fündig geworden. Ich auch, aber das lag an der begrenzten Auswahl. Also auch in diesem Aspekt ist die argentinische Kopie wie das deutsche Original. Schließlich kam der Kellner um die Bestellung aufzunehmen. Michi bestellte im fließenden Deutschspanisch „Para mi Berliner Bouletten con Kartoffelsalat y una cerveza Helles“. Der Kellner hat alles verstanden. Für mich gab es den Veggieburger, da die Käsespätzle leider mit Panceta also Speck waren. Als Vorspeise hatten wir noch den bayrischen Käse.
Bayrischer Käse.
Michi war vom Essen begeistert. Es war eben genau sein Ding und nach 3,5 Monaten darf es auch mal wie daheim schmecken.
Deutsches Essen bei der Extrawurst.
Mein Highlight war der Nachtisch, ein Käsekuchen. Der hat geschmeckt wie von Michis Omas.
Als Nachtisch Käsekuchen.
Nach dem Essen ging es für uns zurück ins Hotel, denn wir mussten am nächsten Tag früh raus.
Um 5:00 klingelte der Wecker. Wir packten noch schnell fertig und gingen dann zum Hafen. Dieser war nur 15 Gehminuten von unserem Hotel entfernt. Die Strecke von Buenos Aires nach Montevideo wollten wir nämlich mit einer Fähre zurücklegen. Das Fährterminal von Buquebus hatte eine beeindruckende Erscheinung. Es war ziemlich modern und hinter den Schaltern gab es einen gigantischen Indoorwasserfall.
Terminal vom Buquebus.
Generell erinnerte das Boarding an einem Flughafen, da wir auch unser Gepäck abgaben. Nach einer Sicherheitskontrolle kamen wir zur Passkontrolle. So reisten wir wieder aus Argentinien aus und das zum dritten Mal innerhalb von drei Tagen. Direkt nebenan saß der uruguayische Beamte für die Einreise. Dieser inspizierte den Pass genau und betrachtete alle Stempel. Schließlich wollte er wissen, ob wir in Deutschland auch einen Wohnsitz haben. Letztendlich haben wir den uruguayischen Stempel bekommen und konnten die Reise vorsetzen. Also hatten wir mit Uruguay das dritte und letzte zusätzliche Land im Pass stehen, das Anfangs gar nicht geplant war.
Wir gingen anschließend zum Wartebereich. Einen Kaffee später war es soweit. Das Boarding zur Fähre begann. Das Schiff machte wie das Terminal einen sehr guten Eindruck. Die Fähren, welche ich aus Europa kenne, waren nicht so luxuriös.
Auf der Fähre.
Schließlich ging es los und das unfassbar schnell. Denn die Francisco ist eine Hochgeschwindigkeitsfähre. Mit einer Resisegesschwindigkeit von 95 km/h ist sie die schnellste Fähre der Welt. Im Schiff gab es einen großen Duty Free Shop. Dieser war ziemlich voll und die Leute kauften wie verrückt. Die Preise wirkten jedoch auf mich recht teuer. Mein Parfum bekomme ich in Deutschland günstiger. Nach 3,5 Stunden konnte man schon Montevideo am Horizont sehen.
Blick auf Montevideo.
Nach dem Anlegen schnappten wir uns unser Gepäck und wollten ins Hotel. Jedoch hatten wir wie immer bei einem neuen Land zwei Probleme: Kein Internet und kein Geld. Glücklicherweise gab es im Terminal Wifi so wollten wir uns ein Uber bestellen. Jedoch war nur ein Uber in der Nähe und es nahm unsere Fahrt nicht an. Also brauchten wir einen Plan B. Im Terminal gab es auch einen Geldautomaten. Wir meiden diese eigentlich, da wir in London mal schlechte Erfahrungen gemacht haben. Widerwillig steckte Michi seine Karte rein um Geld zu holen. Es ging aber alles gut und das Konto wurde fair belastet. So ging es für uns mit dem Taxi ins Hotel. Der Fahrer erläuterte uns noch die Gebäude an den wir vorbei fuhren und auch im Hotel schienen wir Glück zu haben. Wir haben einen gratis Early Check in bekomme. Jedoch waren wir sehr enttäuscht als wir das Zimmer sahen. Es war alles alt und gammlig. Seit Bolivien hatten wir nicht solch einen Reinfall erlebt.
Wir flogen nach Puerto Iguazú und der Hauptgrund hierfür war ein Besuch der Wasserfälle. Iguazú ist ganz im Norden Argentiniens an der Grenze zu Brasilien gelegen. Da wir nicht wegen der Stadt Puerto Iguazú kamen, wählten wir ein Hotel in der Nähe des Busbahnhofs. Von dort aus ging es dann auf eigene Faust zum Parque Nacional Iguazú.
Parque Nacional Iguazú – Die argentinische Seite 🇦🇷
Natürlich waren wir nicht die einzigen, die mit dem Bus zum Park wollten. Es hatte sich bereits eine Schlange am Bahnsteig gebildet. Im Vergleich zu Deutschland funktioniert das allerdings wirklich gut und alle haben sich brav in die Schlange eingereiht. Der Busanbieter war auch gut vorbereitet, denn es wurden zu den Stoßzeiten extra Busse angeboten. Deshalb mussten wir gar nicht lange warten. Nach etwa 20 Minuten Fahrt waren wir am Eingang des Nationalparks. Noch schnell haben wir unser Ticket gekauft und dann ging es rein. Der Park ist wirklich riesig. Wir orientierten uns zunächst und begannen mit einem der drei Rundwege. Hier entschieden wir uns für den kürzesten, da wir noch einen festen Termin am Vormittag hatten…
Circuito Inferior – Der untere Weg
Der untere Weg führte uns zunächst etwas durch den Tropenwald. Generell waren die Wege ziemlich gut ausgebaut und die meisten waren sogar barrierefrei. Im Park gibt es insgesamt 275 Wasserfälle und so sahen wir zu Beginn bereits ein paar kleinere Wasserfälle. Etwa auf der Hälfte des Weges wurde dann die Geräuschkulisse um einiges lauter. Ein paar Schritte weiter gab es dann das dazu passende Bild. Wir konnten einen ersten Blick auf die gigantischen Wasserfälle erhaschen. Wow! Der Anblick lies und wirklich erstaunen. Michis erste Aussage war, dass die Niagara Fälle im Vergleich dazu weniger beeindruckend waren. Diese hatte er bereits besucht.
Der erste Blick auf die gigantischen Wasserfälle.
Von einem Aussichtspunkt ging es weiter zum nächsten. So konnte man die Wasserfälle noch aus einem anderen Winkel betrachten. Hier konnten wir diesmal auch eines der Boote genauer betrachten. Dies gab uns bereits einen Vorgeschmack auf unseren nächsten Programmpunkt.
Schon ein Vorgeschmack auf den nächsten Programmpunkt.
Bootsfahrt
Denn wir hatten uns für eine Bootstour entschieden. Diese trug den Namen Gran Aventura, also großes Abenteuer. Vom Treffpunkt aus ging es zunächst mit einem Jeep etwa 20 Minuten durch den Wald. Anschließend waren wir fast am Bootanleger angekommen, uns trennten nur noch etwa 100 Treppenstufen. Auf dem Weg runter erhielten wir noch einen wasserdichten Beutel für unsere Rucksäcke und eine Rettungsweste.
Bald geht es los!
Und dann ging es schon direkt ins Boot und die Fahrt startete. Bald erhielten wir einen tollen Blick auf die Wasserfälle aus einer ganz anderen Perspektive.
Blick von unten.
Und dann war es Zeit für eine Abkühlung in den Wasserfällen, die Gran Ducha. Also fuhren wir mit dem Boot unter einen der Wasserfälle. Das Wasser prasselte nur so auf uns runter. Und gerade in dem Moment, als es schwerer wurde zu atmen, fuhren wir wieder raus. Wow, was ein Spaß. Und deshalb ging es gleich wieder rein. Da dies nur einer der kleineren Wasserfälle war, ging es noch weiter. Nun waren wir an der Stelle, an der wir ein anderes Boot zuvor beobachtet haben. Und dann ging es ohne Vorwarnung wieder mitten rein. Und nochmal und nochmal. Bereits nach der ersten Dusche waren wir pitschnass.
Das Video war spektakulärer xD.
Nun ging es wieder zurück zum Bootsanleger. Das Tempo war rasant, sodass man auf dem Weg bereits etwas trocknen konnte. Glücklicherweise waren wir aber gut vorbereitet und hatten Wechselkleidung dabei. Nachdem wir die 100 Stufen wieder hinaufgestiegen waren, ging es mit dem Jeep erneut 20 Minuten durch den Wald. Und dann war der ganze Spaß schon wieder vorbei. Den Namen Gran Aventura hat die Tour definitiv verdient.
Circuito Superior – Der obere Weg
Gut erfrischt ging es dann auf den zweiten der Rundwege. Der obere Weg ermöglichte uns, wie der Name bereits verrät, einen Blick von oben auf die Wasserfälle.
Regenbogen und Michi am Wasserfall.
Wir hatten wirklich traumhaftes Wetter und konnten viele Regenbogen sehen. Der Blick von oben auf die Wasserfälle war noch spektakulärer als zuvor. Teilweise führte der Weg direkt an der Kante, an der das Wasser abfällt, entlang. Gut, dass das Geländer da war.
Garganta del Diabolo – Teufelsschlund
Und zum Abschluss wollten wir uns natürlich noch den dritten Rundweg anschauen. Da dieser etwas weiter entfernt war, nahmen wir den Zug des Parks. Dieser ist im Preis inbegriffen und fährt regelmäßig zwischen dem Eingang, dem Beginn der ersten beiden Rundwege und dem dritten Rundweg. Dieser trägt übrigens den Namen Garganta del Diabolo was so etwas wie Teufelsschlund bedeutet.
Der Zug zum Teufelsschlund.
An der oberen Station angekommen begannen wir dann den Rundweg. Obwohl der Park ziemlich voll war, verlief sich alles recht gut. Bereits weit vor dem Aussichtspunkt konnten wir das Ziel schon hören. Insgesamt fließen bei den Iguazú-Wasserfällen über 10 Millionen Liter Wasser pro Sekunde runter! Und endlich waren wir an der Aussichtsplattform angekommen. Noch bevor wir unser Ziel richtig sehen konnten, spürten wir es. Ein feiner Sprühregen erging über die Plattform, doch dieser kam von unten. Als wir endlich auch einen Blick auf die Wasserfälle erhaschen konnten, waren wir beeindruckt. Wahnsinn!
Am Teufelsschlund.
Der Ausblick war wirklich einmalig. Aufgrund der Größe konnte man ihn jedoch gar nicht auf einmal festhalten. Mittlerweile hatte sich der Sprühregen auch verstärkt, aber die Abkühlung war sehr willkommen.
Unfassbare Wassermengen.
Der dritte Rundweg war definitiv der spektakulärste. Gut, dass wir diesen als letztes gemacht hatten. Der Anblick wurde den Tag über immer beeindruckender.
Nach der letzten Erfrischung nahmen wir wieder den Zug zurück zum Eingang und machten uns auf den Heimweg. Was ein Tag. Zum Glück hatten wir noch einen Abstecher zu den Wasserfällen gemacht, dies war zu Beginn noch gar nicht Teil unseres Sabbaticals gewesen.
Für den nächsten Tag stand wieder ein Park Besuch an. Diesmal allerdings auf der brasilianischen Seite, denn die Wasserfälle können von beiden Ländern aus bestaunt werden. Die Grenze stellt der Fluss Iguazú dar.
Parque Nacional do Iguaçu – Die brasilianische Seite 🇧🇷
Um den brasilianischen Park zu besuchen, mussten wir natürlich zunächst in Argentinien ausreisen und anschließend in Brasilien einreisen. Wir hatten uns deshalb für eine Tour entschieden, bei der der Transport und ein Guide dabei waren. Dieser erledigte auch die Einreiseformalitäten für uns. Lediglich bei der brasilianischen Einreise mussten wir selber an den Schalter, da ein Impfnachweis gefordert war. All dies verlief sehr entspannt. Und kurz hinter der Grenze war auch bereits der Nationalpark. Der Park war ebenfalls sehr groß und so gab es nach dem Eingang einen Shuttlebus, der einen zum Beginn des Rundwegs brachte. Im Unterschied zur argentinischen Seite gibt es in Brasilien nur einen Rundweg.
Auf dem Weg zu dem ersten Aussichtspunkt konnten wir auch schon ein wahres Schauspiel beobachten. Vor uns lief ein Tourist mit einer Plastiktüte in der Hand. Diese war mit Essen gefüllt. Auf einmal hängte sich ein Coati an die Tüte und dann noch einer und ein weiter. Die Tüte zerreißte unter dem Gewicht und der Inhalt landete auf dem Boden. Innerhalb von Sekunden kamen weitere Coatis. Sie schnappten sich das Essen und rannte weg. So schnell konnten wir gar nicht gucken.
Coatis haben die Snacks von Touristen erbeutet.
Wir gingen weiter und sahen noch öfter Coatis. Bereits auf der argentinischen Seite hatten wir einige gesehen, aber definitiv nicht so viele.
Der Rundweg ermöglichte uns nun wieder eine andere Ansicht der Wasserfälle. Da die ganzen Wasserfälle auf der argentinischen Seite sind, erhielten wir einen Panoramablick.
Panoramablick
Auch dieses Mal war der Park wieder recht voll und das war deutlich spürbar. Die Wege waren enger und es verlief sich nicht gut. Gerade an der letzten Plattform war ein totales Gedränge. Bereits aus der Ferne konnten wir dies sehen.
Der Rundweg aus der Ferne.
Das Ende des Rundwegs führte uns wieder zum Garganta del Diablo, der Teufelsschlund. Dieses Mal standen wir allerdings unten. Auch hier blieb man nicht trocken. Der Anblick war beeindruckend und wir konnten sogar die Aussichtsplattform vom Vortag sehen.
Garganta del Diablo von unten.Beweisbild – wir waren da.
Da wir ja nun unten an den Wasserfällen waren, mussten wir auch wieder hochkommen. Glücklicherweise gibt es hier Aufzüge. Von der oberen Plattform aus hatten wir nochmal einen tollen Überblick über die Wasserfälle.
Ausblick von der oberen Plattform.
Und dann hieß es schon wieder mit dem Shuttlebus zum Eingang des Parks zurückzufahren. Dort angekommen stiegen wir auch direkt wieder in unseren Bus, um zurück zu unserer Unterkunft zu fahren. Die Ein- und Ausreiseformalitäten erledigte dieses Mal komplett unser Guide, wir konnten einfach bequem im Bus sitzen bleiben. Das war auch gut so, denn die Wolken hatten sich zugezogen und es fing plötzlich an zu schütten. Was ein Glück hatten wir das nicht im Park abbekommen.
Dreiländereck 🇧🇷 🇦🇷 🇵🇾
Nachdem wir unerwarteterweise nach Brasilien eingereist sind, hatte uns das Stempelsammelfieber gepackt und wir wollten noch mehr. Da trifft es sich gut, dass auch Paraguay in der Nähe liegt. An der Stelle, an dem die Flüsse Iguazú und Paraná aufeinander treffen, befindet sich das Dreiländereck bestehend aus Paraguay 🇵🇾, Argentinien 🇦🇷 und Brasilien 🇧🇷. Zuerst wollten wir mit dem Taxi nach Paraguay fahren, jedoch gibt es in der Nähe keine Brücke, die die beiden Länder verbindet. Den Umweg über Brasilien wollten wir nicht machen, da jeder Grenzübertritt mit Warten verbunden ist. Da blieb uns nur noch der Wasserweg. So sind wir zum Hafen von Puerto Iguazú gefahren, kauften uns Tickets für die Fähre und gingen zur argentinischen Grenzpolizei um auszureisen Und dann konnten wir bereits auf die Fähre. Diese wirkte sehr improvisiert, denn es war eher ein Floß mit vertäutem Schiff als Antrieb. Eine halbe Stunde nach Plan ging es dann auch endlich mal los. Die Fähre fuhr zunächst auf dem Rio de Iguazú, also zwischen Argentinien und Brasilien. Wir passierten auch die Brücke, welche Paraguay mit Brasilien verbindet.
Brücke zwischen Paraguay und Brasilien
Aus der Ferne konnten wir alle drei Denkmäler erkennen. Jedes der drei Länder hat am äußersten Zipfel seines Territoriums eine Säule in Landesfarben stehen. Als wir den Rio Paraná erreichten, war es nur noch ein kurzes Stück bis nach Paraguay. Die Fahrt dauerte ingesamt etwa 15 Minuten. Als wir wieder an Land waren, gingen wir zum paraguayischen Grenzschutz um einzureisen. Der Grenzbeamte begrüßte uns sogar auf Deutsch mit den Worten Guten Tag. Die nächstgelegene Stadt in Paraguay wäre Ciudad del Este gewesen, jedoch hatten wir andere Pläne. Wir wollten uns die paraguayische Säule anschauen und einen Blick auf Argentinien und Brasilien erhaschen. Unser Weg führte uns durch ein kleines Dorf. Im Vergleich zu Argentinien wirkte alles wesentlich ärmer. Die Straßen waren kaputt, die Häuser noch kaputter und die Autos hatten teilweise keine Scheiben. Michi erinnerte das alles an Kuba. Nach etwa 20 Minuten hatten wir den „Hito Tres Fronteras“ erreicht. Dieser wirkte sehr verlassen und wir waren die einzigen Touristen.
Willkommen am Dreiländereck.
Wir liefen zuerst an einem riesigen Busparkplatz vorbei, dieser war komplett leer. Am Aussichtspunkt selbst war ein großes leerstehendes Ladenlokal. Es wirkte so, als ob hier mit vielen Touristen gerechnet wurden, die jedoch nie kamen. Wir nutzen die Zeit für Fotos. Nach etwa einer halben Stunde brachen wir wieder auf. Ein Stückweit waren wir froh, den gespenstigen Ort wieder zu verlassen.
Blick auf Brasilien und Argentinien. Säule in den Farben Paraguays.
Am Hafen angekommen gingen wir wieder zum Grenzschutz. Der Beamte war irritiert uns schon wieder zu sehen. Wir wurden mit einem auf Wiedersehen verabschiedet. Wir hatten Glück, die Fähre legte gerade an. Unser Aufenthalt in Paraguay hat keine zwei Stunden gedauert. So ging es just in time zurück nach Argentinien.
Fähre in Paraguay bereitet sich vor für die Fahrt nach Argentinien.
Dort angekommen mussten wir wieder einreisen. Da wir noch ein bisschen Zeit hatten gingen wir noch zur argentinischen Säule.
Säule in den Farben Argentiniens.
Der Kontrast hätte nicht größer sein können. Überall waren Touristen damit beschäftigt Fotos zu machen. Es gab viele kleine Stände welche Mitbringsel wie Magnete, Schlüsselanhänger oder auch Matebecher 🧉 verkauften. Hier war die Atmosphäre nicht gespenstisch, sondern eher wuselig.
Argentinisches Denkmal am Dreiländereck.
Das Dreiländereck war der letzte Punkt unserer To Do-Liste für Iguazú. Für uns ging es nun wieder weiter.
Für uns ging es weiter in Buenos Aires. Die Stadt ist wirklich riesig und hat einiges zu bieten. Dabei durfte eine Weinverkostung in Argentinien natürlich nicht fehlen.
Weinverkostung
Am abends war es dann so weit. Unser Sommelier Franklin begrüßte uns und suchte anschließend die Weine aus. Wir begannen mit einem Syrah, der keinem in der Gruppe wirklich schmeckte, auch dem Sommelier nicht. Anschließend gab es einen Malbec. Als Franklin die Flasche öffnete, ging der Korken nur recht schwer raus. Er schaute nochmal aufs Etikett und schluckte. Dies war nicht der angedachte Wein für die Verkostung, sondern ein viel viel teurerer Wein. Da musste Jemand beim Einräumen der Flaschen nicht richtig aufgepasst haben, denn Franklin versicherte sich nochmal, dass er diesen aus dem richtigen Regal geholt hatte. Der Wein schmeckte natürlich köstlich und ist somit der erste Rotwein, der uns beiden so richtig gut geschmeckt hat. Anschließend gab es ein paar Häppchen zu essen und wir sollten die Weine erneut probieren. Der erste Wein schmeckte nun ganz ok und der zweite war nicht mehr so besonders. Franklin erklärte, dass er Weine deshalb gerne in Essensweine und Plauderweine unterteilte. Das war nun nachvollziehbar.
Wein und Häppchen.
Und zum Abschluss gab es noch seinen Lieblingswein. Er nannte ihn den perfekten Wein fürs erste Date, denn er ist sehr alkoholhaltig, aber dennoch sehr süß, sodass man den Alkohol kaum schmeckt. Er erinnerte an einen Portwein vom Geschmack und war nicht mein liebster Wein von den dreien.
Bei der Arbeit.
Nach einer Stunde war der Spaß auch schon wieder vorbei. Für uns ging es heim und für die anderen zum Abendessen und anschließend einer Tango Show, all das im selben Haus. Hätten wir das mal früher gewusst.
Walking Tour „La Boca“
Den nächsten und vorerst letzten Tag in Buenos Aires hatten wir mit zwei Touren gefüllt. Zunächst ging es in den Stadtteil La Boca. Einst war dies der Hafen und somit der Mund der Stadt. Hier sind im 19. Jahrhundert die ganzen Immigranten, vor allem aus Italien, angekommen. Der Hafen ist allerdings mittlerweile umgezogen.
Der Hafen von La Boca.
La Boca ist aber insbesondere wegen seiner farbenfrohen Häuser bekannt. Diese sind kunterbunt in grün, gelb, rot und blau gestrichen.
Farbenfrohe Häuser.
Die Unterkünfte, in denen die Immigranten zunächst wohnten, waren aus Holz und brauchten einen Anstrich, um vom Wasser geschützt zu werden. Deshalb wurde hierfür die Farbe von den Schiffen genommen. Da die Bewohner aber kaum Geld hatten, konnten sie sich nur die Reste der Schiffsfarben leisten und keinen ganzen Eimer Farbe. Hierdurch ist die Farbenvielfalt entstanden.
Ehemalige Behausung für Migranten.
Der Stadtteil La Boca ist mit etwa 20.000 Bewohnern ein recht kleines Viertel. Dieses ist dafür aber umso bunter als der Rest der Stadt, den wir bislang gesehen haben. Es gab unheimlich viel Streetart zu betrachten.
Streetart in La Boca.
Hierbei durfte ein Bild des Weltmeisters natürlich nicht fehlen.
Weltmeister
Generell spielt Fußball in dem kleinen Stadtteil eine große Rolle. Die Mannschaft La Boca Junior hat mitten im Viertel sogar ein eigenes Stadion. Dies ist aufgrund seiner Architektur sogar recht bekannt und trägt den Namen La Bombonera, also das Bonbon. Die äußeren Seiten sind ähnlich wie ein Trichter geformt und verhindern, dass die Geräusche nach außen dringen. Die vierte Seite des Stadions ist eine glatte Wand, ohne Sitzplätze, denn diese waren beim Bau aufgrund der umliegenden Häuser nicht möglich. In dem Stadion wurden sogar ein paar Konzerte gespielt, unter anderem von Lenny Krawitz.
La Bombonera.
Die Tour hat uns eine neue Seite von Buenos Aires gezeigt. Wir sind froh, den Stadtteil besichtigt zu haben und das nicht alleine. La Boca wird als nicht so sicherer Stadtteil beschrieben, allerdings ist dies tagsüber bei einer Tour eher nicht der Fall.
Walking Tour „Cementerio de la Recoleta“
Bei der nächsten Walking Tour haben wir den Friedhof von Recoleta besichtigt. Dieser ist berühmt für seine aufwendig gestalteten Gräber. So hat ein Guide von einer vergangenen Tour gemeint, dass der Friedhof die größte Kunstgalerie der Stadt sei. Dieses Potential hat auch die Verwaltung von Buenos Aires erkannt und den Friedhofsbesuch kostenpflichtig gemacht. Es ist schon ein komisches Gefühl für einen Friedhof Eintritt zu bezahlen. Wir haben uns wieder für eine geführte Tour entschieden. Hierdurch lernt man einfach mehr über den Ort, als wenn man auf eigene Faust los zieht. So zeigte uns Victoria den Friedhof und erzählte uns einige Geschichten. Wir erfuhren, dass Recoleta immer noch genutzt wird. Es werden jährlich etwa 120 Menschen dort bestattet. In Relation zu den 20.000 Toden pro Jahr in Buenos Aires ist das wirklich wenig. Das heißt, in Recoleta bestattet zu werden, ist etwas Exklusives. Als der Friedhof gegründet wurde war das noch nicht der Fall. Es war nämlich der erste Friedhof in Buenos Aires und somit für alle Klassen zugänglich. Jedoch wurden die Gräber von den Familien nicht etwa gepachtet, sondern gekauft und zwar ohne eine zeitliche Begrenzung. Später wollten die Wohlhabenden in Recoleta ein Mausoleum haben, denn der Friedhof liegt im Reichenviertel der Stadt. So wurden die Gräber peu à peu von den Reichen erworben. Diese waren bereit viel Geld für ein Grab auszugeben, da dieses ja für immer bleibt.
Recoleta: Die größte „Kunstgalerie“ der Stadt.
Victoria erzählte uns auch Legenden zu den einzelnen Gräbern. Die folgende Legende spielt in Europa, genauer gesagt in Österreich. Während den Flitterwochen hatte ein junges Paar eine Berghütte in den Alpen bezogen. Eine Lawine verschüttete die Hütte, bei dem Unglück kam die Frau ums leben. In tiefer Trauer über den Verlust lies Ihr Vater ein aufwendiges Grab im Stile einer gotischen Kathedrale errichten. Vor dem Mausoleum eine Statue, welche seine Tochter und ihren geliebten Hund zeigt. Die Legende besagt, dass der in Argentinien gebliebene Hund aufgrund der engen Verbundenheit der beiden, ohne ersichtlichen Grund, am selben Tag starb.
Grab im gotischen Stil.
Die Gräber waren wirklich aufwendig gestaltet. Manche waren jedoch in einem schlechten Zustand. Wohlmöglich werden diese bald einen neuen Eigentümer finden. Denn in Recoleta gibt auch einen Immobilienmarkt für die Gräber. Jedoch steht nirgends ein Schild mit der Aufschrift „zu verkaufen“, denn das Ganze läuft diskreter ab. Ein Grab kann laut Victoria bis zu 250.000 USD kosten und kann unter anderem bei der argentinischen Version von Ebay Kleinanzeigen zu finden sein.
Das aufwendigste Grab in Recoleta.
Eine weitere Geschichte hatte Victoria für uns bei einem Grab mit zwei Statuten, welche mit dem Rücken zueinander positioniert sind. Der Herr auf dem Stuhl ist der Ehemann der dem Bild zugewandten Frau. Ihre Ehre war wohl eine Arrangierte. Ihre einzige Gemeinsamkeit war der Hass auf den Ehepartner. Der Herr war mit dem Konsumverhalten seiner Frau unzufrieden. Diese gab mehr Geld aus, als er es gutheißen konnte. Auch nach vielen Diskussionen hat sich nichts geändert. Er sah sich gezwungen in der größten Zeitung von Buenos Aires einen Annonce zu veröffentlichen. Darin forderte er alle Ladenbesitzer der Stadt dazu auf, seiner Frau nichts mehr zu verkaufen. Er versah die Annonce mit der Warnung, dass er die Sachen nicht bezahlen werde. Seine Frau wurde hierdurch zum Gespött der Stadt und die Ehe noch mehr belastet. Scheidung war in jener Zeit allerdings nicht möglich. Jedoch überlebte die Frau ihren Mann um mehrere Jahrzehnte. In dieser Zeit kaufte sie so viel sie wollte. In Ihrem Testament verfügte Sie, dass ihre Büste ihren Mann den Rücken zuwenden soll.
Rücken an Rücken.
Victoria hatte noch viel mehr Geschichten für uns. Wer die hören möchte, muss Recoleta besuchen.
Unsere Zeit in Buenos Aires neigte sich nach den Friedhofsbesuch ihrem Ende entgegen. Das nächste Ziel liegt ganz im Norden von Argentinien. Daher ging es für uns am Folgetag wieder zum Flughafen in Richtung Tropen.