Nach fast 60 Artikeln ist heute Schluss, denn das ist der letzte Blogbeitrag zu unserem Sabbatical.
Für den letzten Abend in Buenos Aires hatten wir mal den Balkon unserer Airbnb-Wohnung genutzt. So genossen wir den Ausblick vom 13. Stockwerk auf die Stadt bei Empanadas und Malbec. Den Malbec haben wir von unserem letzten Bargeld gekauft. Da wir nicht mehr all zu viel übrig hatten, reichte es nur für eine sehr günstige Flasche. Und bislang konnten wir bestätigen, dass es keinen schlechten Malbec gibt.
Empanadas und Malbec.
Am nächsten Morgen packten wir unserer Sachen, was gar nicht so leicht war. Wir hatten allerlei Süßes für die Daheimgebliebene gekauft. Das musste nun neben unserem normalen Gepäck auch noch im Rucksack verstaut werden. Und so ein Rucksack ist schon wesentlich kleiner als ein Koffer. Gegen 10:00 Uhr war es soweit und wir fuhren mit einem Uber zum Flughafen. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass wir viel zu früh am Flughafen waren. Die Lufthansa würde unseren Counter erst in zwei Stunden aufmachen. Okay, unser Flug sollte erst um 16:45 Uhr starten, aber wir mussten die Wohnung um 10 Uhr verlassen und wollten mit dem Gepäck nicht durch die Stadt laufen. Also hieß es jetzt warten. Jedoch merkte man schnell, dass der Flug nach Deutschland geht, denn wir waren nicht die Einzigen, die viel zu früh da waren. Vor dem Schalter bildete sich bereits eine Schlange. Der Rückflug an sich war auch ein besonderer Programmpunkt für uns, denn wir sind Business Class geflogen.
Nach dem Einchecken und ein bisschen Zeit in der Lounge wurde es dann aber wirklich ernst. Wir konnten schon unseren Flieger am Gate sehen, es war eine 747-8. Das besondere bei Lufthansa ist, dass sich ein Teil der Business Class im Upper Deck befindet. Genau da werden wir auch sitzen.
Die 747-8 am Terminal.
Das Boarding verlief schnell. Die First und Business Class hatten sogar ein eigenes Gate und dementsprechend auch eine eigene Gangway. Als wir unseren Pre-Departure Drink tranken, war das Boarding in der Eco noch voll im Gange. Nach einem sanften Start ging es auch schon bald mit dem Essen los.
Selfie aud dem Upper Deck.
Der Service in der Business Class ist kein Vergleich zur Eco. Ich wurde am Platz begrüßt mit den Worten: „Guten Tag Frau Merz, für sie gibt es ja heute das Special Menü.“ Woher kannte sie meinen Namen? Und welches Special Menü? Etwas irritiert gab ich nur zurück, dass ich nur vegetarisches Essen bestellt hätte. Michi hingegen konnte aus einer Menü Karte auswählen. Bei der Vorspeise entschied er sich für Garnelen.
Marinierte Shrimps mit Zucchini, Pesto-Mayonnaise und sautierten Kirschtomaten.
Als Hauptgang gab es für mich Ravioli mit Tomatensauce und etwas Käse überbacken und für Michi den Lachs.
Gegrillter Buckellachs mit Tomaten-Paprikasauce, dazu gebratene Anden-Kartoffeln und blanchierter Bok Choy.
Beim Nachtisch konnte man zwischen einer Auswahl an Käse und einem Mango-Kuchen entscheiden. Die Wahl fiel bei uns beiden natürlich auf den Kuchen.
Mango-Crémeux Käsetorte.
Nach dem Essen war es Zeit fürs Bett. Unser großer Luxus war, dass wir unseren Sitz in eine flache Liegeposition stellen konnte. Wir hatten sogar eine Minimatratze, eine richtige Decke und ein Kissen. Ein bisschen Schlaf konnten wir so tatsächlich mitnehmen, auch weil es wirklich sehr ruhig in der Kabine war. Und dann war es auch schon wieder Zeit für das Frühstück und wir begannen mit dem Landeanflug auf Frankfurt. Vor lauter Nebel konnten wir kaum etwas sehen. Wenn man Schlafen kann, ist so ein 13 h Flug doch recht kurzweilig. In Frankfurt angekommen, freuten wir uns auf unsere Familien und auch auf unsere Wohnung.
Sabbatical in Zahlen
Da Michi Statistiken mag wollte er unbedingt unsere Reise in Zahlen fassen. Also wer kein Interesse an Statistik, Zahlen und Mathe im Generellen hat sollte, jetzt nicht weiter lesen.
Nach 118 Tagen sind wir wieder in Deutschland angekommen. In dieser Zeit haben wir 8 Länder bereist und sind neben Südamerika auch auf dem Kontinent Antarktika gewesen. Die Aufenthaltsdauer in den einzelnen Länder war extrem unterschiedlich. Die längste Zeit haben wir in Chile verbracht mit einem Anteil von 23 % an der Gesamtdauer von 118 Tagen. Hingegen war die Aufenthaltsdauern in Brasilien und Paraguay mit wenigen Stunden extrem kurz und somit deutlich kleiner als 1 % Prozent.
In Summe haben wir eine Strecke von etwa 51.000 km zurückgelegt. Zum Vergleich: der Erdumfang beträgt etwa 40.000 km. Den größten Anteil an die Gesamtstrecke hatte die An- und Abreise nach Lateinamerika mit 20.842 km. Und auch die Verteilung nach Transportmittel ist sehr ungleich. Das Tortenstück welches das Flugzeug repräsentiert hat eine Große von 84 % und ist somit deutlich größer als die Stücke für Schiff, Bus und zu Fuß. Zu Fuß sind wir aber dennoch insgesamt fast 1.000 km gelaufen.
Zu einem weiteren Thema lassen sich viel Grafiken erstellen, hier geben wir jedoch nur relative Zahlen an. Es handelt sich dabei um die Kosten. Wir haben nämlich akribisch jede Ausgabe aufgeschrieben um auch zu sehen ob wir noch im Budget liegen. Unser Budget haben wir zu 98% ausgeschöpft. Das meiste Geld haben wir für die Fahrt zur Antarktis ausgegeben. Die Schiffsfahrt ist nicht wirklich einem Land zuzuschreiben, daher hat sie eine eigene Kategorie. Unsere Zeit auf dem Schiff machte gerade einmal 8 % der Zeit des Sabbaticals aus, der Anteil am Budget beträgt aber stolze 35 %.
Die Kosten in den einzelnen Länder waren sehr unterschiedlich, jedoch auch unsere Aufenthaltsdauern. Im nächsten Diagramm wird daher gezeigt, wie viel ein Tag in welchen Land gekostet hat. Da hier keine konkreten Zahlen genannt werden, wurden die Kosten auf einen Tag in Bolivien bezogen. Das heißt, ein Tag auf dem Schiff MS Ushuaia war 9,6 mal so teuer wie ein Tag in Bolivien. Die Angaben zu Peru sind verzerrt, da hier auch die versenkten Kosten berücksichtigt wurden. Denn aufgrund der Unruhen mussten wir unseren Plan anpassen, hierdurch sind Kosten entstanden und wir haben teilweise unser Geld nicht zurück bekommen. Ansonsten gibt das Diagramm das Preisniveaus der Länder gut wieder. Hierbei gilt es noch zu beachten, dass wir unser Verhalten den Kosten angepasst haben, denn in teureren Ländern sind wir weniger essen gegangen als in günstigeren Ländern. Ebenso verhält sich dies mit den Ausflügen.
Haben wir unsere Ziele erreicht?
Zur Veranschaulichung dient die Karte, welche den ursprünglichen Plan und auch die Änderungen zeigt. Es sind einige Orte weg gefallen (rote Markierungen), andere sind hinzu gekommen (grüne Markierungen). Die politischen Unruhen in Peru haben große Anpassungen erfordert. Peru sollte ursprünglich ein Schwerpunkt des Sabbaticals sein, jedoch wurde es mehr oder weniger ausgelassen. Dadurch ist viel Zeit frei geworden, wodurch wir Bolivien viel intensiver bereist haben als es geplant war. Die Orte Santa Cruz, Trinidad, Cochabamba und auch Potosí standen nicht auf unseren Zettel.
Auch bei der Kreuzfahrt in der Antarktis gibt es Abweichungen zwischen der Karte aus dem Beitrag „#1 Der Plan“ und der tatsächlichen Route. Das liegt einfach daran, dass jede Expedition anders ist. Es gibt keine Garantie einen bestimmten Ort in der Antarktis anzufahren. Wir sind zufrieden mit dem was wir gesehen haben.
Auch gegen Ende das Sabbaticals sind noch einige Ziele hinzugekommen. Wir hatten uns bewusst die letzten drei Wochen offen gehalten. Die Zeit haben wir spontan gefüllt. Daher haben wir die Iguazú Wasserfälle und auch Uruguay besucht. Die Iguazú Wasserfälle waren eines unserer Highlights der vergangenen vier Monate. Zum Glück haben wir diesen Besuch eingebaut.
Fazit
In den vergangenen 118 Tage haben wir viele tolle Momente erlebt. Den einen Höhepunkt gibt es jedoch definitiv nicht. Es sind mehrere Orte, die als unbeschreiblich schön in Erinnerung bleiben. So haben die Salar de Uyuni, der Perito Moreno Gletscher und auch die Iguazú Wasserfälle eines gemein: Ein Foto gibt nicht einmal 10 % Prozent ihrer imposanten Erscheinung wieder. Auch die Zeiten auf der Osterinsel und dem Schiff MS Ushuaia waren unbeschreiblich schön. Sicherlich hatten wir einen Durchhänger in Peru, denn Machu Picchu sollte eines unserer Highlights werden. Wir haben mehr oder weniger das ganze Sabbatical um die weltberühmte Stätte der Inca herum geplant. Umso trauriger war es, dort nicht hinzugehen. Dies war aber mit das einzigste, was nicht geklappt hat. Wir haben keinen Flug verpasst. Wir haben für jede Nacht eine Unterkunft gehabt. Wir haben all die Dinge gesehen, welche wir uns vorgenommen hatten und noch viele mehr. Manchmal haben sich auch Sachen ergeben. So kamen wir beispielsweise in Punta Arenas ohne rechten Plan an. Jedoch haben wir jeden Tag gefüllt und mehr erlebt, als wir es erwartet hatten. Die letzten vier Monate sind eine außergewöhnliche Zeit gewesen, welche wir nicht missen möchten. Wir sind froh, dass wir diese Möglichkeit hatten.
Wenn man reist trifft man viele Leute und spricht auch über ihre Erfahrungen. So wächst auch die Zahl der Reisewünschen und wird nicht etwa kleiner. Unsere Liste ist ebenfalls länger geworden. Die Osterinsel hat Lust auf mehr Polynesien gemacht. Daher wäre Hawaii ein tolles Ziel für die Zukunft. Argentinien hat auch noch viel zu bieten. So fehlen uns dort noch Orte wie Mendoza, Salta oder auch Cordoba. Peru hingegen ist auf der Liste ziemlich weit nach unten gerutscht, da kommen erstmal andere Ziele vorher.
Unsere Zeit in Chile ist zu Ende. Wir haben das Land von Nord bis Süd bereist, jedoch mit großen Lücken.
Essen und Trinken
Um unser Budget zu schonen, sind wir im Vergleich zu Bolivien seltener essen gegangen. Darüber Hinaus waren wir auch weniger neugierig und haben daher eher internationale Klassiker wie Burger 🍔 und Pizza 🍕 gegessen. Daher gibt es an dieser Stelle keine Beschreibungen.
Geld und Kosten
Chile ist kein günstiges Reiseland. Die Preise sind größtenteils mit denen in Deutschland zu vergleichen.
Kommunikation
In Chile ist es von Vorteil Spanisch zu sprechen. Wobei in den Touristengegenden Englisch sehr verbreitet ist. Das Spanisch war gar nicht so leicht zu verstehen. Es klang alles ein bisschen vernuschelt. So wurde beispielsweise das Wort „Pollo“ eher wie „Pojscho“ ausgesprochen. Gefühlt haben die Chilenen auch schneller gesprochen als etwa Peruaner oder Bolivianer.
Auch in Chile haben wir uns wieder eine SIM-Karte geholt. Wie bisher in Südamerika üblich war auch in Chile keine Registrierung notwendig. Die Karte war sofort einsatzbereit.
Transport
Überlandbusse
Zwischen den Städten fahren Überlandbusse. Die Tickets waren relativ günstig und die Busse haben einen guten Eindruck hinterlassen. Zum Glück haben wir in Patagonien die Tickets einige Tage im Voraus gebucht. Das Angebot ist begrenzt und man möchte ja nicht hängen bleiben.
Metro in Santiago
In Santiago de Chile sind wir viel mit der Metro gefahren. Man konnte sich gut zurechtfinden. Generell hat mich die Metro stark an Madrid erinnert. Die Züge waren sauber, haben sogar einen besseren Eindruck hinterlassen als in Frankfurt.
Uber
Auch Uber hat gut funktioniert. Wir haben es in Santiago und Punta Arenas genutzt.
Sicherheit
Wir haben uns auch in Chile sehr sicher gefühlt. Wie immer haben wir auch hier auf unsere Wertgegenstände geachtet.
Während einer Free Walking Tour berichtete uns ein US Tourist von einer Masche, von welcher ihm eine Dame während einer anderen Free Walking Tour berichtet. Eine Touristin wurde im Zentrum von einer Frau auf Vogelkacke im Haar aufmerksam gemacht. Die Frau half der Touristin den Dreck zu entfernen. Später stellt sie fest das ihr Geldbeutel nicht mehr da war. Die Vogelkacke diente als Vorwand, um die Aufmerksamkeit der Touristin zu bekommen. In der Zwischenzeit hat eine zweite Person ihr Portmonee gestohlen.
Besonderheiten auf der Osterinsel
Auf der Osterinsel waren einige Dinge im Vergleich zum chilenischen Festland anders.
Das begann schon mit der Einreise. Die Osterinsel hat einen besonderen politischen Status. Wir mussten vor der Reise ein Formular ausfüllen. Denn man braucht zwingend vor der Anreise einen Nachweis über eine Unterkunft und auch ein Rückflug muss schon gebucht sein. Selbst die Chilenen müssen ihre Reise vorher anmelden. Daher war der Flug auf die Osterinsel nicht wie ein Inlandsflug. Neben der extra Passkontrolle musste auf der Osterinsel nochmal das ganze Gepäck durchleuchtet werden. Da auf der Osterinsel keine Früchte oder tierische Produkte eingeführt werden dürfen.
Im Vergleich zum Festland ist auch das Preisniveau ein anderes. Im Supermarkt ist alles mindestens doppelt so teuer. Die Produkte haben ja auch eine weite Reise hinter sich.
Auch bei der Kommunikation gab es ein paar Besonderheiten. Neben spanisch sprechen die Menschen auch Rapanui, die Sprache der Ureinwohner.
Was die technische Kommunikation betrifft, war manches Speziell. So funktionieren auf der Osterinsel ausschließlich SIM-Karten des Anbieters Entel. Generell war das Internet extrem langsam.
Das war gut
Chile ist ein unglaublich vielfältiges Land. Alleine seine große Nord-Süd Ausdehnung sorgt für viele Klimazonen. Dementsprechend groß ist die Varietät der Landschaft. Unsere Reise startete in kurzer Hose in der Wüste und endete mit mehreren Lagen Patagonia-Kleidung in Patagonien. Immerhin haben unsere Klamotten somit die Gegend ihrer Namensherkunft bereist.
Meine zwei Lieblingsorte sind die Osterinsel und auch Patagonien.
Die Osterinsel war paradiesisch. Wir hatten das Glück die Insel besonders leer erlebt zu haben. Der Tourismus hat noch nicht das Vor-Corona-Niveu erreicht. Statt 15 Flüge umfasste der Flugplan zu unserer Zeit lediglich 3 Flüge pro Woche.
In Patagonien erwartet einen Weite und viel Wind. Die Landschaften sind rau und absolut beeindruckend.
Das war weniger gut
Das war weniger gut
Wir waren in San Pedro de Atacama einer der nördlichsten Städte Chiles und auch ganz im Süden des amerikanischen Kontinentes, in Punta Arena. Jedoch haben wir Chile weniger intensiv bereist, vor allem im Vergleich zu Costa Rica und auch Bolivien. Sicherlich wär auch Zeit in der Weingegend schön gewesen. Jedoch drängte unser Zeitplan und der Höhepunkt des Sabbaticals liegt noch vor uns.
Fazit
Wir hatten eine tolle Zeit in Chile. Besonders die Osterinsel und der Süden hat mir gut gefallen. Wobei die Zeit in Patagonien etwas knapp war. Das nächste mal würde ich auch ein Hotel im Nationalpark Torres del Paine buchen.
Nach diesem drei vollgepackt Tagen im Nationalpark war unsere Zeit in Puerto Natales zu Ende. Am folgenden Morgen ging es für uns wieder zum Busbahnhof. Wir fuhren nach El Calafate in Argentinien und verließen somit Chile. Ziemlich genau einen Monat haben wir dort verbracht, auch wenn uns die Zeit viel kürzer vorkam. Chile ist ein tolles Reiseland, doch das kostet auch entsprechend.
Im Bus hatten wir uns die besten Plätze in der ersten Reihe gesichert. Die Fahrt sollte 6 Stunden dauern und wir bekamen sogar einen kleinen Snack in Form eines Trinkpäckchens und eines Müsliriegels. Und dann hieß es Abschied nehmen Chile:m. Die Grenze hatten wir nach ca 1 Stunde erreicht. Alle mussten wir raus aus dem Bus und erhielten einen Ausreisestempel.
Letzter Halt in Chile.
Dann ging es 7 km weiter über Niemandsland, bis wir an der argentinischen Migration ankamen. Direkt konnten wir einen Unterschied feststellen, denn die Argentinier hatten keine befestigte Straße. Diese hörte mit dem Herzlich Willkommen Schild von Argentinien auf. Auch die Polizeiststion machte einen viel heruntergekommenen Eindruck. Und einen Einreisestempel gab es auch nicht. Aber sonst hat die Einreise ganz problemlos funktioniert. Und so ging es für uns endlich nach El Calafate.
Der Busbahnhof lag etwas außerhalb der Stadt. Da wir noch kein Bargeld hatten und unsere neue Unterkunft nur etwa 20 Minuten entfernt lag, sind wir den Weg gelaufen. Dabei ging es allerdings auf und ab.
Mit Sack und Pack unterwegs.
Unsere neue Unterkunft wirkte auf den ersten Blick ganz gemütlich und sehr warm. Unser Vermieter hatte die Heizung voll aufgedreht und lief in T-Shirt und kurzer Hose rum. Von Energie sparen hat ihr wohl noch keiner was gehört. In unserem Zimmer machte er auch als erstes direkt die Heizung an und die bollerte voll. Schnell mussten wir feststellen, dass die Regulierung der Heizung schwierig war, entweder richtig heiß oder fast aus.
Für uns ging es dann erstmal in die Stadt. Ein neues Land heißt immer zwei Dinge: eine Sim-Karte besorgen und Geld holen. Beides stellte sich mal wieder nicht so einfach dar. Den auserwählten Sim-Karten Anbieter konnten wir nicht finden, denn für Patagonien wird ein spezieller Anbieter empfohlen. Und das mit dem Geld ist ganz speziell in Argentinien. Aufgrund der starken Inflation gibt es auch einen inoffiziellen Wechselkurs, den man auf der Straße erhält. Wir sind jedoch nach etwas zögern auch fündig geworden und konnten unsere ersten Dollars wechseln. Da uns das im Vorhinein bereits bekannt war, hatten wir entsprechend Dollars eingepackt.
Ursprünglich wollten wir ein Minitrekking auf dem Gletscher Perrito Moreno machen. Allerdings waren wir hierfür bereits zu spät dran, für die nächsten drei Tage war der einzige Anbieter komplett ausgebucht. Schade, dafür haben wir so eine Menge Geld gespart.
Den ersten Abend in Argentinien wollten wir dann auch gleich mal typisch essen gehen. Und Michi kam voll auf seine Kosten. Es gab ein Stück Lamm mit Kartoffelbrei und ich hatte Linsenbratlinge mit Gemüse. Es war köstlich.
Lecker!
Gut gesättigt ging es dann wieder zurück. Am nächsten Morgen war es Zeit die Umgebung zu erkunden.
Am nächsten Tag war es endlich soweit, wir fuhren in den Nationalpark Torres del Paine. Dieser liegt etwa 2 Stunden von Puerto Natales entfernt. Wir hatten uns deshalb eine Ganztagstour rausgesucht, um so viel wie möglich vom Park mitzunehmen. Gegen halb acht wurden wir abgeholt und dann ging es los.
Der erste Stop war die Laguna Amaraga. Aufgrund ihres ph-Werts von 9 hat sie ihren Namen erhalten: Die saure Lagune. Wunderschön leuchtete sie hellgrün. Das Wetter wollte noch nicht so ganz mitspielen, denn es war bewölkt und sehr windig.
Die Saure Lagune – Laguna Amarga
Weiter ging es zu unserem ersten Wasserfall am Fluss Paine. Hier konnte man auch die interessanten Felsen bestaunen.
Wasserfall
Und mit der Zeit besserte sich zum Glück auch das Wetter. Die Wolkendecke klarte etwas auf und die Sonne kam zum Vorschein. Die Natur ist schon einmalig schön.
Mirador Nordenskjöld
Die entfernten Berge waren immer noch ziemlich umnebelt. Das Wetter in Patagonien sei allerdings stets sehr unbeständig erklärte uns unser Guide Natalie. Vielleicht haben wir ja Glück und können später noch einen Blick auf die drei Türme erhaschen.
Unser nächster Stop stellte den zweiten Wasserfall des Tages dar. In weiter Ferne konnte man den Salto Grande erkennen. Diesen wollten wir uns aber am nächsten Tag nochmal genauer anschauen.
Wasserfall Salto Grande in weiter Ferne.
Dann fuhren wir an einem Hotel vorbei. Dies ist das einzige staatliche Hotel im Nationalpark. Neben diesen einen staatlichen Hotel gibt es einige private Unterkünfte, wie Hotels oder auch Zeltplätze. Denn auf dem Parkgelände gibt es ein paar wenige private Grundstücke. Dies liegt auch daran, dass der Park vor einigen Jahren erweitert wurde und die Grundstücke in privatem Besitz waren. Auf diesen privaten Geländen gelten nicht die selben strengen regeln wie im Rest vom Nationalpark. Daher wurden dort Gebäude errichtet. Im den privaten Bereichen des Parks sind zum Beispiel auch Haustiere gestattet, während dies im restlichen Park nicht erlaubt ist.
Staatliches Hotel im Nationalpark
Dann war es auch für uns Zeit für eine Mittagspause. Diese fand am Lago Grey statt. Dort gab es eine Cafeteria und einen kleinen Wanderweg zu einem Aussichtspunkt. Da wir uns Essen eingepackt hatten, machten wir uns auf zum Aussichtspunkt. Der Weg fing schön an, doch dann ging es weiter über einen Steinstrand. Die Schritte wurden beschwerlicher. In der Ferne konnten wir den Gletscher Grey erkennen, den wir uns aber in den folgenden Tagen nochmal genauer anschauen wollten. Und dann merkten wir, wie uns wahrlich die Zeit weglief. Wir mussten die kleine Wanderung abbrechen und den Rückweg antreten, damit wir zumindest 10 Minuten Zeit für unsere Brote hatten. Schade, der Blick vom Aussichtspunkt wäre bestimmt schön gewesen.
Gletschereis am Lago Grey.
Und nach einer Stärkung war es auch schon an der Zeit, den Nationalpark langsam zu verlassen. Es stand noch ein Stop an einer Höhle an. In dieser wurden Fell-Überreste von einem Mylodon gefunden. Diese werden in einem Londoner Museum ausgestellt. Das Tier ist bereits ausgestorben. Die Höhle war wirklich groß und wurde über Jahrzehnte von der Natur geformt.
Cueva del Milodón
Nach diesem letzten Stop ging es dann wieder zurück nach Puerto Natales. Die Tour war lang und anstrengend, doch haben wir so viel vom Nationalpark mitnehmen können.
Wanderung zum Mirador Los Cuernos
Am folgenden Tag ging es für uns wieder in den Nationalpark. Dieses Mal wollten wir wandern gehen. Praktischerweise gibt es viele Busverbindungen in den Park. Und so ging es morgens um 7:10 mit dem Bus los. Allein für die Fahrt hatte es sich fast schon gelohnt. Wir konnten sehen wie die Berge langsam aus der Nacht erwachen und leicht umnebelt waren. Und wir konnten alle drei Türme sehen, endlich!
In weiter Ferne.
An unserem Ausgangspunkt angekommen, begann unsere kleine Wanderung. Diese führte zunächst zum Aussichtspunkt des Salto Grandes. Diesen hatten wir ja bereits am Vortag gesehen, doch nur aus der Ferne. Jetzt konnten wir den Wasserfall aus der Nähe bestaunen, wirklich wunderschön. Das Wasser war stellenweise ganz türkis und strahlte. Ich war begeistert.
Der Salto Grande.
Und von dort ging unsere Wanderung dann erst so richtig los. Ein schöner Weg führte uns weiter in die Natur.
Michi auf dem Wanderweg.
Wir hatten traumhaftes Wetter. Die Sonne schien und es war schon fast warm. Dennoch hatten wir uns gut eingepackt. Wie manch andere Leute in T-Shirt rumlaufen konnten, war mir schlicht ein Rätsel.
Der Rio Paine.
Auf dem Weg konnte man die Natur betrachten. Es gibt keine bzw. kaum Bäume und meist sind die Böden mit „goldenem Gras“ bewachsen.
Auf dem Weg zum Mirador.
Nach ca. 1,5 Stunden hatten wir unser Ziel, den Aussichtspunkt, erreicht. Der Blick war magisch, eine traumhafte Kulisse. Da wir nicht die einzigen im Park und schon gar nicht auf diesem Wanderweg waren, traten wir zeitig wieder den Rückweg an.
Das Ziel, der Mirador Los Cuernos.
Der Weg wurde immer voller. Allerdings ist dies auch verständlich, da dies eine der einfachsten Wanderungen ist, welche überhaupt mit dem Bus gemacht werden kann. Also ging es wieder zurück zum Aussichtspunkt des Wasserfalls und weiter zum Startpunkt unserer Wanderung. Diese war übrigens an einem Fjord mit Bootsanleger gelegen. Und es gab eine kleine Cafeteria. Und so genossen wir einen Kaffee mit tollen Blick, während wir auf unseren Bus warteten.
Kaffee mit Ausblick.
Die Rückfahrt zog sich etwas, doch glücklicherweise wohnten wir ja ganz in der Nähe vom Busbahnhof.
Fahrt auf dem Lago Grey
Alle guten Dinge sind drei, deshalb ging es für uns am Folgetag wieder in den Nationalpark. Abgeholt wurden wir schon um zwanzig nach sechs, da uns noch ein Wechsel des Transportmittels bevorstand. Denn wir wollten eine Katamaranfahrt zum Gletscher Grey machen. Der Check in Schalter für die Katamaranfahrt befand sich im Hotel Lago Grey, wunderschön gelegen mit Blick auf den Gletscher. Das Hotel hatten wir auch schon bei Booking.com gesehen, jedoch war in unseren Reisebudget keine Hotelübernachtungen für 500 € die Nacht vorgesehen. Um zum Bootsanleger zu kommen, mussten wir eine kleine Wanderung von etwa 45 Minuten machen. Die kannten wir schon von unserem ersten Tag im Park. Diesesmal hatten wir allerdings ausreichend Zeit zum Anleger zu laufen.
Am Ufer des Lago Grey.
Und schon den ganzen Morgen über hatten wir schlechtes Wetter, es schüttet aus Eimern. Gut eingepackt sind wir dann am Katamaran angekommen und haben uns einen Fensterplatz gesichert. Zu uns setzte sich eine Familie aus Madrid, mit denen wir später ins Gespräch kamen. Ihr Sohn studiert in München und konnte sogar etwas deutsch: Freilich! Und dann ging es schon los. Unser erster Stop war allerdings noch ein Zeltplatz, an dem wir noch ein paar Wanderer eingesammelt haben. Neben mich setzte sich Pablo, der die letzten 5 Tage den O-Trek gelaufen ist, das hat man auch gerochen. 🤭
Sobald der Kapitän sein ok gegeben hatte, durften wir raus auf das Oberdeck und an die Spitze des Katamarans gehen. Hierbei war es zwingend erforderlich eine Schwimmweste zu tragen und dies wurde penibel kontrolliert. An Deck war es eisig kalt und es schüttete weiter, aber den Anblick ließ einen echt erstaunen. Wir passierten einen Eisfläche. Diese wirkte imposant, aber auch bedrohlich. Denn nur etwa 10% der Fläche sind oberhalb des Wasser. Die restlichen 90% sind unter Wasser. Dennoch waren sie wunderschön. Noch nie zuvor hatte ich Eis aus dieser Nähe gesehen. Und mir war nicht bewusst, wie blau dieser wirkt. Das liegt daran, dass die andern Farben vom Eis absorbiert werden und nur das blau durchgelassen wird.
Immer mehr Eis, wir nähern uns der Abbruchkante.
Nach kurzer Zeit gingen wir wieder rein, denn es war so kalt und wir tropften. Während der Fahrt sollten wir den Gletscher von drei Seiten ansteuern und der Blick wurde immer besser. Und dann ging es wieder raus, denn der Gletscher nahte.
Martina in eisiger Kälte.
Also ging es wieder raus für uns. Gut eingepackt konnten wir die Szenerie weiterhin bewundern. Und wir wurden Zeugen, wie die Crew ein Stück Eis aus dem Wasser fischte.
Die Crew beim „Eisangeln“.
Der große Eisblock wurde dann sicher an Board gebracht und weiter verarbeitet, denn…
Die Beute in voller Pracht.
…diesen gab es dann in unserem Pisco Sour. Lecker!
Pisco Sour mit Gletschereis.
Wir bestaunten noch etwas den Gletscher bevor wir langsam den Rückweg antraten.
Eine von drei Gletscherzungen.
Nach fast 3 Stunden war die Katamarantour zu Ende. Dann besserte sich auch wieder das Wetter und sogar die Sonne kam raus.
Unser Boot für die nächsten drei Stunden.
Und wieder ging es 45 Minuten über den Strand zurück zum Parkplatz und dann direkt zurück nach Puerto Natales. Trotz des schlechten Wetters hat sich die Tour absolut gelohnt. Noch nie zuvor hatten wir beide einen Gletscher gesehen und dann auch noch so nah. Das war ein schöner Vorgeschmack auf die kommende Zeit.
Nach einem letzten leckeren Frühstück war es Zeit unsere hyggelige Unterkunft und somit auch Punta Arenas zu verlassen. Die Zeit dort hat uns sehr gut gefallen und ging schneller um als gedacht. Sind wir doch ohne konkrete Pläne dorthin gefahren und haben letztendlich jeden Tag gefüllt.
Mit Sack und Pack ging es dann in Richtung Busbahnhof. Dieser lag zum Glück fussläufig von unserer Unterkunft. Der Bus war ziemlich bequem und die zwei Stunden Fahrt vergingen wirklich zügig. Und dann waren wir schon in Puerto Natales, unserem letzten Ziel in Chile.
Auch unsere neue Unterkunft lag fussläufig vom Busbahnhof entfernt. Das Hostal war ganz nett, doch konnte es mit der vorherigen Unterkunft einfach nicht mithalten. Und leider bestand die angekündigte Küche nur aus einem Wasserkocher und einer Mikrowelle. Also richtig kochen kann man damit ja auch nicht wirklich. Aber wir waren ja schließlich nicht wegen der Unterkunft nach Puerto Natales gekommen. Und der Gemeinschaftsbreich war dafür schön gestaltet. Man hatte sogar einen guten Blick über die Stadt.
Gemeinschaftsbereich unseren Hostals.
Highlight in der Umgebung ist natürlich der Nationalpark Torres del Paine. Für den bekannten W- oder O-Trek sind wir nicht in Form gewesen. Und einen Platz im Hotel oder auf dem Zeltplatz hätten wir auch nicht mehr erhalten, da diese oft schon ein Jahr im Voraus ausgebucht sind. Online hatten wir uns deshalb schon Tagesausflüge rausgesucht, die wir gerne machen wollten. Beim Schlendern durch die Stadt haben wir auch schon einen ersten Vorgeschmack auf den Nationalpark bekommen. Die drei Granittürme waren allgegenwärtig.
Torres del Paine.
Auch beim Bier sind uns die drei Türme wieder begegnet.
Unser Ziel ist allgegenwärtig.
Also machten wir nach unserer Ankunft einen Spaziergang zum Touranbieter und sicherten uns die Plätze. Anschließend haben wir noch einen kurzen Abstecher an die Küste gemacht.
Spaziergang am Última-Esperanza-Fjord.
Und zum Abschluss sind wir gezwungenermaßen essen gegangen. Schließlich konnten wir in unserer Unterkunft nicht kochen. So leckere Burger hätten wir allerdings auch gar nicht hinbekommen 😉
Unserer erster voller Tag in Puerto Natales startete ganz entspannt. Wir wollten zunächst eine kleine Wanderung in der Nähe machen und noch nicht in den Nationalpark fahren. Allerdings hat das alles mit dem Transport nicht funktioniert und wir haben uns eine Alternative suchen müssen: einen Spaziergang an der Küste. Der Wind pustete nur so und die Sonne ließ sich kaum blicken. Der Anblick der Natur hingegen war wundervoll.
Blick auf die Kleinstadt Puerto Natales.
Den ersten Tag ließen wir also gemütlich ausklingen, denn für die folgenden Tage gab es ein volles Programm.
Nach einer heißen Nacht – die Heizung bollerte voll – und einem leckeren Frühstück, brachen wir zeitig zu unserem ersten Stop des Tages auf. Wir wollten das Schifffahrtsmuseum Nao Victoria besuchen.
Nao Victoria
Dies war auch wieder ein Tip unseren Taxifahrers gewesen. Den Weg von 7 km wollten wir laufen, da dieser an der Küste entlang führte. Es war ziemlich windig, aber die immer stärker werdende Sonne wärmte uns gut.
Michi am Abhängen.
Das Museum Nao Victoria ist nach dem Schiff von Ferdinand Magellan benannt, mit welchem um 1519 die erste Weltumseglung erfolgte. Das Museum war ganz anders als gedacht. Es gab einige Tafeln mit Erklärungen, aber der Hauptbestandteil waren vier nachgebaute Schiffe, die besichtigt werden konnten. All diese Schiffe hatten einen Bezug zu der Region.
Aber wieder zurück zu Magellan, denn dieser selbst hat die Welt nicht umrundet. Er starb während der Reise auf den Philippinen. Magellan hat jedoch in zweifacher Hinsicht eine besondere Bedeutung für die Gegend. Zum einem wurde nach Ihm das Gewässer benannt welches Patagonien und Feuerland voneinander trennt, die Magellanstraße. Zum anderen stammt von ihm die Bezeichnung Feuerland. Denn er beobachtet die vielen Feuer der Ureinwohner und nannte die Region so, wie er sie sah: Feuerland.
Nao Victoria
Die Schiffe waren komplett zugänglich. Zur Verdeutlichung der damaligen Lebensverhältnisse auf dem Schiff wurden dieses mit ein paar Puppen ausgestattet. Bei der ersten Puppe hatte ich mich so erschreckt, dass ich Michi immer vorgeschickt habe, damit er mir sagt, ob dort eine Puppe sei oder nicht.
Auf dem Schiff.
Neben der Nao Victoria waren auch weitere Schiffe nachgebaut. So gab es auch die HMS Beagle zu sehen. Dieses wurde dadurch bekannt, dass Charles Darwin an einer Expedition des Schiffes teilnahm. Während ihrer Weltumrundung hat auch die HMS Beagle die Magellanstraße befahren. Der Kapitän hat sogar mehrere Ureinwohner Feuerlands mit nach England genommen. Die Schiffsbesatzung nannte einen von ihnen Jemmy Button. Michael Ende hat die Geschichte zu „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ inspiriert. Der Englisch Titel lautet übrigens „Jim Button and Luke the Engine Driver“.
HMS Beagle
Ebenso wurde die James Caird von Sir Ernest Shackleton nachgebaut. Dies ist eines von drei Beibooten des Expeditionsschiffs Endurance. Nachdem sein Schiff, die Endurance, im Weddellmeer vom Packeis zerdrückt worden ist, fuhr er mit der James Caird von der antarktischen Elefanteninsel zu einer Walfangstation auf Südgeorgien. Die Gewässer in dieser Region sind die stürmischsten der Welt. Shackleton gelang es in einem kleinem Beiboot die Strecke zu überwinden. In Südgeorgien konnte er Hilfe organisieren um auch die auf der Elefanteninsel zurück gelassenen Männer zu retten. Nach mehreren Fehlversuchen gelang es einem chilenischen Schiff die restlichen Mitglieder der Expedition aus der Antarktis zu retten.
Das vierte und letzte Schiff des Museums, die Ancud, ist ein Nationalsymbol Chiles. Immerhin legte dieses Schiff den Grundstein für eine dauerhafte Besiedlung der abgelegenen Regionen Patagonien und Feuerland. Die Spanier hatten ihr Kolonialreich nicht so weit in den Süden ausgedehnt. Ein Versuch ist dramatisch gescheitert. Nahezu alle Siedler verhungerten, woraufhin der Hafen den Namen Puerto del Hambre, zu deutsch Hungerhafen, bekam. Die Chilenen waren erfolgreicher als die Spanier, wobei ihre Siedlungsversuche auch erst etwa dreihundert Jahre später waren. Die Chilenen bauten unweit von Puerto del Hambre ein Fort und schließlich gründeten sie die Stadt Punta Arenas.
James Caird und Ancud
Das Museum war direkt am Wasser gelegen.
Michi in Chile
In der Nähe des Museum gab es auch ein Schiff, welches als Wellenbrecher absichtlich versenkt wurde. Dies hatten wir bereits vorher gesehen und dies war nicht das einzige Schiff, dem es so erging.
Wellenbrecher
Vom Museum aus hatte man auch einen tollen Blick auf die Magellan-Straße.
Nach dem Museums-Besuch spazierten wir noch in die Zona Franca. Dieses Zollfreigebiet beherbergt viele Einkaufsmöglichkeiten, vor allem für Outdoor-Liebhaber. Die Preise waren allerdings nicht günstiger als bei uns.
Reserva Nacional Magallanes
Am zweiten Tag wollten wir etwas wandern und beschlossen uns in das nahegelegene Reservoir Magallanes zu fahren bzw. mit einem Uber fahren zu lassen.
Eingang des Reservoirs.
Dort angekommen bezahlten wir zunächst den Parkeintritt. Und dann erklärte uns eine freundliche Dame die unterschiedlichen Wanderungen, die möglich seien. Da wir Zeit hatten, entschieden wir uns für die längste mit ca. 10 km. Bevor wir starten konnten, mussten wir uns allerdings noch in eine Liste mit Telefonnummer eintragen. Ebenso sollten wir uns ein Foto vom Notfallkontakt des Reservoirs machen. Und dann wanderten wir los.
Michi im Wald
Der Weg startete ganz flach und führte uns in einen schönen Wald hinein. Alle 50 m gab es einen roten Pfeiler im Boden, sodass man gar nicht vom Weg abkommen konnte. Doch bald begann der Anstieg. Warum müssen Aussichtspunkte auch immer oben sein?! Wir gingen immer Weiter, bis wir schließlich wieder aus dem Wald hinaus traten. Die Landschaft hatte sich bereits merklich verändert.
Wunderschöne Natur
Da der Schutz der Bäume nun fehlte, pustete der Wind enorm. Wir konnten uns fast in den Wind legen, da dieser so kräftig war. Am Aussichtspunkt angekommen, konnten wir den Ausblick nicht lange genießen. Der Wind war extrem.
Also gingen wir zügig weiter, wieder in den Wald hinein. Zum Glück gehts von einem Aussichtspunkt aus meistens bergab.
Martina beim Abstieg.
Doch dieser Aussichtspunkt war nicht der Einzige auf dem Weg. Es gab noch en paar kleinere, doch der größte und schönste kam kurz vor Ende der Wanderung. Hier wurden wir allerdings mit einem super Ausblick belohnt. Wir konnten auf die ganze Stadt blicken und der Wind hielt sich zum Glück in Grenzen.
Ausblick auf Punta Arenas
Und so hatten wir die Wanderung in knapp 4 Stunden geschafft.
Fast am Ziel.
Wir sind wieder zu unserem Anfangspunkt zurückgekommen und mussten uns aus der Liste wieder abmelden. So wussten die Ranger genau, wieviel Leute noch im Park unterwegs waren.
Anschließend ging es wieder zurück in die Stadt und wir ließen den restlichen Nachmittag ganz entspannt angehen.
Fuerte Bulnes
Am folgenden Tag wollten wir uns das Fort Bulnes ansehen. Dieses wurde unweit des Puerto del Hambre gebaut und mit ihm wurde die Stadt Punta Arenas begründet.
Auf dem Weg legten wir allerdings noch einen kleinen Zwischenstop ein: der Mittelpunkt von Chile. Denn unweit der südlichsten Großstadt Chiles – Punta Arenas – liegt auch der Mittelpunkt von Chile. Das klingt komisch und ist auch so. Die Erklärung hierfür ist aber recht simpel, denn die Chilenen sehen auch einen Teil des Kontinents Antarktika als ihr Territorium an. Jedoch ist Chile nicht der einzige Staat, welcher unter anderem die antarktische Halbinsel für sich beansprucht. So stellen Argentinien und auch das Vereinigte Königreich Gebietsansprüche.
Der „Mittelpunkt“ von Chile.
Nach diesem etwas kuriosen Stop ging es weiter zum Fort Bulnes. Unweit des Forts gab es einen tollen Aussichtspunkt, zudem wir zunächst spazierten. Die Bäume waren vom Wind gezeichnet.
Vom Wind geformte Bäume.
Und der Ausblick war toll. In der Ferne konnten wir bereits wieder Feuerland erkennen.
Feuerland in der Ferne.
Und dann besuchten wir noch das Fort. Dies ist nun schon die vierte Nachbildung, da die vorherigen alle abgebrannt sind.
Fort Bulnes
Das Gelände war schön aufbereitet, doch gab es keine Erklärungen. Hierfür war man auf seinen Guide angewiesen. Zwar wurde uns ein bilingualer Guide für Spanisch und Englisch angekündigt, doch als dieser merkte, dass wir etwas Spanisch konnten, versuchte er es auch gar nicht mehr auf Englisch. Mag auch daran liegen, dass seine Englischkenntnisse etwa mit unseren Spanischkenntnissen vergleichbar waren.
Ehemalige Kirche
Und dann ging es auch schon wieder zurück nach Punta Arenas. Der Ausflug war ganz nett, aber zählt definitiv nicht zu unseren Highlights. Dennoch hat sich der Weg allein für die Landschaft gelohnt. Und die Fahrt führte die ganze Zeit an der Küste entlang. Und so konnten wir auf dem Hinweg sogar ein paar Delfine sehen. Das war wirklich schön.