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Heute möchte ich von unserem letzten Silvester berichten. Erstaunlicherweise ist das ganze auch noch mit unseren Sabbatical verknüpft. Aber jetzt erstmal ganz von vorne. Martina und ich wollten ursprünglich unsere Auszeit in den ersten vier Monaten des Jahres 2021 nehmen und planten vorher Silvester während eines Stop Overs in Madrid zu feiern. So hatten wir schon unsere Flüge nach Madrid und Lima und auch schon ein Hotel in Madrid gebucht. Aus bekannten Gründen wurde alles anders als geplant. Unsere Hotelbuchung konnten wir nicht stornieren, aber um ein Jahr verschieben. Aus diesem Grund haben wir das Jahr 2022 in Madrid begrüßt.
Noch drei Tage bis Silvester
Am 28.12.20212 sind wir in Frankfurt gestartet und waren gut 2,5 Stunden später in der spanischen Hauptstadt. Mit den Öffis ging es vom Flughafen in die Innenstadt. Unser Hotel war unweit der Puerta de Sol gelegen und somit im Herzen Madrids. Unsere Unterkunft war ziemlich basic. Da diese den Auftakt zum Sabbatical dargestellt hätte, waren wir eher auf Budget unterwegs. Nach dem Beziehen des Zimmers sind wir für einen ersten Spaziergang losgezogen. So haben wir den königlichen Palast „Palacio Real“ und den Hauptplatz „Plaza Mayor“ besucht.

Am Abend ging es noch lecker Essen und als Nachtisch gab es den spanischen Klassiker Churros.

Noch zwei Tage bis Silvester
Am nächsten Morgen haben wir uns zuerst mit einer Tortilla Española gestärkt, im Anschluss ging es für uns zum Bahnhof Atocha.

Leider war der im Bahnhof integrierten Palmengarten wegen Corona geschlossen. Normalerweise ist das ein lohnenswertes Ziel. Ich mag die Idee, eine große Bahnhofshalle in einem Gewächshaus für exotische Bäume und Pflanzen zu verwandeln.



Nachdem wir noch die Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlages vom 11. März 2004 besucht hatten ging es für uns weiter zum Museo Reina Sofía. Hier haben wir uns unter anderem Picassos Guernica angeschaut. Martina hat dieses Bild zum zweiten mal besucht. Beim ersten Mal war sie hier auf Klassenfahrt u.a. mit ihren Spanischlehrer. Picasso hat dieses Bild für den spanischen Salon der Pariser Weltausstellung im Jahr 1937 gemalt. Das Bild zeigt das zerstörte baskische Dorf Guernica, welches während dem spanischen Bürgerkrieg von der deutschen Legion Condor bombardiert wurde. Wobei die Deutschen auf der Seite Francisco Franco kämpften. Natürlich haben wir noch viele andere spanische Künstler wie Dali, Miro und auch Gris bestaunt. Im Anschluss ging es für uns in den Retiro Park. Der Park ist unfassbar groß, daher haben wir auch einige Zeit gebraucht. Es ist einfach schön herum zu schlendern und auch die Leute zu beobachten. Den Park haben wir dann auch noch als Ausgangspunkt für einen Spaziergang nach Ibiza genutzt xD.


Den Sonnenuntergang haben wir vom Templo de Debod aus bewundert. Nur wenige Gehminuten von Tempel ist der Plaza de España gelegen. Hier war sogar ein spanischer Weihnachtsmarkt zu finden. Zielsicher sind wir beiden Deutschen zum Stand mit Vino Caliente gelaufen. Im Vergleich zu den heimischen Erzeugnissen war dieser teurer und schlechter. Aber man muss nehmen was da ist. Bei den Einheimischen kam der Vino Caliente nicht so gut an, sie haben Bier getrunken. Nach zwei, drei Bechern sind wir wieder in Richtung Hotel gelaufen. Abendessen gab es diesmal direkt neben unserer Unterkunft. So haben wir wieder einen tollen Tag ein Madrid verbracht.


Noch ein Tag bis Silvester
Am nächsten Morgen bestand die erste Aufgabe darin einen Frühstücksort zu finden. Wir hatten eine Unterkunft ohne Frühstück gebucht, was den Vorteil bietet viele verschiedene Frühstücksorte kennen zu lernen. Der Nachteil ist, dass ich als kleiner Kafffeesuchti auf Entzug einen entsprechenden Ort finden muss. Am heutigen Tag haben wir uns für den Glaspalast entschieden. Sah auf den ersten Blick sehr hübsch aus. Auf dem zweiten Blick sah man, dass der Lack ab war. Und das im wortwörtlichen Sinne. Dennoch war der Kaffe sehr gut, Spanier können einfach Kaffee!

Nach unseren Frühstück sind wir ausgiebig ohne Ziel durch Madrid geschlendert. Aber auch zielloses rumlaufen macht hungrig. So sind wir Mittags in das Cafe Mallorca eingekehrt. Hier haben wir das erste mal Bekanntschaft mit einer saisonalen Spezialität gemacht. Hierbei handelt es sich um den Roscon de Reyes, zu deutsch Königskranz. Dieser Kuchen wird traditionell zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen serviert. Mein Stück war sehr lecker, jedoch spürte ich beim zerteilen einen Widerstand. Eine genauere Inspektion zeigte, dass ich ein Fremdkörper in den Kuchen geschlichen hatte. Im ersten Moment dachte ich mir, dass ist aber eklig. Bei genauerer Betrachtung merkte ich jedoch, dass es sich hierbei um eine kleine Figur handelte, einen kleinen Eisbär. Nach einer kurzen Recherche im Internet konnte ich Martina erklären, dass sie mich ab jetzt für den den ganzen Tag König zu nennen hat. Denn die Figur wurde absichtlich im Kuchen platziert und stellt in gewisser weise den Hauptgewinn dar. Durch meiner Internetrecherche wurde mir auch klar, dass es auch eine Art Niete gab. Diese wird durch eine Bohne dargestellt. Konkret muss der Kuchenesser mit Bohnenfund die Zeche für alle zahlen. Da hatte ich aber Glück gehabt.

Nach unserer Stärkung im Cafe Mallorca haben wir weiterhin die Stadt ohne konkretes Ziel bewandert. Nach weiteren Vino Calientes auf dem Weihnachtsmarkt, ging es für uns wieder zum Abendessen. Martina war mal richtig kreativ und hat sich für eine Tortilla Espanñola entschieden. Bei mir gab es Secreto de Cerdo, wobei das nicht wirklich ein Geheimtipp war. Das Fleisch war unfassbar fett und meine Nacht daher eher unruhig.
Silvester
Am nächsten Morgen war auch schon der 31. und somit neigte sich unserer Zeit in Madrid ihren Ende entgegen. Unseren letzten vollen Tag nutzen wir um das Eisenbahnmuseum zu besichtigen. Für mich als Eisenbahnerkind war es durchaus Interessant die spanische Fahrzeuge kennen zu lernen. Immerhin war ich als Kind mit meinem Eltern im Museum der deutschen Bahn in Nürnberg. Für Martina war es wahrscheinlich so semiinterssant. Zu meiner Überraschung waren wir nicht alleine im Museum. Auch einige Spanier haben den Weg gefunden und auch noch andere Deutsche. Im Vergleich zu Nürnberg war alles eine Nummer einfacher gehalten. In einem Nebenflügel waren auch mehrer Modelleisenbahnen aufgebaut. Eine Mitarbeiterin hat uns im schnellen spanisch einige Erklärungen zu den Modellen geliefert. Ich habe relativ wenig verstanden. Ich würde den Museumsbesuch dennoch als lohnenswert bezeichnen. Technikgeschichte ist Interessant und man lernt immer etwas hinzu.

Lernen macht aber auch hungrig. So haben wir ein, für uns neues, spanisches Fastfood kennen gelernt. Hierbei handelt es sich um Empanadas. Das Essen selbst war für uns nichts neues, aber das Ladenkonzept. Ähnlich wie beim Fastfood Pizzaladen standen verschiedene Menüs zur Verfügung. Wir hatten jeweils zwei Empanadas und ein Getränk. Als wir unsere Tüte mit den vier gefüllten Teigtaschen bekamen, fragten wir uns wie wir die Füllung erkennen können. Dann fiel uns auf, dass die Beschreibung der Füllung auf der Tasche stand – sehr praktisch.

Silvester rückt immer näher und wir hatten noch ein paar Vorbereitungen zu treffen. Daher ging es für uns zu Corte Ingles, eine Art spanischer Kaufhof. Dieser hat im Keller einen Supermarkt und so haben wir uns für die Nacht eingedeckt mit Cerveza, Sangria und Trauben. Die Trauben gibt es in Spanien zu Silvester fertig verpackt im Dutzend. Denn zu den ersten zwölf Glockenschläge wird jeweils eine Traube verzehrt, Wer das schafft, erfährt im neuen Jahr Wohlstand und Glück. Das wollten wir natürlich auch haben. Wir gingen von Corte Ingles zurück zu unseren Hotel und mussten feststellen, dass die Polizisten schon damit begonnen haben den Platz Puerto del Sol zu räumen. Denn hier wird später die große Silvesterfeier sein und alle Besucher werden vorher einmal von der Polizei durchsucht. Aus diesem Grund wird der Platz einmal vollständig geleert. Im Anschluss werden die Besucher erst nach einer Kontrolle auf die Puerto del Sol gelassen. Im übertragenen Sinne sind wir am spanischen Brandenburger Tor, denn der Jahreswechsel wird Live im spanische TV übertragen. Auch wir mussten zuerst vor den Platz auf Einlass warten. Die Schlange war schon gigantisch lang und wir hatten etwas Angst nicht mehr auf den Platz zum kommen. Wegen Corona wurde die Besucheranzahl reduziert. Hilft alles nichts. Auch wir haben uns in die Megaschlange eingereiht. Manche versuchten sich vorzudrängeln. Aber die Spanier wussten das mit einem mächtigen Sprachchor „a la cola“ zu verhindern.

Wir hatten Glück und gelangten noch auf den Platz. Ich glaube das nicht mehr all zu viele nach uns das gleiche Glück hatten. Jedoch wurde uns an der Kontrolle unsere Getränkevorräte weggenommen. Nur eine kleine Dose mit Sangria hat die Kontrolle überstanden. Bis zum Jahreswechsel hatten wir noch gut 1,5 h Zeit. Diese ging aber relativ schnell vorbei. Dann begann die Glocken zu schlagen. Und wir haben zu den 12 ersten Glockenschläge des Jahrs 2022 jeweils eine Traube gegessen.

Was gar nicht so einfach war. Nachdem 12. Glockenschlag gab es auch kleines Feuerwerk. Nun war Zeit unsere kleine Sangria zu trinken. Das neue Jahr war nur wenige Minuten alt und wir gingen schon zurück zum unseren Hotel. Dieses lag nur kurz hinter dem Sicherheitsbereich so dass, die Polizisten für uns den Zaun aufmachten. Erst da ist mir klar geworden wie viel Glück wir hatten, auf den Platz gekommen zu sein. Hinter dem Zaun standen zigtausende Madrilenen, welche weniger Glück hatten. Am nächste morgen oder vielmehr am gleichen Tag geht es zurück nach Frankfurt.
Der Tag danach
Neben der Abreise stand lediglich ein Frühstück auf der Agenda. Klingt erstmal einfach? War es aber nicht! Wir sind ziemlich lange durch die Innenstadt gezogen um festzustellen das alles geschlossen ist. Alles? Nein, ein Laden hatte offen. Für Martina war es aber die schlechteste Möglichkeit, mich hat es gefreut. Genug der Vorworte, bei dem Laden handelt es sich um das Museo de Jamon, als eingefleischte Vegetarierin war es für Martina nicht die erste Wahl. Nach einem leckeren bocadillo con jamon ging es zum Flughafen.

So ist unsere Zeit in Madrid auch schon wieder zu Ende. Wenn du Lust hast einen Reisebericht über einen weiteren Städtetrip zu lesen, dann klicke hier.